Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

RW 16


Das Rotwandl liegt gewissenmaßen in der Herzzone des Steinernen Meers. Wenn man das Plateau überquert, dann kommt man irgendwann, wenn man die zentralen Teile berührt, daran voran. Ein Kalkklotz ist da. Nicht besonders hoch, von überall her leicht erklimmbar. Seine Ersteigung "bringt einem sicherlich kein Ehrenkreuz ein".

Aber die Zone hat ihren Reiz. Wer einmal eine schöne, klassische Karstlandschaft sehen will, der kommt hier wahrlich auf seine Kosten. Schicht um Schicht zeigt sich hier der Dachsteinkalk, der von den Naturkräften laufend verändert wird. Langsam zwar nur, aber stetig. Die Berge würden zusammenschmelzen wie die Schneemänner, ein bißchen weniger schnell, aber doch unaufhörlich, so habe ich einmal in einer geologischen Arbeit gelesen. Nichts bleibt, so wie es war, nicht einmal die Berge.

Im August 1975 war ich einmal mit "Charly", Dr. Karl Mais, vom Höhlenkundlichen Institut in Wien, für ein paar Tage im Rotwandlgebiet unterwegs, um noch ein paar Daten für das damals noch gar nicht erschienene Salzburger Höhlenbuch Band 2 zu sammeln und ein paar brauchbare Bilder zu machen. Damals entstanden diese Bilder, die inzwischen schon teilweise wieder von Bildverfall angegriffen werden und vielleicht in ein paar Jahren schon gar nicht mehr existieren. Sie zeigen die sog. Sinterdeckenhöhle RW 16, jetzt mit der Katasternummer 1331/105 registriert. Sie liegt in der Ostflanke des Rotwandls, ist ca. 50 m lang und nur wegen einer Besonderheit besonders erwähnenswert. Der horizontale Gang ist im hinteren Teil durch eine dünne horizontale Sinterdecke geprägt, die eine Spannweite von bis zu 3 m hat. Auf ihr sind weitere Schichten von Lehm und Schutt abgelagert, unter sie kann man auch kriechen, da das Felsmaterial darunter inzwischen wieder freigeräumt worden ist. An der Unterseite der Zwischendecke zeigen sich verblüffenderweise lauter eingebackene Kieselsteine.

"Leider sind die Steindlklopfer überall unterwegs....in der Rotwandlsinterhöhle würde gesprengt, um rucksackgerechten Sinter zu bekommen." Aus einer Mail, die ich im Sommer 2009 bekommen habe. Was für Menschen sind da unterwegs? Aber sie schelten? Das ist doch unser Wirtschaftssystem, das genau solche Verhaltensweisen will! Rücksichtslos die Natur ausbeuten und die schönen Stücke am besten am nächsten Markt und im Mineralienladen gegen Geld wieder losschlagen!

 

 
 

 
 

 

 

Literatur:

Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg Salzburger Höhlenbuch, Band 2, Salzburg 1977
Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg Salzburger Höhlenbuch, Band 6, Salzburg 1996
Sattler, Martin 20 Jahre Forschung der Höhlenfreunde Giengen im Steinernen Meer, ATLANTIS 1-2/2009, S. 61ff.

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