Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Kritische Kommentare und frühere, ansonsten heute nicht mehr verfügbare Webseitentexte


Im Laufe der Jahre habe ich immer wieder zu aktuellen Vorkommnissen hier auf meiner Webseite immer wieder kurze Stellungnahmen veröffentlicht. Manche sind für mein Dafürhalten Spiegel unserer Verhältnisse, die nicht einfach mit dem Löschknopf wieder zum Verschwinden gebracht werden müssen. Sie sollen hier gesammelt werden.

Auch einige Webseiten mußten vollkommen umgeschrieben werden, weil einfach der Gang der Ereignisse in vollkommen neue Richtungen führte, so daß so manches heute einfach anders läuft. Trotzdem, in den alten Texten steckt schon persönliches Erlebnis und Erfahrung, die immer auch zeitgebunden ist. Manches davon verdient, für mein Dafürhalten, nicht einfach mit der Löschtaste zu verschwinden. Deshalb werden die hier gesammelt.


AKTUELL

Zoll und Höhlenforschung


Diese zwei Themen mögen auf den ersten Blick vielleicht so weit auseinander liegen, daß man vermutet, sie würden nichts miteinander zu tun haben. Normalerweise ist da ja heute auch so, weil wir nach dem Entstehen der Europäischen Union und der Einführung des EURO kaum mehr mit den uns vollkommen antiquiert vorkommenden Handelshindernissen und -hemmnissen zusammenkommen. Über das Internet tauchen sie auf einmal wieder auf - wenn man etwa in Ländern wie Thailand oder der Schweiz einkauft.

In der Schweiz habe ich bei der Firma TechTonique etwa eine LedLampe IV bestellt und, endlich, nach Monaten, auch bekommen. Ich würde mich heute nicht mehr dazu entscheiden, jedenfalls nicht mehr auf diese Weise. Vielleicht tragen sich ja auch andere Leute mit diesem Gedanken. Dann sollten vielleicht die folgenden Zeilen lesen!

Von zwei Monaten Lieferzeit war da die Rede und von einem Preis unter 200 Euros. Mitte Dezember 2011 habe ich die Lampe bestellt, mit Mai 2012 habe ich sie bekommen. Man wollte gleich die Zahlung, die ich am 9. Januar 2012 geleistet habe. Der Preis war auf einmal auf 227 Euros gestiegen und zusammen mit der der Überweisungsgebühr auf das Schweizer Konto wurden mir schon 235,50 Euros abgezogen. In dem Betrag waren immerhin schon 17 Euros Porto für Versendung der Lampe der Post enthalten.

Wer nun denkt, daß damit der Kauf endgültig beglichen hätte, der irrt! Mitte Mai 2012 bekamen ich eine Mitteilung der Post bzw. vom Postzollamt, daß für mich eine Sendung eingetroffen sei, die ich in Garching-Hochbrück abholen könne. Wer ein wenig von Kostenrechnung versteht, der weiß, daß auch das Hinfahren zu diesem Ort erhebliche Kosten verursacht. Ein Mittagessen kann man davon sicherlich bezahlen. Dann stand ich da am Schalter und ein fachkundiger Mensch verwies mich auf den Schalter im Nebenraum. Da bekam ich dann die endgültige Rechnung von einem gereiften Zöllner, nachdem ich erst einmal die "Handelsrechnung" vorgelegt hatte. Außerdem mußte ich den Zahlungsausweis dabei haben, aber den wollte er gar nicht sehen. Ich mußte ihm sagen, was ich mir da bestellt hatte, das stellte ihn offenbar zufrieden. Auf Fachchinesisch prüfte er, ob kein Fall für VuB vorlag, Verbote und Beschränkungen. Bei uns ist der Warenverkehr grundsätzlich unbeschränkt, bis auf all die Fälle, wo das nicht der Fall ist, Uranbrennstoff, Panzer, Kinderpornographie zum Beispiel. Er begann zu rechnen, was da alles an Eingangsabgaben für eine Warensendung aus einem "Drittland" anfiel. Drittland bedeutet - die Schweiz ist kein EU-Land, deshalb sich auf Sendungen aus diesem Land Zölle und Einfuhrumsatzsteuer eventuell zu bezahlen. Tja, Das machte dann 6,13 Euros Zoll aus und 44,29 Euros EUST - Einfuhrumsatzsteuer. In der Summe waren das dann 50,42 €, die ich am Kassenschalter zu entrichten hatte. Der junge Mann am anderen Ende der Glasscheibe schob erst einmal meinen 50er in das Prüfgerät auf Echtheit, suchte auf dem Bildschirm seines Computers wohl nach meinen Daten, sortierte meine 42 Cent in sein Münzregal und, endlich, versah die "Quittung" mit dem Stempel "Hauptzollamt München". Ich mußte das gestempelte Exemplar dann noch dem Mann am Abfertigungsschalter zeigen, dann endlich war ich jemand, dessen Ware zum "Freien Verkehr" in der EU abgefertigt war.

Zufrieden war ich allerdings noch nicht. Der Zöllner hatte mir das kleine Päckchen schon am Schalter hingeschoben und gefragt, ob ich nicht nachsehen wollte, was mir das "Gutes" zukam. So konnte er sich eine amtliche "Beschau" sparen. Ich machte den kleinen Karton auf und sah die Bescherung: die Lampe, das Kabel und etwas Packmaterial waren darinnen. Betriebsfertig ist das Ding noch lange nicht. In der technischen Anleitung werde ich auf die "Fixo Duo Petzl" verwiesen, die sehr gut dazu passe. Die habe ich noch nicht und muß mich wohl erst mal bei der Speleothek danach umsehen. So viel Geld für so wenig wirkliche Leistung!

In Laos habe ich im Oudomxay für umgerechnet 7 Euros eine komplette funktionsfähige Elektrolampe auf einem Markt erstanden. Was für ein Unterschied! Einfach, praktisch, gut! So geht es ja auch.

Als ich mich bei dem Zöllner, meine Geplagtheit mit dem derzeitigen System ausdrückend, so äußerte, daß ich wohl besser nie diesen Vorgang in Gang gesetzt hätte, gab er mir irgendwie recht. Wenn ich einfach in die Schweiz gefahren wäre und dort dann dieses "verdammte Ding" gekauft hätte, dann wäre mir die Zahlung von Zoll und EUST erspart geblieben, zum Beispiel! Wer in der Schweiz derzeit Ware bis zum einem Wert von 300 Euro kauft und in das Gebiet der EU einführt, der kann das ohne weiteres tun. Es werden dann keine Eingangsabgaben fällig!

Wer sich also mit dem Gedanken trägt, keine vollkommen überteuerte SCURION zu erwerben, sondern wirtschaftlich vertretbarere Beleuchtungsmittel einzusetzen, dem ist wohl nur der Besuch des nächsten nationalen Kongresses der Schweizerischen Höhlenforscher im Muotathal im September zu empfehlen!

Die Geschichte geht, leider, weiter!

Jetzt habe ich die Lampe, aber wie soll ich sie betreiben? Das ist so, als wenn man Auto verkauft und genau weiß, daß kann auch Treibstoff dafür braucht. Der Treibstoff wird aber nicht mitgeliefert. Darum soll sich der Käufer gefälligst selber kümmern! Ein Beipackzettel in der Packung machte mich darauf aufmerksam, daß der Akkukasten der PETZL DUO-Lampe perfekt dazu passen würde. Tja, wie drankommen? Ich lebe in München ja in einem Speläoeinkaufsparadies mit der SPELEOTEK von Fritzi und Jörg in S-Bahn-Verbindung, so dachte ich mir, daß das Problem lösbar wäre.

So kam ich mit den wirtschaftlichen Realitäten schnell in Kontakt. Was noch immer an unseren Schulen und Universitäten über das Wirtschaften erzählt wird, ist geht an den Realitäten noch immer weit vorbei. Angeblich werden die menschlichen Bedürfnisse erfüllt, da ist schon was dran, aber oft nur in der Weise, daß aus dem, der was braucht, im Grunde nur das meiste herausgeholt werden soll von vielen Firmen. Wo nicht wirklich gut Geld verdient wird, das überläßt man lieber den karitativen Organisationen, staatlichen Reparatureinrichtungen oder mitmenschlichem Sympathiegefühl. Vor allem ums Geld und die Macht geht es, nicht um die Menschen.

So ist das auch hier: Das Batterieteil von Petzl paße perfekt, allein, es gibt es nur zusammen mit einer kompletten Lampe zu kaufen. In der Praxis würde das dann so aussehen: Ein komplettes Lampensystem für ca. 90 Euros erwerben, den Lampenteil abbauen und vielleicht gleich wegwerfen, und dann dieses gelbe Plastikteil an seine Lampe anschließen! Ein Wahnsinn und eine Riesenverschwendung. Jörg, als alter Praktiker, mußte schon um die Tricksereien und Entwicklungsprobleme. Da seien Entwickler, die sich sehr gut mit der Elektronik auskennen würden, aber an der "Mechanik", da würden sie dann scheitern. Da bleiben dann die Kunden im Regen stehen und müssen sich dann irgendwie durchwursteln. Petzl verkauft absichtlich nur das ganze Set, weil es halt selber Lichtsysteme anbietet, deren Markt dann wegbrechen würde. Ein kleiner Unterschied zum TechTonique-System besteht auch, ein vielleicht nicht unwichtiger. Zur Befestigung am Helm gibt es bei TechTonique nur ein abgewinkeltes, fixes Leichtmetallteil. Beim Petzlsystem läßt sich der Neigungswinkel durch ein flexibles System unterschiedlich regeln - die "Mechanik" halt.
Bei der SPELEOTEK gibt es einen neuen Helm mit komplett montiertem LED-System von PETZL für rund 180 Euros zu kaufen! Schier unglaublich, vielleicht nicht gerade Spitzentechnik, aber halt funktionierend und einfach zu bekommen!

Da tut sich vielleicht auch ein wichtiger Second-hand-Markt auf! Werft Eure alten Batteriebehälter nicht einfach weg, sondern gebt sie bzw. verkauft sie weiter! Sie sind richtig Geld wert!

Jetzt gehe ich erst einmal fünf Tage auf dem Jakobsweg von Memmingen bis zum Bodensee wandern. Mal sehen, wie sich dieses Thema dann anläßt.

 

Links:

TechTonique

Speleodiversity

Zoll online - Reisefreimengen

Speleotek

 


 

 

Januar 2012

Altwerden ist eine gute Sache, aber nicht unbedingt leicht. Denn man muß dann damit fertigwerden, daß Bekannte, Freunde, manchmal Familienmitglieder, vor einem nicht mehr sind. Manche gehen plötzlich, von einem Tag auf den anderen, nach einem Unfall zum Beispiel, bei anderen ist das ein längerer Prozeß.

Wie es heißt, ist Dr. Karl Mais, unser "Charly", "nach langem schweren Leiden" am 9. Januar 2012 verstorben. Die Jüngeren kennen ihn vielleicht gar nicht mehr, aber viele, die die zweite Hälfte des letzten Jahrhunderts höhlenforscherenderweise verbracht haben, könnten ihm auch begegnet sein.

Ich habe Charly erstmals bei den Grabungungen in der Schlenken-Durchgangshöhle kennen- und schätzen gelernt. Mehrere Tage verbrachten wir zusammen auf dem Riemannhaus im Steinernen Meer und im Rotwandlgebiet zu, um ein kleines Teilgebiet für das Salzburger Höhlenbuch Band 2 genauer zu erkunden. Er wußte unglaublich viel, bückte sich bei einer kleinen Wasserlacke und zeigte mir die kleinen Luftbläschen, die sich dort durch die Tätigkeit von Lebewesen bilden. Wir saßen stundenlang, zur Vorbereitung des Salzburger Höhlenbuchs Band 2 zusammen und kopierten Dias für die Veröffentlichung. Ích seh ihn noch am Grabe von Gustave Abel, als er Bilder von den Anwesenden bei der Trauerfeier machte. In Wien am Naturhistorischen Museum, wo er ja beruflich lange Jahre tätig war, habe ich ihn mal besucht. Auch dort strömte er so eine große Lebensfreude aus, die einfach ansteckend war. Er wußte genau, wo die Adresse war, wo man den "Höhlenwein" bekam, der von einem den Höhlenforschern zugeneigten Winzer abgefüllt wurde. 2001 gestaltete er mal ganz alleine ein Seminar über den Begriff der "Höhle" in der Rachelsperger Hütte beim Lamprechtsofen - ein wohl für alle unvergeßlich bleibendes Erlebnis, wo sich das schier unerschöpfliche Fachwissen von Charly zeigte. Mir ist immer noch das von ihm sehr lebendig geschilderte Bild von der bereits wieder verschwundenen Höhle in Slowenien im Gedächtnis, von der man heute nur noch den Boden sehen soll, der "Rest" ist schon weg.

Das ist vielleicht auch ein gutes Bild für uns Menschen und unsere Vergänglichkeit. Eines Tages sind wir alle mal "abgehobelt" und von uns bleiben, wenigstens für einige Zeit, nur noch ein paar Erinnerungen von anderen an uns übrig. Und wenn man einer wie der Charly gewesen ist, dann tut die Erinnerung richtig weh, weil er nun nicht mehr "da" ist.

Es bleibt nur noch zu erinnern, daß es ein Leben vor dem Tode gibt.

Die Beerdigung wird am 25. Jänner 2012 um 12 Uhr auf dem Atzgersdorfer Friedhof sein.

ver\ver\vor2002\2001salzhoehle\2001salzhoehle.htm

hoehlen\A\sb\stm\stmr.htm

 

 

 


 

Mai 2009

Aktuell - die erneute Abschaltung meiner Webseite durch OVH

Schon wieder wurde meine Webseite durch OVH abgeschaltet, weil sie geltend machen, daß mein Webtraffic weit das Maß übersteigen würde, das ich durch meinen Vertrag mit Ihnen vereinbart und bezahlt hätte. Sobald ich das gesehen habe, war eine Überweisung von 10 € fällig, die ich auch gleich bezahlt habe. Damit habe ich vielleicht für ein paar Monate Ruhe.

Das Verrückte daran ist, daß es hier nur um ganz wenig Geld geht, an der Oberfläche, aber halt der Schaden ein Vielfaches davon beträgt. Genau in dieser Situation stecken wir in so vielen anderen Lebensbezügen! Aus wenig folgt nicht mehr wenig und aus viel viel, sondern die Verhältnisse stülpen sich immer mehr nach außen - Kleinstes zieht Größtes nach sich, irgend etwas Logisches noch anzunehmen wird immer mehr als glatter Unsinn enthüllt.

Bei mir zeigt der Webtraffic einen riesigen Anteil an "other.html"-Traffic, das ist ein solcher, den ich selber nie angestoßen habe. Die logischte aller Erklärungen wäre, daß andere, Unbekannte, meine Webbeiträge gelinkt haben, diese bei Ihnen auf den Webseiten aufscheinen, aber bei mir verrechnet werden. Meine Nachfrage bei OVH verwies mich leider nur auf GOOGLE, wo ich detailierteste Auskünfte kriegen könnte, allerdings nur gegen das Treibmittel, das unsere Gesellschaft immer mehr auseinandertreibt als zusammenbindet - das Geld! Der Kleine zahlt, soll zahlen, und der Große kassiert, möchte kassieren. Auch hier enthüllt sich die häßlich-grässliche Seite unseres gegenwärtigen konkurrenzlos?üblen? Wirtschaftssystems - das halt das "Gewinnstreben", die "Gier" an die oberste Stelle setzt, an Stelle des "Gemeinwohls".

Lest vielleicht mal: Christian Felber, Neue Werte für die Wirtschaft - Eine Alternative zu Kommunismus und Kapitalismus. Für mich geht es nur so weiter - oder wir versammeln uns wirklich alle ziemlich in einem echten "Abgrund", der sehr finster wird. Und suchen dann unsere neuen Gurus - übrigens soll "Guru" bedeuten: der Mensch, der sich im Dunkeln am Besten zurecht findet......Höhlenforscher vor!


 

22. Mai 2011 - die Höhle ist noch immer verschlossen! Soll man selber das nötige Werkzeug mitbringen? Schraubenschlüssel und anderes Zeug? Fiel die Öffnung dieser Höhle, die aus geäußerten "Fledermausschutzgründen" seit Jahren schon in der Winterszeit verschlossen wird, irgendwelchen "Sparbeschlüssen" zum Opfer. Kein Geld mehr da, um sie auch wieder aufzumachen? Müssen es wieder die "Bürger" in die richtige Hand nehmen, wenn die "Öffentliche Hand" nicht mehr ihre Aufgaben angemessen erfüllen kann, weil hier halt wieder mal sehr gespart wurde, um die nächste "Steuersenkungsrunde" auch finanzieren zu können?

"Freiheit für die Höhlen!" Vielleicht wäre das etwas für die FdH-Partei. Mutig ist so etwas. Angesichts der Folgen, die so etwas haben könnte. Ein zurückgehender Fledermausbestand zum Beispiel? Zumindest an zählbaren Exemplaren?

Es gibt inzwischen ein krasses Gegenbeispiel. Eine Höhle, die immer, also auch in der Winterszeit zugänglich war, und hohe Fledermausbestände gehabt hat, wurde zugeschlossen. Das Resultat war entsprechend: Die Zahl der auffindbaren Fledermäuse ging um die Hälfte zurück! Lieben Fledermäuse vielleicht auch die "Freiheit"? Angeblich wird ihr "Schlaf" ja "gestört", wenn jemand im "Winter" in ihre Nähe kommt. Das Verhalten so mancher Fledermaus, die sich mir schon in den Weg "gehängt" hat, hat mir ganz andere "Signale" geschickt. Ich sehe vor meinem inneren Auge noch heute eine kleine Maus, die sich im November 2... mitten in einen niederen Gang in der Maximilianhöhle gehängt hatte. Energieökonomisch war das vollkommen unsinnig. Aber sie hing da und jeder mußte seinen Kopf extra tief hinunterdrücken, um an ihr vorbei zu kommen. Ständig verbrauchte sie da ihren angeblich angefressenen Energievorrat für die Winterzeit. Die aus der "Ökonomie" ausgeliehende Figur des "homo oekonomicus" ist unbrauchbar.

Wer hat zum Beispiel untersucht, was bei den Fledermäusen passiert, wenn ein Flugzeug im Tiefflug über ihre Quartiere fliegt? Mitten im Dezember. Niemand ist in ihrer Nähe. Beleuchtet sie, erwärmt sie. Einfach nur der Schall. Ich würde von der Decke fallen und tot sein. Es gibt ja nicht nur Langzeitphänomene wie Verhungern, Knappheit an Ressourcen, wie sie bislang gerne in den Vordergrund geschoben wurden, sondern auch Plötzlichphänomene: Schlaganfall, Herzinfakt. Einmal Knall.

"Es irrt der Mensch, solang er strebt."

Goethe

Ramensteinhöhle

 


 Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Salzgrabenhöhle


"Solltet ihr die Grand Canyons vor den Stürmen abdecken wollen, würdet ihr nie die Schönheiten ihrer Formungen erblicken können."
Elisabeth Kübler-Ross

"Die Aussperrung, die Trennung des Menschen von der Natur gehört in unserer Zeit zu den größten Problemen des Naturschutzes. Sie ist nur dort und nur zu solchen Zeiten zu rechtfertigen, wo es wirklich (und für die Naturfreunde nachvollziehbar) um den Schutz vor Störungen oder Zerstörungen geht. Wären die Ausnahmen intuitiv plausibel, gäbe es auch keine Akzeptanzprobleme. Wo Sperrungen, Betretungsverbote und Wegegebote jedoch keinen ersichtlichen Grund haben, wird man solche Einschränkungen als unangemessen empfinden. Natur, die vorenthalten wird, eignet sich nicht dafür, das Anliegen des Naturschutzes zu verbreiten..."Naturschutzgebiet - Betreten verboten!" ist jedenfalls die schlechteste Werbung für den Naturschutz". Josef H. Reichhoff, Naturschutz - Krise und Zukunft, Berlin 2010, S. 146


Lange war sie Deutschlands längste Höhle. Lange Zeit. Ihr Typ ist ganz anders als die meisten andern Höhlen bei uns. Sie paßt eher hinüber ins Salzburgische. Sie lag da ja auch, bis der Wiener Kongreß im Gefolge des Untergangs Napoleons dazu führte, daß da eine Grenze künstlich gezogen wurde - das Berchtesgadener Land kam zu Bayern, der andere Teil blieb bei Salzburg. Den Bergen ist das, was diese Wesen, die sich gerne selber die "Krone der Schöpfung" zu nennen pflegen, treiben, wohl ziemlich wurscht. Das Wasser fließt, wo es Platz findet und wo der Fels "Löcher" in sich hat, die Luft bläst auch durch, wo es halt geht, und von oben her schmilzt der Kalk eh zusammen wie ein Schneemann, langsam zwar, aber stetig. Nichts hält - alles verändert sich. Trotz allen "Schutzes", den der bayerische Staat auch diesem Naturobjekt zukommenläßt. Vor wem schützt der Staat die Höhle: ... vor allen Kronen der Schöpfung, vor allen.......mit Ausnahmen.... Interessante Geschöpfe sind das, die noch rein dürfen. Höhlenvereinsmitglieder vor allem und "Forscher".

Unforscher und Nichthöhlenvereinsmitglied zu sein, ich glaube, da hat man überhaupt keine Karte mehr, um jemals diese großartige Höhle mehr von innen zu sehen. Warum eigentlich? Im Kern liegt es wohl an der Überbürokratisierung unserer modernen Welt. Für alles gibt es heute "Vorschriften", juristisch alles bestens abgesichert durch Parlamentsbeschlüsse (zumindest in Demokratien) auf allen Ebenen (Landes- , Bundes-, Europa und teilweise sogar Weltebene), die dann auch mehr oder weniger umgesetzt werden müssen / sollten, vielleicht auch werden, mit mehr oder weniger Erfolg. Karrieren hängen dran, Lebensgeschichten, oder auch nicht. An die Bayerische Verfassung zu erinnern, das traue ich mich fast nicht mehr. Wer kennt die denn eigentlich noch??????? Wer versteht die noch??? Noch ein paar Fragezeichen. Schade, denn die Menschen, die sie geschrieben haben, die hatten noch die Erfahrung eines schlimmen Krieges im eigenen Kreuz noch, nicht nur feingepolsterte Sessel. Das waren noch keine "couch potatoes".......

Die Geschichte der Salzgrabenhöhle beginnt mit einer schönen Blumengeschichte. ....

 

Im Sommer 2001 hat mich ein Email erreicht. Michael Diefenbach, der selbst eine Homepage im Internet pflegt, hat sie mir geschickt. Er verbrachte dort seinen Urlaub und versuchte mal, soll ich sagen, "den Verschluß" der Salzgrabenhöhle zu überwinden. Er ging einfach mal zur Nationalparkverwaltung und fragte mal nach. Sein Erfahrungsbericht: "Die Leute waren dort alle sehr freundlich. Und ein Herr, der Name ist mir entfallen (das kann ich sehr gut nachempfinden), erklärte mir, warum diese Höhle verschlossen worden ist. Ich konnte es kaum glauben. Nach seinem Bericht wurde dort vor Jahren große Silvesterpartys abgehalten mit gut 50 -100 Personen. Man kann sich leicht vorstellen, was für ein Unrat sich dort aufgetürmt hat. Vom Bürokratismus keine Spur. Der Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung war sehr nett und hat sich extra für mich Zeit genommen. Wo findet man so etwas noch in einer Behörde? Außerdem gibt es keine Probleme, eine Genehmigung für einen Tag zu bekomme. Mehrtägige Exkursionen sind allerdings Forschern mit klaren Zielen vorbehalten. Höhlenverschlüsse sind bedauerlich, aber wahrscheinlich die einzige Chance, die Höhlen zu schützen".

Die Botschaft hat mich erreicht, allein ich werde einfach nicht glücklich damit. Meine Erfahrung der Vergangenheit spricht dafür, da nicht gleich nur noch das weiße Segel auf dem Boot zu sehen. Hat sich da plötzlich Grundsätzliches geändert. Da gab es eine Regelung, daß sich jeweils nur eine Gruppe in der Höhle befinden dürfe, weshalb es schon am Ende eines Jahres einen Run darauf gab, bestimmte Termine zu besetzen. Der Vorsitzende eines Höhlenvereins mußte unterschreiben, daß die Besuchswilligen Mitglied in einem Höhlenverein seien und nicht nur das. Ich, als damaliger Vorsitzender des Vereins für Höhlenkunde in München, sollte einschätzen, daß diese Leute auch tatsächlich in der Lage seien, so eine Tour erfolgreich durchzuführen. Was hier verlangt wurde, das war typisch für jede Bürokratie. Abwälzen von Verantwortung auf andere, die hoffentlich so blöd, gescheit oder verantwortungslos waren, die Unterschrift zu leisten. Falls dann wirklich etwas passieren würde, dann wäre das halt vor allem eine Sache, die diese Person zu verantworten hatte. Es ist ja wirklich mal was passiert. Da ist eine Gruppe von "Erlebnispädagogenanwärtern mit ihrem "Guru"" drin gesessen. Das Wetter verschlechterte sich, die Wasser stiegen, der Normalausgang war versperrt. Da zeigte sich plötzlich, wie informiert alle waren. Manche wußten ein bißchen was, manche noch weniger, manche gar nichts, manche, das, was wichtig war oder gewesen wäre. Entsprechend waren ihre Reaktionen. Ein Lehrstück...

Ich möchte schon lange mal eine Höhlenfototour in die Salzgrabenhöhle mit den Mitgliedern von HÖPHO unternehmen. Ich empfinde das als etwas, was bislang gesetzte Grenzen durchbricht. "Forscher" waren die Leute, denen die "Bürokraten" mehr als einen Tag in bislang noch längster deutscher Höhle "bewilligten". Was sind die "Fotographen"? Schon die bayerische Verfassung spricht davon, daß die Förderung von "Wissenschaft" und "Kunst" staatliche Aufgabe sei. Bislang fiel halt die "Kunst" mangels entsprechend qualifizierter "Beamter" ein bißchen "hinten runter".

Vielleicht erlebe ich es noch, z.B. beim "Tag des Denkmals" (auch der Naturdenkmäler) im September jeden Jahres, eine Öffnung auch der höchst geheim gehaltenen "Schandtauberhöhle" - zumindest für alle, die dafür konstitutionell geeignet sind.

Für den September 2002 war eine HÖPHO-Fototour in die Salzgrabenhöhle geplant. Alles war eigentlich arrangiert. Allein, die NATUR hat dazwischen gefunkt. Solange haben wir alle in der Schule gelernt, daß, wer der Natur auf die Schliche kommt und deren Gesetze erkennt und dann anwendet, daß "er/sie" sie beherrscht. Ja, und da regnet es einfach. Viel.

Wohl ein bißchen mehr als "geplant". Und da gehen einfach alle Steiganlagen und das neue Biwak einfach hinab da, wo alles mal hingeht - in den Orkus. Sprich: Es gibt sie einfach nicht mehr.

Ich hätte mir nur gewünscht, daß das Wasser auch alle Sperranlagen hinweggeschwemmt hätte. Die Gitterstäbe einfach nach außen pusten. Dem Menschen, dem Verschlimmbesserer, mal zeigen, was Natur ist. Die kann man nicht mit Geldstrafen oder gar dem Einsperren versuchen, zu "verbessern". Verbessern in dem Sinn, daß man ihn "gefügig" macht, sich halt so verhalten, wie es gerade à la mode ist.

 

..wird fortgesetzt

Literatur:

Klappacher, W., Knapczyk, H.,
Gesamtredaktion
Salzburger Höhlenbuch, Band 2, Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg, Salzburg 1977
Lagally, Ulrich et al Geowissenschaftlich schutzwürdige Objekte in Oberbayern - Ergebnisse einer Erstaufnahme, Erdwissenschaftliche Beiträge zum Naturschutz, hrsg. von: Bayerisches Geologisches Landesamt, München 1993, S. 134f.
Meyer, Ulrich Forschungsbericht Salzgrabenhöhle, Atlantis Heft 3/4, 2002, S. 25ff.
Meyer, Ulrich Vom berauschenden Gefühl, die ersten zu sein..in der Salzgrabenhöhle, DER SCHLAZ 98, 2002, S. 20ff.
Keim, Gertrud Hochwasserspuren in der Salzgrabenhöhle, DER SCHLAZ 98, 2002, S. 23ff.