Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Hohler Fels bei Schelklingen, Schwäbische Alb


Blau- und Aachtal


Der Hohle Fels bei Schelklingen ist seit Urzeiten bekannt. Schließlich liegt sein Eingang ganz bequem erreichbar etwas erhöht über dem Talgrund der "Ach", die sich später mit der "Blau" vereinigt. Sie ist der Nachfolger eines viel größeren Flusses, der Donau, die einst hier durchgeflossen ist, eh ihr der Rhein immer mehr Wasser im Oberlauf abgegraben hat.

Im Wesentlichen besteht diese Höhle aus einer großen Felshalle, einer der größten der Schwäbischen Alb, zwei kurzen Seitengängen und einem kurzen Zugangsteil, der es allerdings in sich hat . Wann immer in den letzen Jahren irgendwelche archäologischen Sensationsmeldungen durch die Presse gingen, dann stammten sie entweder aus dieser Höhle oder aus dem nahe gelegenen Geißenklösterle.

War hier wirklich der Ort, wo nachweisbar zum ersten Male Menschen in "Deutschland" an die Wände etwas gemalt haben? Gefunden wurde ein separates Felsstück mit einer Punktreihe, aber die Annahme, daß es von der Felswand daneben stammt, ist nicht aus der Luft gegriffen. Die Frostsprengung arbeitet jahraus jahrein an diesen Wänden, die ja nur wenige Meter hinter dem Eingang liegen. Da ist so ein Absprengereignis eher normal als die Ausnahme. Immer tiefer gräbt man sich in die Vergangenheit und hat schon spannende Ergebnisse zum Vorschein gebracht.

Zum Beispiel lebten die Menschen wohl eher im Winter in der Höhle als im Sommer, was sich auch gut erklären läßt. Sie gehört nämlich zum Backofentypus, d.h. die relativ warme Luft steigt in die Höhe und bleibt im Höhlenraum gespeichert, währenddessen die kalte Luft herausfließt. Deshalb ist es gerade im Winter vergleichsweise warm im Innern, und das bietet eben in der kalten Jahreszeit bessere Aufenthaltsbedingungen.

Die Gesamtlänge der Höhle wird mit 120 Metern angegeben, der Gesamthöhenunterschied mit 29,6 m. Der Rauminhalt der Halle beträgt ca. 6000 m³, die größte Längenerstreckung 39 m und eine maximale Breite von 29 m. Von außen mag es so scheinen, als sei der Felsen in dem die Höhle liegt praktisch hohl, aber das stimmt nicht. Die Höhle hat sich hauptsächlich im Hang dahinter entwickelt, wobei sich Innen- und Außenseite bis auf 6 m nahekommen.

Als Grund für die Entstehung der Höhle wird das Wasser angegeben, das von unten her in die Höhle in ständig unterschiedlicher Höhe eingedrungen ist und eine starke korrosive Wirkung auf den Felsen gehabt hat. Tropfsteine gibt es keine, dafür viel Montmilch, was mit der relativ hohen Temperatur und der hohen Luftfeuchtigkeit erklärt wird.

Inzwischen wird die Höhle sonntags nachmittags regelmäßig im Sommer geöffnet. Wegen der feinen Akustik finden nun öfters im Jahr Konzerte statt.

Das Höhlenmuseum in Eingangsbereich
Fundstücke  
 

Besuch im Oktober 2009 anläßlich des HÖREPSY-Treffens:

 
 
Ausgestellt auf dem 21° Congresso Nazionale di
Speleologia in Triest, Juni 2011
Mai 2012

 

Literatur:

Binder, Hans Höhlenführer Schwäbische Alb, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart und Aalen 1977
Klein, Georg Abgrund des Abbildmachens - Das ösenköpfige Weib vom Hohlen Fels, Süddeutsche Zeitung S. 14, Nr. 112, HF2, 16./17. Mai 2009
Brembeck, Reinhard J. Die schwäbische Venus - Tübinger Archälogen finden die älteste Menschenfigur, Süddeutsche Zeitung S. 16, Nr. 110, 14. Mai 2009
Weber, Christian Hausmusik in der Höhle - Bereits vor 35 000 Jahren haben die Schwaben geflötet, Süddeutsche Zeitung S. 16, Nr. 143, 25. Juni 2009
Holzhaider, Hans Wo die Kunst begann, Süddeutsche Zeitung S. 22, Nr. 169 HMG, 25./26. Juli 2009

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