Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle
40-Jahre-Chiemgauer Höhlenbären - Jubiläumsfest
11.-13. September 2026
Soll man Vergleiche anstellen? Ja und Nein. Vor 20 Jahren gab es schon einmal ein Jubiliäumsfest der "Chiemgauer", und jetzt wieder. Damals war der Verein ja gerade 20 Jahre alt - es gibt ihn noch immer - und es sieht so aus, als ob er noch einiges länger existieren wird.
Ich war damals schon dabei und es gibt einen Bericht darüber von mir im Internet > https://www.lochstein.de/ver/ver/2006/2006hb/2006hb.htm. Mein Besuch war damals quasi auch dienstlich, da ich, wie Andreas Schlechta unübertrefflich formuliert hatte, noch "oberster Kriegsherr der Münchner Kohorten" gewesen bin.
Seit langem genieße ich den Ruhestand, auch den Abstand von den Angelegenheiten des Münchner Höhlenvereins, aber ganz habe ich das Höhleninteresse noch nicht an den sprichtwörtlichen Nagel gehängt. Besonders motiviert war ich, weil ich gerne die Freunde und Kamerade von "damals" wieder einmal sehen wollte und hoffte, daß sie auch kommen würden.
Diese Hoffnung wurde nur teilweise erfüllt. Leider ruhen einige schon in Chiemgauer Erde, wie Christian Kriesten bei Inzell, andere haben sich sehr bis komplett zurückgezogen und so geändert, daß sie nicht mehr dabei waren. Der "Günther", einstmals auch als "Rattenfänger von Hameln" tituliert, fehlte nie und jetzt sehr, der Andreas, kompetenter und zuverlässiger Begleiter auf vielen Reisen in Europa, Alfred, einstmals Spitzenmann im extremen Gelände über und unter der Erde, heute froh, daß ihn wenigstens noch viele Bienen umschwärmen und jetzt ein Enkel in seiner Nähe krächzt.
Es sind über 60 Personen insgesamt gekommen, waren teilweise nur kurz da, aber eine Kernmann- und Frauschaft war dauernd anwesend und sorgte für einen reibungslosen Ablauf der schönen Veranstaltung. Denen wurde ausdrücklich von Werner Vogel, dem derzeitigen Vereinsvorstand, am zweiten Abend gedankt, da er wegen einer Autopanne am ersten Abend aus technischen Gründen noch nicht kommen hatte können. So ist sie halt, unsere Welt, weit entfernt von den immer funktionierenden Technoparadiesen, von denen mancher träumt. Seit Juni hatte sich ein Team aus Vereinsmitgliedern um die Organisation gekümmert. Einiges mußte entschieden werden: wie sollte das Fest-Tshirt aussehen, es sollte eine Festzeitschrift geben, welche Touren sollten angeboten werden und wer sollte sie führen, wo sollte das Ganze überhaupt stattfinden usw..
Man konnte eine ausgezeichnet geeignetes Örtlichkeit ausmachen für das Fest, das Cluhheim des Tauchclubs Octopus in Thansau. Es war ausreichend Platz für alle, viele Parkplätz standen zur Verfügung, was wichtig war, weil heutzutage viele mit mächtigen Wohnmobilen unterwegs sind, die entsprechende Standplätze brauchen und nicht kilometerweit entfernt sein sollen.
Beginn war am Freitagabend ab 18 Uhr, ab 19 Uhr gab es bereits ein fertig
vorbereitetes gutes Abendessen, anschließend wurde ein echtes Vortragshighlight
geboten. Berti Miehle berichtete vom neuesten Stand der Forschung und
Vermessung in der Großen Spielberghöhle. Endlich ist von ihm ein neuer
Plan erstellt worden und all die vielen Gänge, die zwar lange schon von
Forschern, besonders den Chiemgauern, schon einmal besucht worden waren,
aber nie vermessen, erfaßt worden. Nun ist die Gesamtlänge auf über 3 km
gewachsen und nur noch wenig Unerkundetes ist momentan übrig geblieben. Aber wer weiß ,
ob auch da schon das berühmte "Letzte Wort" gesprochen ist.
Nach einer kurzen Pause machte er weiter und berichtete von den neuesten
Ergebnissen der Forschungen im Gebiet der Windlöcher am Untersberg. Dort
hatten ja Reinhard Wagner und ich am 20. Juni 1982 wieder angefangen, in der
Höhle herumzustöbern, was sich dann ja zu einer großen Forschungsphase
entwickelte, bis sie dann wieder "einschlief". Jetzt trauen sich die jungen Forscher
in Gelände, das ausgesetzter nicht sein könnte - und sie finden Portale, die von
nirgendwoher vorher auszumachen waren. Eines führte
weiter, die "Villa Rosa", und mündete am Ende in eine ekelhaft enge und
nur schwierigst zu
bewältigende Spalte. Erst der Abgleich mit dem Gesamthöhlenplan zeigte,
daß man bis auf wenige Meter an das Hauptsystem herangekommen war - was
dann dazu führte, es doch noch einmal zu probieren - und hatte
Erfolg. Die Forschung geht weiter!
Am Samstag war Exkursionstag. Die "Tiger" gingen ins
Schlüsselloch und die Große Spielberghöhle, andere vergnügten sich bei
Oberaudorf mit Höhlenhaus und Höhlenburg, ich war bei einer Fünfergruppe
dabei, die die als "leichte Tour" ausgeschriebene Pölchinger
Klufthöhle aufsuchte. Ein gelungener Ausflug.
Inzwischen war die Schlufbox aufgebaut und diente den Kindern und wenigen
Erwachsenen als Langweilevertreibungsobjekt. Peter Hofmann hatte ein
grünliches Planenzelt aufgestellt und machte an dem großen Fotoprojekt
weiter, das auf die gemeinsame Präsentation von vielen vielen
Einzelhöhlenforscherportraits zielt.
Nach dem üppigen, schmackhaften Abendessen mit Berücksichtigung des
Unterschieds zwischen Karnivoren und Vegetariern hab es noch Hirnnahrung. Dr.
Michael Rappenglück hielt hier wieder einen Vortrag über den Chiemgau-Impakt,
was er vor 20 Jahren auch schon einmal getan hatte, aber nun mit viel mehr
noch fundierterem Material. Sind die Löcher im Boden nun eine Erscheinung
mit Ursachen in der Eiszeit oder tatsächlich die Folge eines
Meteoriteneinschlags?
Am Sonntag waren nur noch wenige Besucher übrig. Es gab wieder ein prima Frühstück und es war wieder viel Zeit um sich über Gott und die Welt zu unterhalten. Sogar vom Weltuntergang war schon die Rede, die gar nicht mehr vollkommen unmöglich angesehen wurde, wenn die Menschheit so weiter macht, wie im Augenblick.
Die Räume mußten wieder in einen guten Zustang gebracht werden, dann konnten die Schlüssel zurück an die Oktopussler gegeben werden. Es standen noch zwei Exkursionen auf dem Programm, zum Chiemgau-Impakt und in den Laubenstein, eine Führung durch Werner Vogel, auch als Beitrag des Vereins für den Tag der Höhlen und das Karstes gedacht, der in Zukunft auf UNESCO-Ebene weltweit organisiert und lokal durchgeführt wird. Das Höhlenmuseum in Frasdorf hatte extra für ein paar Stunden geöffnet und konnte kostenlos aufgesucht werden.
Insgesamt eine gelungene Veranstaltung. Allen Engagierten ein herzliches Dankeschön.
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Literatur:
Chiemgauer Höhlenbären e.V. (2026): FESTSCHRIFT 11.-13. September 2026, ohne Ortsangabe
Links:
https://chiemgauer-hoehlenbaeren.jimdofree.com/verein/
https://chiemgauer-hoehlenbaeren.jimdofree.com/
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