Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Das Ofenloch bei Hemberg-Schwägalp, CH


Eine faszinierende Seite der Auseinandersetzung mit dem Thema "Höhle" ist, daß man dadurch in Gebiete dieser Erde kommt, die man ansonsten wohl nie betreten würde. Und wenn man mal aufgegeben hat, unter "Höhle" immer nur Karsthöhlen zu verstehen, die sich nur im Kalkgestein bilden, dann öffnen sich völlig neue Räume.

Das kann dann dazu führen, daß man auch mal dem "Gran Canyon der Ostschweiz" mal einen Besuch abstattet, weil dort es dort eine gewaltige Halbhöhle in den Konglomeratwänden des obersten Neckertales im Kanton Toggenburg gibt. Wind davon hatte Willi über seine Internetrecherchen zum Thema "Loch" bekommen. Es gibt ja schon etliche Webseiten, die diesen ungewöhnlichen Naturhohlraum erwähnen.

Es gibt mehrere Wege dorthin. Ein sehr beliebter führt von Hemberg das Neckertal aufwärts über den Ampferenboden und dann zum eigentlichen Ofenloch. Streckenmäßig viel kürzer ist da der Weg von der Paßhöhe bei der Schwägalp zu Füßen des Säntis. Von dort führt ein gut ausgeschilderter, offenbar viel begangener Pfad durch Moor und Wald zum Chräzerenpass und von da zum Hornwald. Immer wieder sind herrliche Blicke auf das Säntismassiv möglich. Der Besuch des eigentlichen "Ofelochs" kann von zwei Seiten her passieren, die am Ende aber wieder zusammenführen.

Entweder läuft man auf der abwärts gesehen linken Talseite erst einmal einen guten Kilometer entlang. Dann steht da auf einmal ein Schild "Neuwald" und das zeigt auf ein schmales Weglein. Dessen Begehung erfordert einfach Trittsicherheit, weil schon ein einziger Fehltritt genügen würde, um einen in die ewigen Jagdgründe zu entsenden. Schließlich läuft man dauernd am oberen Rand eine hohen Felswand entlang. Auf der anderen Talseite ist sie dauernd zu sehen, die Riesenöffnung, die stark an die Höhlungen in den Canyons von Mesa Verde erinnert. Hinkommen tut man auf dem Weg nicht. Da müßte man sich wohl schon vom Schluchtgrund aufwärts vorarbeiten.

Der Weg führt direkt zu einem wunderbaren Wasserfall, dessen Rückwand auch schon zurückweicht und damit "Klingencharakter" hat. Auf der anderen Seite geht es gleich wieder nach oben. Der ausgetretene Pfad führt steil hinauf nach Neuwald und dann wieder, relativ horizontal, durch eine bizarre Konglomeratfelslandschaft zurück zur Abzweigung.

Hier gehört aus sprachlichen Gründen ein "oder auch umgekehrt" noch her, um den Bogen von oben zu schließen. Im September 2010 waren wir mal da unterwegs. Die ganze Region ist ja eine Art Naturschutzgebiet, was aber der Waldnutzung offenbar keine Schranke weist. Über Stunden hinweg hörten wir die Motorsägen, die im Duett den großen Bäumen oberhalb des Ofelochs den Gar ausmachten. Hier gab es Arbeit!


"..als sich der Zweite mit größter Vorsicht in den hintersten Teil des verschlungenen Tales vorwagt, sieht er auf einmal über sich eine gewaltige urzeitliche Höhle, die sich wie die Vulva der Mutter Erde öffnet, ..." (Franz Hohler, Spaziergänge, "Ofenloch", S. 101)


Von der Schwägalp zum Ofeloch und zurück
 
 
 
 
 
 
 
   

Literatur:

Hohler, Franz Spaziergänge, Luchterhand-Verlag, München 2012

Links:

http://wanderland.myswitzerland.com/de/routen_detail.cfm?id=338886
http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2007-42/artikel-2007-42-hades-sg.html
http://touren.topin.travel/tour/schwägalp-hinterfallenkopf-ennetbühl-schweiz-toggenburg-B01279.html
http://www.wandersite.ch/Tageswanderung/433_Appenzell.html
http://www.hemberg.ch/xml_3/internet/de/application/d128/f86.cfm
http://www.hemberg-tourismus.ch/documents/karte_hemberg_ofeloch.pdf


[ Index ] [ Englisch version ] [ Höhlen und Höhlengebiete ] [ Kunst ]
[ HöRePsy ] [ Höhlenschutz ] [ VHM ] [ Veranstaltungen ] [ Links ]