Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die "Wolfgangshöhlen" bei Sankt Wolfgang / Fränkische Alb


Ein abphotographiertes Bild von der Informationstafel vor dem Hohlloch von den Festivitäten, die dort an Pfingsten stattfinden - ein richtiges Höhlenfest


6 Bilder - drei Zeitpunkte, zwei Standpunkte

1966 2001 2011

Wer von Velburg Richtung Osten den Ort verläßt, der sieht bald darauf bei St. Wolfgang bereits von weitem das weite Portal des Hohllochs. Ein bequemer Weg führt hinauf. Dann steht man im 16 m breiten und 11 m hohen Eingang. Ein weiter Raum tut sich vor einem auf, der u.a. einen hölzernen Tanzboden Platz dazu gibt. Nach hinten zu schließt eine Mauer den Raum ab. Dahinter liegt heute ein Lagerraum. Was man heute nicht mehr sieht, das sind z.B. die zwei Steinkistengräber aus dem Neolithikum, auf die man beim Bau dieses einmal als Bierlagerkeller für das Gasthaus zur Post in Velburg genutzten Platzes gestoßen ist. Hier hatte einen wunderbaren Platz ausgewählt für eine letzte Ruhestätte, denn regelmäßig scheint hier die Sonne herein gegen Abend zu, geht und kommt dann wieder. Von 1895 bis 1898 hat Prof. Max Schlosser dort gegraben und bemerkenswerte Funde gemacht. Man fand Reste vom Höhlenbär, Höhlenlöwen, Riesenhirsch und 36 verschiedenen Arten von Nagetieren.

Von der Höhle zweigt nach links ein schmaler Weg ab, der zu einer massiven Holzleiter führt. Die ermöglicht den Aufstieg zu einem Felsfenster, durch das man zu einem viel begangen Weglein kommt. Dieser Durchgang ist nun recht seltsam. Warum wurde hier der heilige Wolfgang verehrt? Es gibt die Sage, Wolfgang sei dort verstorben. Historisch ist das wohl nicht richtig, es auch in Oberösterreich einen Ort mit eigener Wolfgangskirche, die für sich in Anspruch nimmt, daß dort der Heilige seinen letzten Atemzug getan habe. Aber dieser Durchgang. In der Wolfgangslegende spielt das Durchschlupfen durch Engstellen eine wichtige Rolle, was mit einer kleinen Begebenheit aus dem Leben Wolfgangs zusammenhängt. Der Teufel habe ihn verfolgt und er konnte sich nur dadurch retten, daß er durch eine enge Stelle schnell geschlüpft sei, die zu eng für den Verfolger war, der draußen bleiben mußte. Festgemacht war das ursprünglich mit einer Engstelle in einer kleinen Höhle am Wolfgangsee.Nun gibt es also hier wieder so einen kleinen Durchgang, nicht gefährlich, ein bißchen unbequem, aber nicht verunsichernd. Auf dem Fels drüber steht heute ein verziertes Kreuz - auch ein Hinweis auf eine erhöhte religiöse Bedeutung?

 Folgt man dem Weg weiter, dann kommt man zu den großen Eingängen der Kleinen Hohllochs. Ein bequemer Tunnel nimmt einen auf und man kann ihm einige Meter bergwärts horizontal folgen. Links und rechts zweigen jeweils kleinere Gänge ab, die man je nach Gusto mehr oder weniger weit verfolgen kann. Auffallend ist vor allem eine große alte Mauer mit Durchbrüchen, die früher zu einem von 1830 bis 1910 genutzten Bierlagerkeller für den Gasthof zum Schwarzen Bären in Velburg gehört hat. In der Bevölkerung soll man auch "Druidentempel" zu der Höhle sagen, was halt so einen mystischen Touch der Örtlichkeit verleiht, ohne daß man den geringsten handfesten Hinweis darauf heute wirklich noch findet. All unser Handeln verschwindet ja einfach wieder so von der Erde. Jedes Wort, das da mal gesprochen worden ist, jede Handlung, die da mal passiert ist, hat nichts hinterlassen. Archäologische Funde hat man gemacht, die Besuche der Höhle von der jüngeren Steinzeit bis in das früher Mittelalter belegen, aber die sind längst nicht mehr hier vor Ort, sondern im Naturkundemuseum in Regensburg. Sehr bemerkenswert sind die "Velburger Bildsteine", deren erster Fundplatz hier gewesen sein soll. Sie seien bei den Grabungen des Apothekers Wirsching und des Maurermeisters Bayerl aus Velburg um 1900 entdeckt worden. Tatsächlich scheint heute bewiesen zu sein, daß es sich hier um Fälschungen und Betrügereien gehandelt hat. Das Naturhistorische Museum in Nürnberg besitzt heute viele dieser Stücke,  insbesondere aus der Sammlung von Gabriel von Max.


Einer der Fälscher: Peter Federl, auch der Entdecker der König-Otto-Höhle

Aktuell waren die modernen Graffiti an den Höhlenwänden, auch nur kurzfristig vorhandene Zeiterscheinungen, die ich 15. Mai 2001 dort gesehen habe: Da waren wohl Kiffer von ihrem Tun so von den Socken, daß sie ihre Botschaft gleich noch festhalten wollten








      2001
 
2011
 

Vor den Höhlen steht die alte Wallfahrtskirche, die dem hl. Wolfgang geweiht ist. Sie enthält neben einigen religiösen Kunstschätzen ein Gemälde von hohen speläologischem Wert. Auf ihm ist nämlich die Landschaft um St. Wolfgang vor einigen Jahrhunderten abgebildet mit dem deutlich sichtbaren Eingang zum Hohlloch. Wer sich auskennt, der sieht auch im Burgberg die Eingangsöffnung des Kleinen Zigeunerlochs.

Großes Hohlloch F 16
Sternwirtskeller F 11

 


Mai 2015. Wehmütig denke ich an das Velburger HÖREPSY-Treffen zurück. Was waren das doch für besondere Tage. Ich frühstücke in einer Bäckerei am Marktplatz, es geht zu, alle wollen zum selben Zeitpunkt offenbar ihre Semmeln und Brezn. Die drei Verkäuferinnen in ihren normierten roten Schürzen haben massiv zu tun. Am Tisch nebenan sitzt ein "Motorradpärchen" in ihren ledernen Anzügen. Der Mann sucht offenbar Kontakt. Das Gespräch dreht sich um einen Kaplan aus dem Nachbardorf. Ich will weiter, hinüber nach Sankt Wolfgang. Nichts ist dort los. Die Straße ist leer und niemand ist irgendwo zu sehen. Ich stellen meinen GOLF auf dem geschotterten Parkplatz vor der Kirche ab, gehe über die prächtige, buntbeblümte Frühlingswiese hinauf zu den Felsen, in denen eine der klassischen Höhlen der Frankenalb liegt. Die Morgensonne scheint in die Eingangsportale. Wer ist nur der "Künstler", der sich an den Höhlenwänden "verewigt". Ich kenne inzwischen schon ganze Generationen von Bildern an dern Höhlenwänden. Die Nächsten überpinseln die Werke ihrer Vorgänger, die inzwischen schon verblassen. Lange werden die auch nicht halten. 10, 20, 30 Jahre - auf Jahrzentausende werden die es nicht bringen, sollen es wohl auch nicht.

Ich packe das Stativ aus, schraube die NIKON drauf und ziehe los. Drei Blitze habe ich dabei, und los geht es. Am Ende bin ich ganz zufrieden mit der "Ausbeute". Nie kommen die gleichen Bilder heraus. Jedes mal werden sie immer wieder ein wenig anders. Jedes mal könnte man dieses und jenes auch noch anders machen. Es ist so wie bei den Malern. Auch die werden nie an ein definitives Ende kommen. Eckpunkte ja - wie das schwarze Quadrat von Malewitsch oder die aufgeschlitzte Leinwand von Fontana. Aber dazwischen gibt es eine unauslotbare Fülle von Variationen. Sie auszuloten, das macht einfach großes Vergnügen.

 

 
     
 
     
 
     
 
     
 
     
 
     
 
     
 
     
   
2016
2015 2016

 

Literatur:

Herrmann, Friedrich Jurahöhlen der Oberpfalz, Verlag Fr. Pustet, Regensburg 1976
Panzer, Fr. Bayerische Sagen und Gebräuche, München (1848), neu herausgegeben von W.E. Peuckert, Göttingen (1954)
  Die Kunstdenkmäler von Bayern, Bezirksamt Parsberg, Oldenbourg 1906, Reprint Wien 1983
Jungwirth, Hans Ein heute unbekannter Wallfahrtsort, in: Die Oberpfalz - Zeitschrift - 1928, p. 108-110
Huber, Fritz St. Wolfgang in der Oberpfalz, Die Felsenhöhlen, in: Die Fränkische Alb, 28. Jhg. Mai/Juni 1941 p. 43-46 u. 63-66
Graf, Norbert Velburger Bildsteine und Pottensteiner Fälschungen, Jahresmitteilungen 1999 der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg, Nürnberg 2000, Seite 13-16

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