Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle


S t a d t s p e l ä o l o g i e

am Beispiel M ü n c h e n s


Dianabrunnen


Höhlen auf der Wiesn 2003

Die Magdalenenklause im Nymphenburger Schloßpark


Zu den ersten Erfahrungen des Menschen mit Höhlen zählte sicherlich in südlichen Zonen unserer Erde, daß man dort Schatten und Kühle finden konnte, im Norden, daß Höhlen Schutz vor den Unbilden des Wetters wie Regen, Schnee und Wind bieten konnten.

Mit dem Fortschreiten der Kulturentwicklung des Menschen verstand er es immer mehr, sich von den ursprünglichen Gegebenheiten der Natur zu lösen und selber günstige Bedingungen für sein Dasein zu schaffen. So entstanden zuerst Mauern, dann Häuser, schließlich Dörfer, heute unsere Städte.

Ist in der modernen Stadt noch etwas von den Ursprüngen in den Höhlen zu merken? Ich bin dieser Frage am Beispiel meines Wohnorts, der Stadt München, nachgegangen und bin auf Erstaunliches gestoßen. Dem kundigen Blick taten sich verblüffende "künstliche Höhlen" auf. Es lassen sich richtig einige Phasen erkennen, wo die Höhle/Grotte eine stärkere Bedeutung im Bau und bei der Ausgestaltung von Städten hatte als zu anderen Zeiten. Wir scheinen gerade wieder, wegen unseres Erlebnishungers und dem Drang nach Abwechslung, in einer Blütephase zu leben. Erkennbar ist auch, daß die Phänomene unheimlich schnellebig sind und oft nach kurzer Zeit gleich wieder vollständig verschwunden sind. Ihre Spur aufzuzeichnen war auch Anliegen einer Arbeit, die in der "Tagungsmappe 1996 - Künstliche Höhlen" des Arbeitskreises "Höhle-Religion-Psyche" erschienen ist.

Für alle, die gerne selber ein paar Stellen aufsuchen möchten, ein paar Hinweise:

Thierschstraße
Bernheimer Palais,
Lenbachplatz
 
Justizpalast
   
Groteskes am Friedensengel
     

Deutsches Museum - Altamira Hoehle

Weiterhin finden wir dort das

· das Faltboot Delphin, Typ 3, 13 kg schwer , von Alfred Heurich, dem Erfinder der Faltboots, das bei seiner Befahrung des Höllochs in der Schweiz 1906 verwendet worden war.

· die Gleichstrommaschine, System Gramme, der Firma Siemens aus Schloß Linderhof, das zur Beleuchtung der Venusgrotte gedient hat (ca. 1880)

 

Namen des Malers Zeit Titel
Moritz von Schwind ca. 1850 Nixen, einen Hirsch tränkend
Moritz von Schwind ca. 1850 Drei Einsiedler
Moritz von Schwind ca. 1850 Ein Einsiedler führt Rosse zur Tränke
Moritz von Schwind ca. 1850 Einsiedler, Rosse tränkend
Anselm Feuerbach   Pietà
....    

 


In der Anlage für Steinböcke

 

Grotta Azzura in der Lindwurmstraße
2004 aufgenommen
La Piedi Grotta in Gauting
"Bei Takis" in der Nähe der
Paulskirche
Camyi in der Rosenheimer Straße (Motorrama
 
Kulissen aus der "Unendlichen Geschichte"  
"Die Feuchte Grotte" - Filmkulisse

 


Ein höchst empfindlicher Punkt jeder STADTSPELÄOLOGIE ist natürlich erreicht, wenn es mal um die Menschen an sich geht. Da bifurkationiert schnell völlig alles. Der harmloseste Zweig sind die "Höhlenforscher". Sie interessieren sich für "Höhlen", traditionellerweise sind das für sie "Hohlräume im Gestein", aus geologischer Sicht.

Das Interesse daran ist noch nicht so alt. Wenn man es etwa mit dem Alter der Gesteine südlich von einem betrachtet. In den Nördlichen Kalkalpen. Aus dem Alpenverein heraus gab es eine erste Blüte. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg kreiirte sich eine "Außenstelle" des Landesvereins für Höhlenkunde in Salzburg. Dann ein Umschlag. Ein erster "Münchner Höhlenverein" entstand. Lange Zeit hindurch gab es nur ihn, den Verein für Höhlenkunde in München e.V., als organisierte Form der Höhlenforschung und -beachtung. Dann bildeten sich noch weitere Interessengruppen. Fragt mich nicht nach deren Namen und Bedeutung. Ich kenne sie nicht. Es gibt/gab sie. Mehr weiß ich nicht darüber.

Frühere "Vereinsheime"
des VHM in München

Ein verfolgenswerter Zweig der Stadtspeläologie ist die zeitliche Aufzeichnung der Erscheinungsform der "Höhle" im Stadtbild. Immer wieder taucht sie für mehr oder weniger lange Zeit auf und verschwindet dann gleich auch wieder. Natürlich lassen auch die oben schon geführten Beispiele auch historisch ordnen.

Ein paar Ergänzungen:

Bilder aus der Ausstellung "Aus Bayerns Höhlen" in einem Pavillon am Karolinenplatz 1971

Im Bild: Nachbildung der Ofnethöhle mit der berühmten Schädelsetzung und Funden aus der Jungernhöhle bei Tiefenellern

Höhlen im Schaufenster des Hauses des
Bayerischen Einzelhandels in der Brienner Straße
  Ausstellung "Zwischen Himmel und Höhle" im Rathaus

In München gab es im Juni 2009 ein Kunstprojekt, das mit "Höhle" zu tun hatte. Im Kunstpavillon im Alten Botanischen Garten, Sophienstraße 7a, wurde das Stück "ik spek Menkenspak" von Eva Löbau ab dem 20. Juni 2009 aufgeführt. Bis zum 17. Juni gab es öffentliche Proben.

Der Höhlenbezug kommt durch die Ausmalung der Wände herein. Jörg Besser bekam den Auftrag, 4 Gemälde mit 13 m Länge und 8 m Breite mit Höhlenmotiven (sollen sich auf Lascaux beziehen) zu erstellen und dort anzubringen.

Quelle: "400 Quadratmeter Höhle: Jörg Besser malt den Kunstpavillon aus", Süddeutsche Zeitung Nr. 134, Seite 53, 15. Juni 2009

Inhalt des Stücks soll die Bewerbung eines arbeitslosen HARTZ IV-Empfängers beim Museum "Mensch und Natur" gewesen sein. Der Inhalt der ausgeschriebenen Stelle: das Spielen eines Neandertalers!

 
   

Plakate lenken im Stadtgebiet für kurze Zeit die Aufmerksamkeit auf die "Höhle". Beispiele:

 
 
2009 in der S-Bahnauffahrt Hauptbahnhof
   

 


Sehr viele Beispiele kann man in München zum Thema "Mariengrotten" finden. Das könnte einen tagelang beschäftigen.

 
 

Ganz im Trend liegt, sich "Klettergrotten" zu bauen. So wurde 1999 in München das größte Kletterzentrum überhaupt in Thalkirchen eröffnet. Darin enthalten ist natürlich auch eine BOULDERGROTTE. Auch anderswo passiert so etwas, wie z.B. unter http://www.bronxrock.de/ zu sehen.


Auf einmal gibt es mehrere Salzgrotten in München. Im Ambiente einer künstlichen Höhle, die einen Hohlraum im Salzgestein darstellen soll, wird Gesundheitsförderndes angeboten:

Münchener Salzgrotte :: München :: Theresienstrasse 91

SalzAmbiente - die Salzgrotte in München


Es aber auch natürliche Höhlen im Stadtgebiet Münchens!

Momentan noch ziemlich unerreichbar für uns sind die großen Hohlräume in den Kalkschichten 2000 Meter unter uns. Nur über Bohrlöcher sind sie bislang zugänglich und passende Kameras haben sogar schon Bilder davon geliefert!

Einige kleinere Höhlenobjekte gibt es im Steilhang der Isar zwischen Harlaching und Grünwald. Sie werden von Menschen sogar bewohnt, insbesondere wenn sie aus dem Erfolgskarussell unserer Gesellschaft hinausgeflogen sind und sie dann eine einfache und auch für sie "bezahlbare" Unterkunft suchen (müssen).

Neueste Meldung hierzu aus der Süddeutschen Zeitung vom 12. April 2010: "In der Höhle erfroren - Geologe findet am Isarhang die Leiche eines Obdachlosen". Tage zuvor hatte ein Geologe bei einem Kontrollgang entlang des Steilhangs "auf Höhe der Füllstraße, etwa 300 m südlich des Tierparks Hellabrunn, eine schwer zugängliche, etwa vier mal drei Meter große und nur eineinhalb Meter hohe Höhle entdeckt. Sie war nicht leer, sondern enthielt die verweste Leiche eines 46-jährigen Münchners, der früher in der Baubranche gearbeitet habe. Vermutlich ist er an Unterkühlung gestorben. Eine Zeitung vom 4. Dezember lag bei ihm. Das war nicht der erste Fall....


Ein eigenes Kapitel ist die Geschichte der höhlenkundlichen Vereinigungen in einer Stadt.

Schon um 1882 regte der sog. "Wendelsteinvater" Prof. Kleiber bei Bildung eines "Salamanderclubs" in München an, der sich die wissenschaftliche Erforschung und die Erschließung der Wendelsteinhöhle zur Aufgabe machte.

Im Dezember 1914 wurde von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München eine akademische "Kommission für Höhlenforschung in Bayern" eingesetzt. Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Birkner berichtete zweiundzwanzigmal bis 1937 von deren Tätigkeit, die nahezu ausschließlich in Erforschung der Vorgeschichte in Nordbayern bestand.

1920 entstand in München die "Gesellschaft für Höhlenkunde in München" mit einer Geschäftsstelle in der Luisenstraße 3, angespornt durch die großartigen Erfolge der Höhlenforscher in Salzburg. Für kurze Zeit war man sehr aktiv in den Alpen, aber schon am 13. Februar 1921 fand die letzte gemeinsame Ausfahrt statt, eine Vermessungstour in die Wendelsteinhöhle. Danach ist nichts mehr Aktivitäten bekannt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bildete sich zuerst einmal eine "Außenstelle Bayern" des Landesvereins für Höhlenkunde in Salzburg. Die Gründung eines eigenständigen Höhlenvereins in München vollzog sich am 18. Juni 1954 im Institut für allgemeine und angewandte Geologie und Mineralogie in der Luisenstraße 37 mit 15 anwesenden Personen.

Über die weitere Entwicklung gibt es ausführliche Schilderungen, so daß die Darstellung hier unterbleiben kann.

Bei einer so großen Stadt wie München ist es kein Wunder, daß sich neben dem örtlichen "Platzhirschen", dem VHM, auch weitere höhlenkundliche Gruppen zusammenfinden. Seit den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts gab/gibt? es die "VERTIKALISTEN", eine Gruppe, die sich vor allem zu den Höhlenschächten hingezogen fühlten.  In der Liste der "Vereine und Gruppen" des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher erscheint z.B. 2012 ein "Karst- und Höhlenforscher München e.V." Hören tue ich von denen nie etwas.


Münchener Höhlenforscher-Stammtisch

Eigentlich gibt es ihn ja schon seit vielen Jahren. Wir haben uns früher im Hofbräuhaus getroffen, als dort aber das Preisniveau noch mehr angezogen hat, da sind wir woanders hingegangen. Die Wahl fiel auf die Gaststätte

Zwingereck - Rumfordstr. 35 | 80469 München

Vorgesehen ist immer der dritte Dienstag eines Monats zwischen 17.30 Uhr und 19.30 Uhr.
(In Monaten mit Feiertag oder ähnlichem an diesem Tag eine Woche früher)

Kommen kann jeder, der mag. Insbesondere ist er da für Menschen, die sich mit "Höhle" und "Höhlenforschung" befassen. Der Stammtisch ist auch nicht VHM-gebunden, sondern versteht sich einfach als Begegnungsmöglichkeit für alle, z.B. für Höhlenforscher, die Vereinen in ganz anderen Gebieten stammen, aber halt zum Arbeiten in München sind
   

Zwingereck | AUGUSTINER BRÄU MÜNCHEN BIER | Die älteste Brauerei Münchens


Erdstall-Stammtisch

Mit einer ganz besonderen Form von künstlichen, also vom Menschen geschaffenen "Höhlen", den Erdställen, beschäftigt sich  ein anderer regelmäßig die Menschen zusammenführender Stammtisch:

An jedem letzten Donnerstag im Monat ab 19.30 Uhr treffen sich die "Erdstallforscher" in Gasthof Alter Wirt in Ramersdorf
-
Info, Anfahrt und Lage zum Gasthof „Alter Wirt“ siehe: http://www.alterwirt-muenchen.de/index.html  

 


 

Literatur zur Stadtspeläologie:

Lindenmayr, Franz Höhlenstadt München, in: Arbeitskreis Höhle, Religion, Psyche, Gabi und Peter Hofmann (Hrsg.), Tagungsmappe 1996, München 1996
Lindenmayr, Franz Stadtspeläologie am Beispiel Münchens, in: DER SCHLAZ 57, S. 14ff.
Abel, Gustave Frühe Faltbootfahrten in Höhlen, in: Die Höhle 2-1969, S. 61
Tholl, Egbert Fleisch am Knochen - Die Barishe Geisha trifft den Neandertaler, Süddeutsche Zeitung 23. Juni 2009, Seite 41
beka In der Höhle erfroren, Süddeutsche Zeitung Nr. 83 / Seite 49,12. April 2010
Triller, Dolfi Müncher Höhlengeschichte - Drei Jahrzehnte Verein für Höhlenkunde in München e.V., München 1982
Lindenmayr, Franz Die "Münchner Höhlenvorgeschichte", unveröffentlichtes Manuskript, Gröbenzell 2000

Links:

Verein für Höhlenkunde in München

muenchen.de - Offizielles Stadtportal für München

Stadtspeläologie


Höhle-Religion-Psyche


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