Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Mother Shipton's Cave

- wo es ums Ende der Welt geht


Wie lange gibt es diese Welt noch? Eine komische Frage? Na, ja. Im Norden England jedenfalls gibt es einen Ort, der wohl nicht schlecht davon lebt, daß dort von "Mother Shipton" die Prophezeiung gemacht wurde, daß das Weltende komme, wenn die örtliche Brücke zum dritten Male zusammenstürzt. In den überlieferten Worten:

"The world shall End when the High Bridge is thrice fallen."

Zweimal ist die Brücke bereits zusammengestürzt. Wann wird das nächste Mal sein?

 

Was hat das alles mit dem Thema "Höhle" zu tun? Nun, die Legende will es, daß diese Frau mit Namen Ursula Sontheil ausgerechnet in einer kleinen Höhle am Ufer des Flusses Nidd in Nordyorkshire unter dramatischen Umständen geboren worden sei. In einer Sommernacht des Jahres 1488 habe ein junges Mädchen ihr uneheliches Kind dort zur Welt gebracht. Es habe gedonnert und geblitzt. Eine Frau sei gekommen, um bei der Geburt zu helfen, und sie berichtete später von Schwefelgeruch in der Luft und einen lauten Donnerschlag genau in dem Augenblick als die Kind herauskam. Es soll ein sehr großes Kind gewesen sein, und gleich mißgebildet. Es habe sofort lauthals gelacht und der Sturm legte sich sofort.

Woher man das alles so genau weiß? So genau weiß man das nun auch wieder nicht, wenn man genau hinschaut. Viele Jahre hindurch erzählte man sich die Geschichte dieser Frau von Generation zu Generation immer weiter. Aber schon 1641 erschien das erste Buch über sie und ihre Prophezeiungen und seither sollen es schon über 50 verschiedene Bücher geworden sein.

Berühmt wurde sie durch ihre verblüffenden Vorsagen, die allesamt eingetroffen sein sollen, zum Teil mit wirklich verblüffenden Inhalten. So hieß es: "Water shall come over Ouze Bridge, and a windmill shall be set upon a tower, and an Elm Tree shall lie at every man's door." Tatsächlich bekam dann die Stadt York ein Wasserleitungssystem, wobei das Wasser in Röhren aus Ulmenholz unter anderem auf einer Brücke über den Fluß Ouze geführt wurde. Eine Windmühle wurde zur Anhebung des Wassers eingesetzt, damit ein ausreichenden Abfluß gesichert war.
Und eine Voraussage wie die folgende, angeblich gemacht vor 500 Jahren, klingt ja nun wahrlich aktuell:

"Around the world thoughts shall fly
In the twinkling of an eye."

Die kleine typische Tuffhöhle liegt gleich neben einem Wasserfall, der von der kräftigen mineralhaltigen Quelle gespeist wird, die oberhalb entspringt. An der Wasserfallwand werden alle möglichen Figuren an Bändern aufgehängt, um sie allmählich vom sich ablagernden Kalksinter überziehen zu lassen. Erwähnenswert ist auch die "Wishing Well", ein schöner alter Brauch, den es nicht oft im Zusammenhang mit Höhlen gibt. Ich kenne nur noch in Schweiz in einer Schauhöhle im Rhône-Tal sonst so eine Stelle mit einem "magic touch". Jedenfalls darf man seine Hand in einer kleines Sinterbecken mit Wasser strecken und sich etwas wünschen. Das wir uns ja an einem Ort aufhalten, wo viele schon an das Wirken von übersinnlichen Kräften geglaubt haben, geht er vielleicht auch in Erfüllung. Man muß vielleicht nur stark genug daran glauben. Schön, daß es solche Plätze überhaupt noch gibt.

 

 
 
 
 
 

In dem Buch "Behind the Scenes at the Museum" gibt es im 11. Kapitel, wo es um die eigene Beerdingung der Romanheldin geht, eine kurze Passage, in der die Höhle erwähnt wird: "Only last week I went with them to Knaresborough to visit Old Mother Shipton's Dropping-Well and found myself quite surplus to requirements. They twitterpted away to each other while I moodily surveyed the eccentric array of articles left to drip-drop dry at the soothsayer's well, everyday objects turned into stone by the limestone water - teddy bears, a boot, an umbrella, a dishcloth. Afterwards we sat outside a pub called the World's End and over half a beer-shandy and a 'cheese 'n onion' sandwich, Mr Belling looked at me morosely and asked, 'How long until you leave home then, Ruby? Eh?" Die Höhle spielt da praktisch keine Rolle mehr, nicht ihre Natur, nicht ihre Geschichte.

Literatur:

Links:

 


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