Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Baradla Barlang, Ungarn


Am 28. Dezember 2001 hatten zwei Münchner und zwei Salzburger Höhlenforscher mit 4 ungarischen Höhlenfreunden einmal die Gelegenheit, eine der großen, klassischen Höhlendurchquerungen der Erde zu machen. 7 km Gangstrecken sind zu durchlaufen, ehe man bei Josvafö das Licht der Welt wieder erblickt, wenn man es in Aggtelek Stunden vorher zum letzten Male gesehen hat.

Die Baradla ist Ungarns längste Höhle. Mit 25 km wird heute die Gesamtganglänge angegeben. Bekannt war sie seit Urzeiten. Die frühesten Funde stammen aus dem Neolithikum, sind ca. 6 bis 7 Tausend Jahre alt, und deuten auf eine zeitweise Besiedelung des Platzes hin. Besonders waren auch die Bestattungen in der Höhle. Von 9 Menschen hat man Überreste gefunden. Schon früh müssen die Menschen sehr tief in die Höhle eingedrungen sein, was die Frage aufwarf, wie sie denn das Beleuchtungsproblem denn gelöst haben, eine Frage, die nicht leicht zu beantworten ist.

Ein bißchen überraschend spät wird die Höhle erst in der Literatur erstmals erwähnt. 1742 erwähnt Matyas Bel die Höhle in seinem Buch "Notitia Hungariae novae historico geographica". In einer Anbemerkung setzt er sich mit einer Notiz in dem Buch von G. Wernher auseinander, das 1549 in Basel erschienen ist, "De admirandis Hungariae aquis", wo eine "Höhle von Fülek" erwähnt wird, wobei aber wohl schon die Aggteleker Höhle gemeint war. 1793 besuchte ein schottischer Wissenschaftler, Dr. Robert Townson, die Höhle und berichetete in seinem 1797 gedruchten Buch erstmals eine ausführliche Beschreibung des Innern der Höhle. Ein kurzer Auszug: "The mouth of the cave is at the bottom of a precipice about 150 feet high, at the west end of a compact unstratified limestone hill, which runs east and west. This entrance is about two yards broad, but so low that I was obliged to bend considerably to get in. I descended rapidly for a short distance, and then I found myself in an immense cave, with a very lofty vault..."

Auf der ältesten Karte der Höhle aus dem Jahre 1825 von dem Landvermesser von Gömör, Keresztely Raisz, waren etwa 1,8 km Höhlenstrecken festgehalten. Sein Nachfolger, Imre Vass, war dann der erfolgreichste Forscher in der Höhle. Er überwand das bisherige Ende, das Vaskapu, das "Eiserne Tor" und kam noch 5 km weiter. Sein klassischer Höhlenplan, der aus einem Grundriß und einem Seitenriß, der auch die Oberfläche über der Höhle genauestens erfaßte und auch sehr künstlerische gestaltet war, erschien 1831 in ungarisch und deutsch.

Ein kleiner Ausschnitt aus dem Imre Vass Plan

Auch die Künstler haben sich der unterirdischen Schönheit angenommen und sie in ausgezeichneten Werken wiedergeben. Ein paar Beispiele

Lithographie von George Hering, London 1838
Darstellung der Ausgrabungen durch Jenö Nyary, 1881

Ölgemälde von Gyula Sandy, 1860

 

1806 begann man die Höhle für das breitere Publikum zu erschließen, 1890 schuf man einen zweiten Eingang, um den Besuchern den Rückweg auf den selben Strecken zu ersparen, 1927-28 wurde ein Eingang bei Josvafö geschaffen. 1930 gelang es, eine Verbindung zur Höhle von Dominca auf Slowakischem Gebiet zu finden. Hotels für den Tourismus baute man sowohl in Aggelek und Josvafö, zwei Konzertsäle wurden in der Höhle errichtet. Heutzutage besuchen rund 250000 Touristen die Höhle.

Ein letzter Höhepunkt war sicherlich die Aufnahme der Höhle in die WORLD HERITAGE LIST, "considering their outstanding geological and geomorphical value" 1995 durch durch die UNESCO. Seither gibt eine Menge Beschränkungen, die dem Schutz der Höhle und der Landschaft darüber dienen.

Eine dieser Beschränkungen ist das Verbot mit Karbidlampen die Höhle zu durchqueren. Das wußten wir, und waren deshalb mit Taschen- und Stirnlampen ausreichend ausgerüstet, um die mindestens 5stündige unterirdische Wanderung erfolgreich hinter uns zu bringen. Wir haben es geschafft.

Eine Bilddokumentation davon

Gleich hinter dem Eingang in
Aggetelek
 
Die Begräbnisstätte  
Ein Holzwagen -
Relikt früherer Höhlenarbeiten
 
Im Konzertsaal  
   
   
 
Alte Inschriften an der Wand  

Ein Schimmelpilz
Didi beim Brotzeiten
 
 
 
 
 
 
   
 
Am Ausgang in Josvafö  
Der Austritt des Höhlenbaches
bei Josvafö
 

Literatur:

Jakucs, Laszlo Aggtelek, 1975
Maucha, Laszlo, Editor KARST HYDROGEOLOGICAL AND SPELEOLOGICAL FEATURES (Field-trip guide) D1, International Congress of Speleology 1989
Aggtelek National Park The Caves of the Aggtelek Karst, Josvafö 1998
Szekely, Kinga Baradla Barlang - Hungary's Longest Cave, The International Caver (4) 1992, S. 14f.
Hadobas, Sandor The first detailed description of Baradla Cave in Robert Townson's book published in 1797, The International Caver (1) 1991, S. 32f.
Hegedüs, Gyula The History of Hungarian Cave Research, The British Caver, Vol. 93, Winter 1984, S. 25ff.

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