Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

AKTUELL

Zoll und Höhlenforschung


Diese zwei Themen mögen auf den ersten Blick vielleicht so weit auseinander liegen, daß man vermutet, sie würden nichts miteinander zu tun haben. Normalerweise ist da ja heute auch so, weil wir nach dem Entstehen der Europäischen Union und der Einführung des EURO kaum mehr mit den uns vollkommen antiquiert vorkommenden Handelshindernissen und -hemmnissen zusammenkommen. Über das Internet tauchen sie auf einmal wieder auf - wenn man etwa in Ländern wie Thailand oder der Schweiz einkauft.

In der Schweiz habe ich bei der Firma TechTonique etwa eine LedLampe IV bestellt und, endlich, nach Monaten, auch bekommen. Ich würde mich heute nicht mehr dazu entscheiden, jedenfalls nicht mehr auf diese Weise. Vielleicht tragen sich ja auch andere Leute mit diesem Gedanken. Dann sollten vielleicht die folgenden Zeilen lesen!

Von zwei Monaten Lieferzeit war da die Rede und von einem Preis unter 200 Euros. Mitte Dezember 2011 habe ich die Lampe bestellt, mit Mai 2012 habe ich sie bekommen. Man wollte gleich die Zahlung, die ich am 9. Januar 2012 geleistet habe. Der Preis war auf einmal auf 227 Euros gestiegen und zusammen mit der der Überweisungsgebühr auf das Schweizer Konto wurden mir schon 235,50 Euros abgezogen. In dem Betrag waren immerhin schon 17 Euros Porto für Versendung der Lampe der Post enthalten.

Wer nun denkt, daß damit der Kauf endgültig beglichen hätte, der irrt! Mitte Mai 2012 bekamen ich eine Mitteilung der Post bzw. vom Postzollamt, daß für mich eine Sendung eingetroffen sei, die ich in Garching-Hochbrück abholen könne. Wer ein wenig von Kostenrechnung versteht, der weiß, daß auch das Hinfahren zu diesem Ort erhebliche Kosten verursacht. Ein Mittagessen kann man davon sicherlich bezahlen. Dann stand ich da am Schalter und ein fachkundiger Mensch verwies mich auf den Schalter im Nebenraum. Da bekam ich dann die endgültige Rechnung von einem gereiften Zöllner, nachdem ich erst einmal die "Handelsrechnung" vorgelegt hatte. Außerdem mußte ich den Zahlungsausweis dabei haben, aber den wollte er gar nicht sehen. Ich mußte ihm sagen, was ich mir da bestellt hatte, das stellte ihn offenbar zufrieden. Auf Fachchinesisch prüfte er, ob kein Fall für VuB vorlag, Verbote und Beschränkungen. Bei uns ist der Warenverkehr grundsätzlich unbeschränkt, bis auf all die Fälle, wo das nicht der Fall ist, Uranbrennstoff, Panzer, Kinderpornographie zum Beispiel. Er begann zu rechnen, was da alles an Eingangsabgaben für eine Warensendung aus einem "Drittland" anfiel. Drittland bedeutet - die Schweiz ist kein EU-Land, deshalb sich auf Sendungen aus diesem Land Zölle und Einfuhrumsatzsteuer eventuell zu bezahlen. Tja, Das machte dann 6,13 Euros Zoll aus und 44,29 Euros EUST - Einfuhrumsatzsteuer. In der Summe waren das dann 50,42 €, die ich am Kassenschalter zu entrichten hatte. Der junge Mann am anderen Ende der Glasscheibe schob erst einmal meinen 50er in das Prüfgerät auf Echtheit, suchte auf dem Bildschirm seines Computers wohl nach meinen Daten, sortierte meine 42 Cent in sein Münzregal und, endlich, versah die "Quittung" mit dem Stempel "Hauptzollamt München". Ich mußte das gestempelte Exemplar dann noch dem Mann am Abfertigungsschalter zeigen, dann endlich war ich jemand, dessen Ware zum "Freien Verkehr" in der EU abgefertigt war.

Zufrieden war ich allerdings noch nicht. Der Zöllner hatte mir das kleine Päckchen schon am Schalter hingeschoben und gefragt, ob ich nicht nachsehen wollte, was mir das "Gutes" zukam. So konnte er sich eine amtliche "Beschau" sparen. Ich machte den kleinen Karton auf und sah die Bescherung: die Lampe, das Kabel und etwas Packmaterial waren darinnen. Betriebsfertig ist das Ding noch lange nicht. In der technischen Anleitung werde ich auf die "Fixo Duo Petzl" verwiesen, die sehr gut dazu passe. Die habe ich noch nicht und muß mich wohl erst mal bei der Speleothek danach umsehen. So viel Geld für so wenig wirkliche Leistung!

In Laos habe ich im Oudomxay für umgerechnet 7 Euros eine komplette funktionsfähige Elektrolampe auf einem Markt erstanden. Was für ein Unterschied! Einfach, praktisch, gut! So geht es ja auch.

Als ich mich bei dem Zöllner, meine Geplagtheit mit dem derzeitigen System ausdrückend, so äußerte, daß ich wohl besser nie diesen Vorgang in Gang gesetzt hätte, gab er mir irgendwie recht. Wenn ich einfach in die Schweiz gefahren wäre und dort dann dieses "verdammte Ding" gekauft hätte, dann wäre mir die Zahlung von Zoll und EUST erspart geblieben, zum Beispiel! Wer in der Schweiz derzeit Ware bis zum einem Wert von 300 Euro kauft und in das Gebiet der EU einführt, der kann das ohne weiteres tun. Es werden dann keine Eingangsabgaben fällig!

Wer sich also mit dem Gedanken trägt, keine vollkommen überteuerte SCURION zu erwerben, sondern wirtschaftlich vertretbarere Beleuchtungsmittel einzusetzen, dem ist wohl nur der Besuch des nächsten nationalen Kongresses der Schweizerischen Höhlenforscher im Muotathal im September zu empfehlen!

Die Geschichte geht, leider, weiter!

Jetzt habe ich die Lampe, aber wie soll ich sie betreiben? Das ist so, als wenn man Auto verkauft und genau weiß, daß kann auch Treibstoff dafür braucht. Der Treibstoff wird aber nicht mitgeliefert. Darum soll sich der Käufer gefälligst selber kümmern! Ein Beipackzettel in der Packung machte mich darauf aufmerksam, daß der Akkukasten der PETZL DUO-Lampe perfekt dazu passen würde. Tja, wie drankommen? Ich lebe in München ja in einem Speläoeinkaufsparadies mit der SPELEOTEK von Fritzi und Jörg in S-Bahn-Verbindung, so dachte ich mir, daß das Problem lösbar wäre.

So kam ich mit den wirtschaftlichen Realitäten schnell in Kontakt. Was noch immer an unseren Schulen und Universitäten über das Wirtschaften erzählt wird, ist geht an den Realitäten noch immer weit vorbei. Angeblich werden die menschlichen Bedürfnisse erfüllt, da ist schon was dran, aber oft nur in der Weise, daß aus dem, der was braucht, im Grunde nur das meiste herausgeholt werden soll von vielen Firmen. Wo nicht wirklich gut Geld verdient wird, das überläßt man lieber den karitativen Organisationen, staatlichen Reparatureinrichtungen oder mitmenschlichem Sympathiegefühl. Vor allem ums Geld geht es, nicht um die Menschen.
So ist das auch hier: Das Batterieteil von Petzl paße perfekt, allein, es gibt es nur zusammen mit einer kompletten Lampe zu kaufen. In der Praxis würde das dann so aussehen: Ein komplettes Lampensystem für ca. 90 Euros erwerben, den Lampenteil abbauen und vielleicht gleich wegwerfen, und dann dieses gelbe Plastikteil an seine Lampe anschließen! Ein Wahnsinn und eine Riesenverschwendung. Jörg, als alter Praktiker, mußte schon um die Tricksereien und Entwicklungsprobleme. Da seien Entwickler, die sich sehr gut mit der Elektronik auskennen würden, aber an der "Mechanik", da würden sie dann scheitern. Da bleiben dann die Kunden im Regen stehen und müssen sich dann irgendwie durchwursteln. Petzl verkauft absichtlich nur das ganze Set, weil es halt selber Lichtsysteme anbietet, deren Markt dann wegbrechen würde. Ein kleiner Unterschied zum TechTonique-System besteht auch, ein vielleicht nicht unwichtiger. Zur Befestigung am Helm gibt es bei TechTonique nur ein abgewinkeltes, fixes Leichtmetallteil. Beim Petzlsystem läßt sich der Neigungswinkel durch ein flexibles System unterschiedlich regeln - die "Mechanik" halt.
Bei der SPELEOTEK gibt es einen neuen Helm mit komplett montiertem LED-System von PETZL für rund 180 Euros zu kaufen! Schier unglaublich, vielleicht nicht gerade Spitzentechnik, aber halt funktionierend und einfach zu bekommen!

Da tut sich vielleicht auch ein wichtiger Second-hand-Markt auf! Werft Eure alten Batteriebehälter nicht einfach weg, sondern gebt sie bzw. verkauft sie weiter! Sie sind richtig Geld wert!

Jetzt gehe ich erst einmal fünf Tage auf dem Jakobsweg von Memmingen bis zum Bodensee wandern. Mal sehen, wie sich dieses Thema dann anläßt.

 

Links:

TechTonique

Speleodiversity

Zoll online - Reisefreimengen

Speleotek


[ Index ] [ Englisch version ] [ Höhlen und Höhlengebiete ] [ Kunst ]
[ HöRePsy ] [ Höhlenschutz ] [ VHM ] [ Veranstaltungen ] [ Links ]