Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle
Die Räuberhöhle bei Etterzhausen, F 10, Südliche Frankenalb, D
Vom Bild zum Klang! Höhlenchanten am 24. September 2005 Lautsprecher anmachen!
Wo gibt es Höhlen, wo zu bestimmten Zeiten die Sonne hineinscheint, wo ihre Strahlen tief ins Innere der Erde vordringen und die ansonsten ja völlig dunkle Welt dort drunten wenigstens für kurze Zeit erhellen?
Am 11. Juli 1999 habe ich so einen Ort gefunden, vollkommen zufällig, Eigentlich wollte ich nur eine Höhle aufsuchen, die leicht und schnell zugänglich ist, und in der mal Bilder malen kann. Ich war auf dem Rückweg aus dem Böhmerwald zurück nach München und kreuzte da eben den Südrand der Fränkischen Alb. Etterzhausen im Naabtal ist heute leicht von der Regensburger Autobahn aus zu erreichen. Eine gut ausgebaute Landstraße führt durch das idyllische Flußtal mit einzelnen Felspartien links und rechts an den Talhängen Richtung Nürnberg. Kurz nach Etterzhausen macht die Straße eine große Linksbiegung. Sobald Fluß und Straße wieder zusammenkommen ist linkerhand, von unten eigentlich gar nicht sichtbar, eine schöne Felspartie 100 m höher. Irgendwo muß man sein Gefährt dort abstellen und auf einem Waldweg langsam an Höhe gewinnen. Irgendwann öffnet sich dann plötzlich der kleine Vorplatz bei der Höhle. Der Eingang ist unübersehbar. Stufen mit Geländern an beiden Seiten führen in die Tiefe. Man kommt auf eine Art Balkon, der am Eingang in die große Halle liegt. Nach links und rechts führen Stufen weiter nach unten. Dann hat man den Hallenboden erreicht. Es wird nirgends richtig dunkel in Höhle, weil in den gegenüberliegenden Hallenwand ein schlitzförmiger hoher Spalt sich auftut.
Von dort kam nun gegen 19.30 Uhr die Sonne direkt in die Halle. Ein schmaler Lichtkorridor von einem halben Meter Breite reichte quer durch den Raum bis zum Fuß der Treppenstufen. In der Zeit, wo ich mich in der Höhle aufhielt, ca. 1/2 Stunde, wanderte der Strahl gut einen Meter nach rechts. Ein sehr schönes Schauspiel.
Beim Höhlenausgang auf der anderen Seite verwehrt heute ein Stahlgeländer den Weiterweg. Man sieht, daß man da früher leicht weitergehen konnte. Ein ausgetretener Weg ist in den Fels geschlagen und ein Drahtseil kann zum Festhalten verwendet werden. Drüben dräuen hohe Felsen herüber und der Weg biegt "geheimnisvoll" nach links ab - ob es da drüben "weitergeht", ob da eine weitere Höhle liegt?. Der Weiterweg ist heute verboten. Eine große Tafel kündet davon, daß es wegen der seltenen Fauna und Flora, die da gedeihe, nicht mehr gestattet ist, sich dorthin zu bewegen. Daß das schon viele früher getan haben, davon künden die vielen Glasscherben und Kronenkorken, die am Boden überall herum liegen.
An der Wand in der Halle vor dem Ausgang ist übrigens ein bemerkenswertes, wohl zeitgenössisches, Kunstwerk, mehrere farbige Nachmalereien prähistorischer Tiere. Respekt, das hat einer gemacht, der malen konnte, und die passenden Farben hatte.
Ich setzte mich ins Abendlicht, holte meine Aquarellfarben heraus und begann, selber etwas auf das Aquarellpapier zu bringen. Erst einmal konventionell mit Farben, dann auch mit Höhlenboden, und am Ende auch unter Einsatz des Spritzwassers von der Decke. Witzig.
| Tropfenbild Räuberhöhle Aquarellfarben, Höhlenerde, Deckenwasser |
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| Ausschnitt |
Die Höhle hat auch den Namen "Altes Haus", wurde im 19. Jahrhundert als Bierkeller benutzt, und steht in dem Ruf, "ehedem kultischen Zwecken gedient zu haben. Man braucht seine Phantasie nicht einmal sonderlich anzustrengen, um sich dies vorzustellen: Menschen im Halbdunkel, vom Schein der Fackel gespenstig beleuchtet, mit erhobenen Händen Geister und Götter beschwörend." (Herrmann 82)
| Im Naabtal | |
| Eingänge |
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Nachmittags fällt bei Sonnenschein das Licht bis tief in den Raum |
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| Ein Spiel mit Bildern und Phantasien |
13. Juli 2005
Das Verbotsschild ist inzwischen verschwunden. Eine
dicke Barriere ist immer noch dort, aber die läßt sich einfach
übersteigen oder unterschlupfen. Jenseits davon führt noch
immer ein Halteseil hinüber über die etwas ausgesetzte Stelle
zum Höhleneingang auf der anderen Seite, der im Fränkischen
Höhlenkataster als "Kalten Küche" geführten Höhle.
Hie und da ist noch ein bißerl Müll zu finden, aber es ist
nicht schlimm. In der großen Halle, die ja früher als
Bierkeller gedient hat, sind noch ein paar Spuren von vergangenen
Höhlenfeste, aber der Verschmutzungsgrat ist nicht groß. Ein
bißchen Arbeit - und schon hätte man hier einen guten Platz zum
Beispiel für ein Höhlenkonzert. Auffallend war auch der starke
Luftzug am Eingang. Da ist die Erde in Bewegung.
Literatur:
| Hermann, Friedrich | Jurahöhlen der Oberpfalz, Verlag Fr. Pustet, Regensburg 1976 |
| ohne Verfasserangabe | Höhlen bei Deckelstein, in: 8 Überregionales Vermessungswochenende im Unteren Altmühltal am 15.06/126.06.2002, Ergebnismappe 2002, S. 108ff. |
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