Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Felsenkirche in Idar-Oberstein, D


Auch ein Souvenirmotiv, Februar 2004


Auf dem Weg nach Irland kam ich Ende Februar 2004 auch mal dort vorbei. Schließlich liegt der Flughafen von Hahn, der vollkommen verwirrend für jeden Benutzer dieses Abhebortes von deutschem Boden, auch als "Frankfurt-Hahn" verkauft wird, ziemlich auf der Strecke dorthin.

Zu übersehen ist dieser "Kultort" nicht, denn er liegt schließlich direkt über Idar-Oberstein, das sich geschäftstüchtig als Edelsteinort verkauft. Ein Laden am anderen und darüber die geschlossene Felskirche. Die Kirche zu finden, war nicht schwer, hineinzukommen, ummöglich. Sie "öffnet" nämlich erst in den Ostertagen jeden Jahres. Was ist das für ein Kultort für einen "Gott", der nur, jahreszeitlich bedingt, zugänglich ist. Ketzerisch gefragt, gibt es diesen Gott auch nur jahreszeitlich, vom Frühling über den Sommer bis zum Herbst, aber nicht im Winter? Wegen der Steinschlaggefahr? Die nahe liegendendere Antwort ist, weil man Geld für den Eintritt verlangt, lohnt es sich bei einer geringen Anzahl von Besuchern nicht, die Kasse offenzuhalten.

Alles abgeriegelt, Stacheldrahtzaun rundum. Man hat wohl am "Zugang" zur Felsenkirche gearbeitet, hat einen Tunnelzugang gebuddelt, der eben mit einem massiven Eisentor verschlossen ist. Warum schafft man so eine "Verbesserung"? Steigert/dramatisiert das das Erlebnis? Jedenfalls habe ich vor dem verschlossenen Tor nur abgewiesen gefühlt, so geht es ja auch allen anderen, die sich an diesem schönen Spätwintertag dort aufgehalten hatten, und es blieb nur, dem Ganzen aufs Dach zu steigen, hinauf auf die Burg und dort die "Aussicht" wahrzunehmen, genießen mag ich das nicht nennen. Der Grund: Schaut man in die Tiefe, dann dominiert eine vierspurige Autostraße den Blick, die teilweise direkt über den Fluß gebaut wurde, weil wohl woanders kein Platz dafür war.

Auch andere beschreiben ihr "Felskirchenerlebnis" recht skeptisch: "Leider ist die Kirche eine große Touristenattraktion, die man durchen einen künstlichen Tunnel erreicht. Am Eingang innerhalb der Kirche wird Eintritt erhoben. Fotoapparate klicken, und es herrscht eine ziemlich oberflächliche Atmosphäre. Da kommt keine Andacht auf. Auch die Felsenquelle, aus der es nur noch müde tropft, hat keine Ausstrahlung mehr." (Luzyn).

Über die Entstehung des ursprünglichen Hohlraums gibt es mehrere Sagenversionen. Es geht immer um den Mord an einem engen Verwandten, der den Anlaß zum Kirchenbau gab. Als Buße für die schlimme Tat mußte der Mörder, an der Stelle, wo das unschuldige Opfer zerschmettert gefunden worden war, mit Hammer und Meißel eine Höhle in den Fels brechen. Nach vollbrachter Tat war auch für ihn gleich das Leben zu Ende.

In dem Burgfelsen ist eine Höhlung von immerhin 25 m Länge, 17 m Tiefe und 12 m Höhe. Es darf ruhig angenommen werden, daß es dort, wie an vielen anderen ähnlichen Stellen, auch einmal eine Burg gegeben hat. Noch heute gibt es Reste einer Schildmauer mit einer Stärke von 2 Metern und drei schießschartenähnlichen Öffnungen. Erstmals wird eine Kapelle an diesem Ort 1340 erwähnt. Der Steinschlag hat die Kirche immer wieder mal schwer, mal leicht zerstört. Die letzte große Aktion dort war 1997-81, wobei mal sogar einen Rekord aufstellte: Man errichtete das damals höchste Arbeitsgerüst Europas, um Fels und Kirche zu sanieren.

Am Fuß des Felsen

- dort "lies" die Felsenkirche

Die Felskirche im Hintergrund

der Haupteinkaufsstraße

Der neue Tunneleingang

- die Felsenkirche lugt rechts oben

ein bißchen heraus

Hinter Schutzzäunen

die Felsenkirche

 


Literatur:

Schneider, Peter

Die Kirche im Felsen in Oberstein, Jahresbericht der Höhlenforschergruppe Rhein-Main, 1988, S. 68-74, Frankfurt 1989
Evangelische Kirchengemeinde Oberstein, Bach, H. (Editor) 500 Jahre Felsenkirche Oberstein,1984
Engels, Christoph 1000 heilige Orte - Die Lebensliste für eine spirituelle Weltreise, Potsdam 2009

 

Links:

http://www.uni-mainz.de/~hahn/naheland/images/felsenkirche.html

http://www.felsenkirche-oberstein.de/


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