Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen in der Umgebung von Weiz, Steiermark, A


Die Grasslhöhle


Daß man wirklich nicht alles glauben sollte, was geschrieben steht, natürlich auch nicht im Internet, dafür liefert die kleine Beobachtung, ganz am Rande, was es in der Umgebung von Weiz in der Oststeiermark einen Beleg. Da steht auf der WIKIPEDIA-Seite über Weiz am 21. Juni 2012:

"Grasslhöhle zwischen Weiz und Arzberg, größte Schauhöhle Österreichs".

Ich weiß nicht, wie hier "Größe" gemessen wird. Das Kriterium dafür wird ja eigentlich nie angegeben, aber ich möchte gerne wissen, auf wessen Mist diese Aussage gewachsen ist. Ich bezweifle dessen Kompetenz. Vielleicht war es ja auch nur irgendein Werbefuzzy, der eine kesse Schlagzeile prägen wollte.



Vom im gleichen Berg gelegenen Katerloch weiß der Text zu berichten: "Katerloch Tropfsteinhöhle mit ca. 1 km Führungsweglänge". Die haben ihren eigenen Rekord, der hier allerdings nicht erwähnt wird. Auf deren Werbematerial steht:

"Katerloch - Österreichs tropfsteinreichste Schauhöhle - Austria's most dripstone-rich show cave"

Das mag wirklich zutreffen, hat aber offenbar nicht wirklich durchschlagenden Werbeerfolg. Das hat wohl mehrere Gründe. Geographisch gesehen liegen beide Höhlen im selben Berg am Rande des Dürntals im Mittelsteirischen Karstgebiet. Verkehrsmäßig gesehen ist es weit abgelegen im Vergleich etwa zur Lurgrotte. Man muß schon gezielt hinfahren, gut geleitet durch viele Wegweiser. Ist man dann aber dort tatsächlich angekommen, dann erfährt man, daß man erst einmal einen Telefonnummer anrufen hätte sollen, um seinen Besuchswunsch vorher anzumelden. Wenn man dann, z.B. wie wir zwei im Juni 2012 halt nur zu zweit unterwegs sind, dann hat man wohl erst einmal irgendwie Pech. Denn vor Ort ist niemand.

Diesmal hatten wir ins Katerloch gewollt, aber da war halt niemand von den Schauhöhlenbetreibern und von anderen potentiellen Besuchern war auch nichts zu sehen. Zwei Leute mit Wiener Autokennzeichen kamen nach einer Stunde auch am Parkplatz an, aber auch die zogen letztlich enttäuscht wieder von dannen. Wir hätten uns wohl zusammenschließen müssen, vielleicht wäre dann ja der Führer gekommen, aber wirklich Lust zur Bezahlung des Preises von 30 € pro Person hatte ich auch nicht. Wenn es 9 und mehr sind, dann sinkt der Preis auf 20 €. Das sind für mich prohibitiv hohe Preise. Soviel zahle ich nicht.

Die Spaltung von Reich und Arm auch in unseren Gesellschaften zeigt sich da immer mehr. Würde ein deutsches Versorgungsamt zum Beispiel dem Wunsch eines deutschen HARTZ-IV-Empfängers entsprechen und den Besuch dieser Höhle bezahlen? Der hätte natürlich schon einmal sehr große Probleme, dorthin überhaupt zu kommen, denn die Reise dorthin würde wohl schon so viel verschlingen, daß er vorher besser bei einem Hungerkünstler in die Lehre gegangen wäre. Schau Dir die Tour doch im Fernsehen  an!

Der kurze Spaziergang vom großen Parkplatz zum Höhleneingang des Katerlochs war in unsere Zeit führend. Auf dem Parkplatz ist das Anzünden von Lagerfeuern verboten. Offenbar waren da schon einige "Naturbegeisterte" dazu angeregt, an diesem schon ziemlich weit von den sonstigen menschlichen Siedlungen gelegenen Ort einmal das herauszulassen, was in ihnen steckt. Aber das gefällt halt oft nicht den "Grundbesitzern", die sich in ihrem "Privateigentum" und dem, was sie damit verbinden, gestört fühlen. Was ist das? Eine unbeschränkte Verfügungsgewalt? Jedes kleine Erdbeben macht auch solchen Vermessenen hoffentlich schnell klar, daß auch sie nur "Hosenscheißer" sind, es gibt einfach Dinge, die viel größer, höher, tiefer oder sonst etwas sind, als sie.


Ein paar Leute in einem Auto mit Wiener Kennzeichen schauten auch vorbei, wanderten rauf und wieder runter, mehr war da in 2 Stunden unseres Aufenthalts dort nicht los. Beim Grasslhöhlenparkplatz hatten wir schon bei Rauffahren niemanden gesehen und beim Runterkommen wieder nicht. Da ist wohl noch weniger los.

Statt uns die Mühe der Organisation einer eigenen Höhlentour zu machen, wanderten wir lieber durch die Raabklamm. Sie ist ja die längste zusammenhängende Klamm Österreichsund führt aus dem Grazer Bergland in das Passailer Land.

Richtig felsigen Charakter hatte das, was wir unterwegs zu sehen bekamen, nur sehr selten, aber ruhig und Grün war es. Meist ist die Beschilderung sehr gut oder eigentlich überflüssig, weil es halt nur den zumindest ungeteerte Fahrweg gibt, aber am Ende zu, wurde es dann doch noch recht urig und wir probierten erst einmal mehrere Spuren im Wald aus, bis uns dann unser Irren dann doch wieder zurück auf den beschilderten Wanderweg geführt hatte. Unterwegs begegnete uns niemand anderer, was vielleicht ein Zeichen dafür ist, wie populär das Herumsteigen im Wald mit gelegentlichen Ausblicken auf kleine Felspartien heute ist.

Das untere Drittel der Klamm lieb im Raabkristallin, die oberen Zweidrittel im Schöckelkalk. Die Kalkbarriere überragt die Tallagen um ca. 500 m. Es handelt sich um "Grünen Karst", d.h. eine durchgehende Vegetationsdecke liegt über dem Gesteinskörper. 73 Höhlen sind inzwischen katastermäßig erfaßt, wobei die bekanntesten die Bärenhöhle und die Gelbe Grotte sind.

 

Weiz liegt am gleichnamigen Bach, der später in die Raab fließt. Oberhalb von Weiz durchströmt er die ca. 10 km lange Felsenschlucht, die Weizklamm. Sie war bis zum Jahre 1878 nur im Flußbett durchquert werden. Dann begann man eine Straße durch sie zu bauen, um die Dörfer der Umgebung besser verkehrsmäßig zu erschließen.

Für trittsichere Bergwanderer wird der Jägersteig empfohlen, der 12,8 km lang ist und nur bei trockenen, eisfreien Wetterverhältnissen gemacht werden sollte. Unterwegs kommt am Patschaloch und der Rablhöhle vorbei. 118 Höhlen sind inzwischen erkundet und vermessen. Etwa um 1910 gab es sogar schon einmal eine Schauhöhle hier, die Klementhöhle, wozu man sie Weganlagen und Stiegen ausgebaut hatte. Das ist nun alles schon Geschichte.

Literatur:

Kusch, Heinrich und Ingrid Höhlen der Steiermark, Graz 1998
Aellen, V., Strinati, P. Die Höhlen Europas, München Bern Wien 1977
Reiter, Annemarie Kleiner Höhlenführer durch 22 steirische Höhlen, Leykam-Verlag Graz-Wien, 1974

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