Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Höhlen bei Antalya, Türkische Riviera


Düdenbasi


Kocain


Über den Flughafen von Antalya kommt heute der große Touristenstrom herein, der inzwischen die "Türkische Riviera" am Leben erhält und zum Blühen gebracht hat. Wenn man einen Blick aus dem Kabinenfenster wirft, dann kann man als Kenner auch einmal von oben das 600 km² große Travertingebiet im Hinterland sehen, das ansehnliche Karsterscheinungen birgt, und die Kalkberge des Taurus, die das wichtigste Höhlengebiet der Türkei bilden.

Im Nordwesten des Taurus verschwindet viel Wasser in Poljen und Ponoren, das dann 50 km davon entfernt, dem Meer zufließt und einen großen Teil des Weges unterirdisch zurücklegt.

In einem Vorort von Antalya liegt die Düdenbasi, die große vaucluseartige Hauptquelle, von der aus der Fluß oberirdisch seinen Weg bis zum einem spektakulären Wasserfall direkt am Meer zurücklegt. Düdenbasi ist heute ein beliebter Freizeitpark für die Türken. Er ist eingezäunt, man muß Eintritt bezahlen, die üblichen Souvenirläden und Kameltreiber sind auch da, drinnen sind jede Menge Picknickplätze, eine Imbißbude, ein paar freigelegte Sarkophage und jede Menge Wege, die die höchst erlebenswerten Wasserfälle erschließen. Ein kleiner Fluß stürzt über eine gut 20 m hohe Felsstufe in den großen Quellteich. Dies muß wohl schon längere Zeit so sein, weil sich unter dem Wasserfall inzwischen eine ansehnliche Tuffhöhle ausgebildet hat, die über Treppen erschlossen ist. Es ist schon ein packendes Naturschauspiel, hinter dem tobenden Wasser hinauszuschauen in die Felsschlucht draußen. Ein balkonartiger Gang erschließt auch die innersten Räume. Ein lohnendes, aber auch feuchtes Vergnügen. Schließlich gelangt man bis zum unteren Rand des Wasserfalls, wo sich packende Perspektiven auftun. In den Wänden der Schlucht sind noch mehr kleine Tuffhöhlen zu sehen. Auch der Schluchtgrund ist mit Wegen erschlossen, so daß man auch diesen Teil wilder Natur gefahrlos erleben kann.

Nicht weit davon entfernt liegt der Ort Varsak und dort soll sich der nächste Einbruch befinden, den das unterirdisch fließende Wasser durchläuft. Ich habe es versucht, ihn zu finden, aber das stellte sich als nicht lösbare Aufgabe heraus. Nirgends ist ein Hinweisschild, eine brettlflache Ebene ist da nur und überall schießen die Wohnblocks wild aus dem Boden. Bei 40 Grad Außentemperatur hatte ich auch nicht den großen Auftrieb, da lange danach zu suchen und fuhr weiter.

Varsak

Auf der alten Straße Antalya-Burdur ging es Richtung der dauernd in einem Dunstschleier liegenden Berge. Ein altes Schild wies immerhin von der Straße den Weg zur Karain-Höhle. 2 € Eintritt kostete es, in das kleine Museum am Fuße des Samberges zu kommen und durch den Hinterausgang dann den Felsweg hinauf zur 100 höher liegenden Höhle zu kommen. Es ging richtig zu, überall waren junge Leute beschäftigt mit dem Untersuchen des Fundgutes aus der Höhle. Zwei junge Männer liefen dauernd auf und ab und schleppten kübelweise das Material herunter, das dann auf große Tische gekippt wurde und nach feinsten Bröckerln analysiert wurde. Die Lage der Höhle ist schon ausgezeichnet. Vom Eingang aus hat man eine weite Sicht über die ganze Ebene bis Antalya, man hat starke Wasserquellen nicht weit davon entfernt - solche geographischen Vorteile sind sicherlich entscheidend dafür gewesen, daß hier Menschen seit der Zeit des Neandertalers aufgehalten haben. Man kann selbstständig in der Höhle herumlaufen, wobei der erste große Innenraum mit altem Sinter noch mit elektrischem Licht beleuchtet wird. Will man alles sehen, so braucht man schon eine Taschenlampe, um hinabzusteigen in die unteren Räume. Auch dort hat man schon Ausgrabungen gemacht, was die beiden großen quadratischen Gruben in dem 10 auf 15 m messenden Raum bezeugen. Besonders schön sind die Laugdecken.
Im Eingangsbereich hat man aus einem Tropfstein ein Atatürkportrait herausgemeißelt, das sich aber schon wieder auflöst. Bei den kleineren Höhlenöffnungen links vom großen Eingangsportal sind mehrere in den Fels gemeißelte Nischen und Inschriften in griechischer Sprache.

Der Sam-Berg
Der Haupteingang
Die Grabungsstelle im Haupteingang
Der Höhlenboden - wie in der

Altensteiner Höhle in Thüringen

Türkische Höhlengraffiti
Der Atatürkkopf
 

Opfernischen
Eine griechische Inschrift

Wenn man der alten Straße Antalya-Burdur weiter folgt, dann kommt man auf einmal in ein Gebiet, in dem Wasser im Überfluß da ist. Wir sind da im Gebiet der Kirkgözlerquellen. An dem Sonntag Anfang August 2004, als ich da mal vorbeschaute, ging es richtig zu. Ein rauher Feldweg führte durch eine Stoppelfeld bis an eine Abgrenzungsmauer, von wo aus es nur noch zu Fuß weiterging. Ein halbes Dutzend Autos parkten hier. Im Schatten der alten Bäume saßen viele Türken auf den ausgebreiteten Decken am Boden und hielten ihr Mittagsmahl. Ein aufgeregtes Geschrei herrschte, und beim genauen Hinsehen stellte sich heraus, daß das ein herrliches Naturschwimmbad war. Die kleinen Buben sprangen von allen Felsen herunter in das tiefblaue klare Quellwasser, das unter eine Kalkfelswand hervorkam. Türkische Frauen stiegen landestypisch voll bekleidet in das Naturbadebecken und genossen die Kühle des Wassers. Das tut jeder bei 40 Grad Lufttemperatur!

Nur wenige Kilometer weiter ist noch einmal so eine Karstquelle, Pinarbasi. Das Wasser kommt gleich unter der Straße aus dem Felsen und auch da gibt es einen Tümpel in dem man schwimmen kann. Große alte Bäume spenden Schatten und auf dem Boden saßen Dutzende von Türkenfamilien. Das Restaurant nebenan hat aufgegeben, es stehen nur noch die Außenmauern, es hat sich offenbar nach der Verlegung der Hauptstraße nicht mehr gelohnt. Das Wasser beider Quellen floß natürlicherweise zu einem Ponor, der alles Wasser aufnahm und unterirdisch nach Düdenbasi brachte, Biyikli heißt der Ort. Das Dorf mit diesem Namen fand ich zwar, aber keinen Ponor. Der war wieder einmal unauffindbar, weil es keinerlei Hinweise darauf gab. Nach dem dritten Fehlversuch gab ich auf.

Ein letztes Ziel hatte ich noch, Kocain, die "Riesige Höhle". Um es kurz zu machen. Ich fand sie nicht, obwohl ich wirklich viel umhergefahren bin. Nirgends ein Hinweis und einfach nur aufs geradewohl danach zu suchen, das erschöpfte mich. Besonders gemein sind die T-Kreuzungen, wo man auf einen quer zu einem verlaufende Straße stößt und man raten muß, ob es links oder rechts weiter geht. Da habe ich mich solange verfahren, bis ich schließlich aufgab. Gemeinerweise sah in ganz zum Schluß einen Bus auf der Hauptstraße, der im Hinterfenster groß "KOCAIN" stehen hatte, und der wohl Besucher dorthin bringt.

Bei Biyikli verschwindet natürlicherweise das ganze Wasser aus den Quellen. 2011 habe ich sie dann endlich gefunden:

Und auch bei dem großen Wasserfall war ich, mit dem alles seinen Abschluß findet: die Unteren Düdenfälle


Mai 2011


Tropfstein an der Uferpromenade von Antalya

 

Literatur:

Aygen, Temucin TÜRKIYE MAGARALARI (TURKISH CAVES), 1984
Ruggieri, Saro Central Western Taurus, The International Caver (13) 1995, S. 29ff.
fantoli, jean-louis Les PLONGEES EN TURQUE du 28 aout du 1er septembre 1978, Grottes & gouffres, p 22ff
Krieg, Franzjörg Tauchuntersuchungen im Krikgöz Quellbezirk, Antalya, Türkei, Das Jahresheft Grabenstetten 1996, S. 49ff.

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