Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen in und um Eichstätt, Altmühltal, D


Edelbachhöhle

Obereichstätt und das Alf-Lechner-Museum


Eichstätt wurde schon als "Hauptstadt des Altmühltals" und "Klein-Salzburg" genannt. 1987 hat man schon das 1.200 jährige Jubiläum des Hl. Willibald gefeiert, des Bistumgründers und Schutzheiligen. Vor allem im 18. Jahrhundert entstanden die barocken Bauten, die den Ortskern heute noch prägen, der Dom, die Residenzen, weitere Kirchen. Über der Stadt thront die Willibaldsburg, die schon eine sehr wechselvolle Geschichte hinter sich hat. Heute birgt sie das Ur- und frühgeschichtliche Museum und das Jura-Museum.

An der Altmühl
  Residenzplatz
Die Willibaldsburg
Im Juramuseum
 
  Wasserzell

In und um Eichstätt gibt eine ganz Reihe von Höhlen. Auffällig im Stadtbild sind sie nicht, eher schon das Gegenteil.

Die bedeutendste Wasserhöhle liegt vollkommen abgeschottet von der Außenwelt im Kloster St. Walburg, die Quellhöhle des Edelbachs. Wenn wieder einmal ein Wasserausbruch ist, dann gerät sie gelegentlich sogar in die Lokalpresse: "Der Edelbach rasucht seit Oktober - Wasser aus dem Berg / Expeditionen kamen nicht weit".

Im "Cobenzlgarten", benannt nach dem Domprobst Graf Cobenzl, von ihm 1776 erworben und ab 1784 zu einem Garten im englischen Stil ausgebaut, findet sich heute nur noch ein letzter Rest einer kulturhistorisch höchst interessanten Höhle, das Cobenzlloch". Was heute noch davon erhalten ist, macht durchaus den Eindruck, daß es einmal genutzt worden ist, allerdings wozu genau, das läßt sich nicht mehr feststellen.

  Der Siechhof - einst ein Ort des großen Leidens, hierher wurden die Aussätzigen gebracht, um sie von den anderen Menschen zu isolieren

An der Seite davon führt der Weg heute hinauf zur Cobenzlhöhle

Unterwegs im ehemaligen Park

Eine Gedenktafel erinnert noch an L. Cobenzl

 
 
 

"DIE HÖHLE, ein Versatzstück barocker Gartenarchitektur, wird nun ganz in den Dienst der Aufklärung gestellt. Sie ist in dem Winkel zwischen dem noch der Geometrie verpflichteten Grundstruktur der Hangkuppenanlage und dem Bergnasenabschnitt oberhalb des Schlößchens eingefügt, wie wenn der Graben von hier ausgehend herablaufen würde. Steht man oben auf der Höhle, finden sich massig kleine Brocken, die sich als steinige Abdeckung erweisen. Dieses keilförmige Dach zeigt in seiner Raumanpassung auf, daß die Grotte als Kunstform geschaffen wurde, wenn auch die natürliche Anlage einer Höhlung möglicherweise verhanden war. Der Blick in die Höhle, die in ihrem Ausmaß vermutlich noch heute vorhanden ist, zeigt rechts eine Trennwand mit lochförmigem Durchlaß. Der Eingang führt in einen weiten Raum an dessen rechter Wandrundung eine teilweise aus dem Stein herausgearbeitete Sitzbank zu finden ist. Hinten weist die logenartige Raumweitung eine abgeschlagene Sitzbank aus. Am Eingang könnte ein weiterer Pfeiler in der Innensituation der Höhle die vorhandene kleine Vorhalle deutlicher formuliert haben. So kann man die Deckenstruktur lesen. Damit ergäbe sich der rituelle Vorraum eines räumlichen Zusammenhanges, wie es die Einweihung in einen freimaurerischen Bund vorgibt." (aus Im Cobenzl-Garten, Wanderung von Li Portenlänger..., in: Nels, Portenlänger, Schieweck-Mauk)

Ludwig von Cobenzl war Mitglied bei den Illuminaten, einem Geheimbund, der von dem Ingolstädter Professor für Kirchenrecht Johann Adam Weishaupt 1776 gegründet worden war. Nach einem kurzen Aufblühen verschwand er dann aber schnell wieder, nachdem nicht zuletzt staatliche Maßnahmen ab 1784 bis 1790 griffen, die auf ein Verbot aller Geheimbünde hinausliefen und die Mitgliedschaft in ihnen sogar mit der Todesstrafe bedrohten.

1792 starb Cobenzl, und der nächste Eigentümer des Parks, Graf von Stubenberg, spürte wohl eine besonders starke Abneigung gegen alles, was von seinem Illuminatenvorgänger geschaffen worden war. Die Bäume und Pflanzen wurden umgehauen, ausgegraben, verbrannt, das sog. Bienenhaus, das innen grottenartig gestaltet gewesen war, wurde abgerissen, Hopfen und Kartoffeln wurden auf dem Gelände gepflanzt und in den Grotte wurden auch große Schäden angerichtet: die Sitzbänke wurden teilweise ausgehauen, die Zwischenwand teilweise zerschlagen und teilweise wurde die Grotte zugeschüttet. Der Grund? Es wurde vermutet, daß die Grotte "als Ort für Einweihungsrituale der Illuminaten in Erzerum (das war der geheime Codename der Illuminaten für "Eichstätt", A.d.V.)" gedient hatte.

Dieses Zerstörungsschicksal teilt sie mit zwei anderen "Illuminatenhöhlen", die es auch einmal gegeben hat, die "Cobenzlhöhle" im Kobenzl bei Wien und die heute "Untere Aignerparkhöhle" genannten Höhle bei Salzburg.


Verläßt man Eichstätt in Richtung Osten, dann liegen, kurz vor der Abzweigung ins Hessental, direkt an der Straße die 2 Eingänge in die Höhlen am Doktorsberg. Man muß sie nicht unbedingt aufsuchen, denn es handelt sich nur um kleine Felslöcher. Eine Gedenktafel an der Wand erinnert an ein schlimmes Ereignis am Ende des 2. Weltkriegs.

Im Hessental soll es einige kleine Höhlen geben, laut einem im Internet veröffentlichten Text über Ortsverbesserung von Eichstätt. Trotz intensiver Suche konnten sie im Oktober 2012 nicht gefunden werden. Dank der Hilfe befreundeter Höhlenforscher haben wir sie später doch gefunden. Der Haupteingang liegt wirklich sehr verborgen in einem Dornbuschhain.

 
 

Neben der Straße, die von Eichstätt den Altmühltalhang hinauf Richtung Weißenburg führt, liegen hangaufwärts mehrere Felspartien. In ihnen verbergen sich ein paar kleine Höhlen und eine Naturbrücke. Der Zugang zu ihnen ist durch das massive Stahlgitter, das dem Straßenverlauf folgt, sehr erschwert worden.

 

 
     
 
     
 
     
 
     
< Ein Fremdkörper in der Höhle: ein grauer Gymnastikball

> eine vollkommen zerstörte Sinterfigur

     
< ein genössisches Höhlengemälde  

 

Verläßt man Eichstätt altmühlaufwärts in Richtung Dollnstein, dann kommt nach wenigen Kilometern der kleine Ort Obereichstätt. Er liegt zu Füßen prachtvoller Wiesenhänge, die mit Jurafelsen durchsetzt sind. Nicht zu übersehen ist der Hüttenbach, der einer der stärksten Karstquellen der Südlichen Frankenalb entspringt. Bei einer Wassertemperatur zwischen 8 und 9 Grad Celsius können bis zu 750 Liter pro Sekunde austreten. Dieses Wasser war sicherlich ausschlaggebend, daß genau hier ein Eisenhüttenwerk einmal bestanden hat. Heute ist es aufgegeben und auf dem Gelände werden Werke von Alf Lechner gezeigt.


Von der Dorfkirche aus soll man den Eingang ins sog. "Eselsloch" sehen können, ein Felsloch aus dem, so eine Sage, "der Storch die kleinen Kinder holen soll".
Nicht ganz leicht zu finden ist die alte Lambertuskapelle am Südrand der Ortschaft in der Nähe der Altmühl. Auf einem gemalten Bild am Altar ist auch eine Darstellung der büßenden Maria Magdalena in ihrer Höhle zu sehen. Um den Altar gab es wohl früher eine Art Durchschlupfbrauch. Je nach Körperumfang kommt mehr oder weniger leicht zwischen Altar und Kirchenmauer hinten um den Altar herum. Ziemlich unscheinbar ist die gemauerte Öffnung auf der Rückseite des Altars, in den über Jahrhunderte Frauen ihre kranken Kinder gelegt haben, in der Hoffnung, daß sie wieder gesunden. Obwohl es die offizielle Kirche immer wieder verboten hatte, soll sich der Brauch bis ins letzte Jahrhundert gehalten haben.

> Sainte-Baume, Departement Var, Frankreich

In der Westenvorstadt von Eichstätt soll es 2 Höhlen geben, das Weißenburger Loch und das Hexenloch. Von letzterem geht die Sage, daß dort an Johanni morgens das Dredenweibl pudelnackt auf einer Stange oder einem Baumast ein Gesänglein singe und den Tage abwiege.

Am Nordrand von Eichstätt auf der Hochfläche gibt es lauter große Steinbrüche, in denen der plattige Kalkstein abgebaut wird, eine ungewöhnliche Landschaft. Dort soll irgendwo der Goißnberg mit einer kleinen Höhle liegen.

 

Eine Winterwanderung auf dem Panoramaweg:

 

 

 

Literatur:

Held, Conrad Das Cobenzlloch und andere Höhlen, in: Held, Conrad, Schauriges, Gruseliges und Gespenstisches, Eichstätt 2006
Neis, Carla, Porenlänger, Li, Schieweck-Mauk, Siegfried von seinem Freinde - Der verborgene Garten, Eichstätt 2011
Schrenk, Johann Altmühltal und Fränkisches Seenland, Michael-Müller-Verlag, Erlangen 2001
Timer, Peter Winterexkursion am Geisberg in Eichstätt oder Die erste Winterbegehung der Wolfsdrosselschlucht, Der Schanzer Stalagmit 2013/14, S. 10ff.

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