Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Gaping Gill


 


A famous tourist attraction as not only is the resurgence cave a showcave but the main inlet entrance holds several British records on its own. It has the highest waterfall in Britain (105m) dropping into the largest chamber in Britain (140m long, 27m wide, 34m high) with a side passage entering the second largest chamber. Many entrances drop quickly to the lowest level then run almost level making a network of passages of varying heights. Long deep sumps connect the main cave network to the showcave. A description of selected routes was available on the Braemoor pages


 

In der klaren Sprache eines Geologen hat Helmut Cramer in seiner Arbeit "Die Karstgebiete der Britischen Inseln" natürlich auch den Gaping Gill-Schacht beschrieben. Bei ihm klingt das so: "Eines der bedeutensten Höhlensysteme ist das der Gaping Ghyll (Gähnende Kluft) südlich Ingleborough. Mehrere kleine Berggewässer, aus den Yoredale-Schichten in 640 m Höhe entspringend, erreichen in der Talrinne des Fell Beck auf 411 m den Bergkalk. Hier beginnen die Versickerungen. Nur nach heftigen Regenfällen wird im Bereiche der ersten Ponorstufe nicht alles Wasser aufgenommen, ein Teil fließt sodann in den nahezu kreisrunden Schacht von Gaping Ghyll und bei großem Hochwasser noch daran vorbei in den episodisch aktiven Schacht der "Flood Entrance". Das Gaping Gill-System sei ein "vielverzweigtes Sohlengerinne mit eingeschalteten Raumerweiterungen (Rückstauspeichern), einzelnen Druckleitungen und vorwiegender Tiefenerstreckung".

Der klassische Höhlenführer "Northern Caves - Volume Three Ingleborough" charaktierisiert die Höhle so: "A magnificent, complex system of great interest and variety. The cave consists of a series of roughly horizontal passages ramifying from the huge Main Chamber; this system of tunnels is intersected by active or deserted inlets from subsidiary entrances." Kurz und knapp trifft man das Wesentliche.
Der Engländers John Birkbeck unternahm 1842 den ersten Versuch, den Schacht zu ergründen. Es muß ein aufwendiges, teures und gefährliches Unternehmen gewesen sein. Zuerst einmal verlegte man den Bach und leitete ihn in ein anderes Schluckloch um, um wenigstens auf dem ersten Teilstück vor den herabstürzenden Wassern sicher zu sein. Er ließ an das Ende eines Seils binden und wurde von Helfern hinuntergelassen. Zweimal soll dies geschehen sein, wobei bereits beim ersten Mal höchste Gefahr bestand. Das Seil blieb auf einem Felsband liegen und häufte sich dort auf. Beim zweiten Mal kam er bis zu dem Absatz, der heute seinen Namen trägt und ca. 80 m unter dem Eingang liegt. 1882 wiederholte ein Alfred Clibborn diesen Versuch, kam aber auch nur bis zum Felsabsatz. Für das Jahr 1895 hatte dann Edward Calvert, einer der Gründer des Yorkshire Ramblers Club, einen erneuten Versuch geplant, die in baumloser Felsverebnung liegende weite Trichteröffnung zu befahren. Da kam ihm einer zuvor. Der erfolgreiche französische Höhlenforscher E. A. Martel unternahm vom 30. Juli bis 1. August 1895 die erste Erkundung. Martel fand in der Tiefe einen Raum von 150 m Länge und 30 m Breite und Höhe, "ein gewaltiges Sammelbecken der bei Hochwasser hier herabkommenden Wassermassen....". Das war kein einfaches Unterfangen. Das Wasser des Baches durchtränkte Martel ziemlich bald schon bis auf die Haut, der auf einer schier endlosen Strickleiter, gesichert durch seine Hilfsmannschaft von oben, in die Tiefe stieg. Unterwegs verklemmte sich das Seil, was Marteil zwang, im eisigen Wasserfall auszuhalten, bis ein Knoten wieder aus einer Spalte freikam. Die Leitern hingen nicht frei in die Tiefe, sondern lagen auf dem Birkbeckabsatz. Er warf sie weiter hinunter und stieg weiter. Eine halbe Stunde dauerte der Abstieg, dann war er auf dem Grunde des Schachts. Eine Stunde verbrachte Martel in der riesigen Halle, zeichnete eine genaue Skizze der Örtlichkeit und konnte sogar mit der Mannschaft an der Oberfläche Kontakt halten. Das Telefon war bereits erfunden und Martel bediente sich schon dieses technischen Hilfsmittels.10 Monate später betrat der erste Engländer den Boden des Schachts, Edward Calvert.

Heute können auch Menschen diesen Schacht befahren, die überhaupt nicht viel mit Höhlenforschung am Hut haben. Zweimal im Jahr veranstalten englische Höhlenvereine sog. "Winch Meets", wo man, so heißt es, "umsonst" in den Schacht mit Hilfe einer Elektrowinde hinabgelassen wird. Für das Wiederhochziehen verlangen sie aber einen symbolischen Beitrag, der die Kosten sicherlich deckt und Vereinskasse aufbessert. Schließlich arbeiten alle ehrenamtlich.

Ich war 1984 einmal für ein paar Tage am und im Gaping Gill und diese Tage dort oben sind mir noch heute in bester Erinnerung. Ich hatte alles dabei, was man für so ein Erlebnis brauchte, die komplette Höhlenausrüstung, die komplette Zelt- und Campingausrüstung, Essen und Trinken für 4 Tage. Ausgesehen haben muß ich wie ein Packesel. Der Weg führt von Clapham hinauf zur Ingleborough Cave, dem unteren Ende des gesamten Systems. Über den Trow Gill, ein schluchtartiges Tälchen, erreicht man die nur mehr mit Gras bewachsene Hochfläche, die nach Westen zu zum Ingleborough Hill ansteigt. Ein ausgetretener Pfad leitet einen durchs Gelände, das nur von ein paar Dolinen gekennzeichnet ist. Am Horizont heben sich anfangs kaum erkennbar ein paar bunte Flecken, die Zelte der Höhlenforscher. Sie pflanzen sie entlang des kleinen Bächleins in die Wiesen, um eine einfache Unterkunft für ein paar Tage zu haben. Sozialer Mittelpunkt ist das "Beer Tent", das allabendlich alle zusammenführt, wenn die Touristenschwärme weg sind und die Ruhe wieder eingekehrt ist. Was ich da alles erlebt und gehört habe, das steht in den beiden in der Literaturliste angegebenen Artikeln.

Wer einmal ein richtiges Höhlenerlebnis sich antun will, das, wie die Engländer so schön sagen, "sends shivers down the spine", der sollte Gaping Gill besuchen. Wem ist es schon wirklich wohl, wenn er 100 m Luft unter sich hat und in einem kleinen Stühlchen sitzt und an einem Drahtseil hängt? Ist man Tourist, dann geht die Fahrt nach unten ja langsam und gemessen vor sich. Oben steht ein Höhlenforscher und hilft einem in den Sitz. Unten stehen Höhlenforscher, die "Dienst" tun und die Leute mit Lampen herumführen. An die Winden dürfen nur technisch versierte und erfahrene Kräfte, so kann eigentlich nicht passieren. Wenn man dann wieder heroben ist, daß kann es leicht sein, daß man auch selber ein der wesentlichsten Erkenntnisse, die man in Höhlen gewinnen kann, hat, nämlich das Gefühl, wie herrlich es eigentlich auf der Erde ist.

Sid Perou beim
Abgeseiltwerden
John Cordingley an der Winde  
   
 

 

Literatur:

Beck, Howard M. Gaping Gill, 150 years of exploration
Bedford, Bruce Underground Britain, Willow Books Collins, London 1985
Brook, A.&D., Davies, G.M., Long, M.H. Northern Caves, Volume Three Ingleborough, Dalesman Books 1975
Cramer, Helmuth Die Karstgebiete der Britischen Inseln
Kellerer, Georg Gaping Gill, Der Schlaz 27-1979
Lindenmayr, Franz Eine Reise zu "Hermann the German", Der Schlaz 42-1984
Lindenmayr, Franz Eine Reise zu "Hermann the German", Teil II, Der Schlaz 43-1984
Waltham, A.C. Limestones and Caves of North-West England, BCRA 1974
Waltham, Tony Caves, crags and gorges, London 1984
Rvall, Dave, Schofield, Scoff The far side of Gaping Gill, Descent (157) DEC/JAN 2000/2001 p 20
Jeffreys, Alan L. Into the ABîME, Descent (125) AUG/SEPT 1995, p 20ff
Kellerer, Georg Gaping Gill, Der Schlaz 27-1979, S. 18f.
Glover, Dick, Halliwell, Ric A record of events at Gaping Gill, 1837-1983, Journal of the Craven Pothole Club, Vol. 6, No. 4 1982-83, p 188ff.

YouTube:

http://www.youtube.com/watch?v=NeE3IU24vTY

Links:

Typisch englisch - der Teetopf darf nicht fehlen

 

 


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