Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen im bayrischen Inntal

Der Weber an der Wand

Radierung von J. Poppel nach einer Zeichnung von W. Scheuchzer, um 1850

 


Ein erster Einstieg....

Weber an der Wand

Unter eine Felswand bei Oberaudorf duckt sich ein Gebäude, der "Weber an der Wand". Ob es sich um eine richtige "Höhlenwohnung" da handelt, darüber läßt sich diskutieren. In der Schweiz gibt es den verbreiteten Begriff der "Balmen", unter die sich auch dort so manches Gebäude kuschelt, z.B. der Gasthof Aescher im Säntisgebiet. Reizvoll sind diese Plätze und Gebäude, weil sie Geborgenheit und das Gefühl der Nähe zur "Natur" vermitteln. Häufig fehlt gleich die Rückwand und man stößt in den Räumen direkt auf den Felsen.

Am 21. Mai 2002 besuchten wir, Willi Adelung und ich, mal wieder diesen Ort. Baustelle überall. Das früher immer mehr verfallende Gebäude wird gerade renoviert. Ein Pizzaofen wird im Freien errichtet, offenbar ist geplant auch hier ein Restaurant zu eröffnen. Ein kurzer Fernsehbeitrag kündigte dieses Vorhaben jüngst mal an. Dann gäbe es hier ein Etablissement mit starken Höhlenambiente. Mal sehen, wie es wird.

Weber an der Wand

Ponorhöhle im Burgberg bei Oberaudorf

Höhle im Höhlenstein

In der Nähe des Bichlersees,

leicht auf einer Fahrstraße von Oberaudorf her erreichbar, liegt eine altbekannte Höhle, die Höhle im Höhlenstein. Früher war das Objekt schon von weiterm leicht sichtbar, weil der sehr große Eingang am Fuß einer glatten Felswand nicht zu übersehen war. Heute ist ein richtiger Wald davor wieder hochgewachsen, sodaß die Höhle erst wahrnehmbar ist, wenn man praktisch schon vor dem Eingang steht. Über kleine Felsstufen kann man in den großen Hauptgang hinaufklettern, der sich aber schnell auf eine Größe reduziert, wo es nur noch auf allen Vieren weitergeht. Die Mühe da hinein zu kriechen lohnt sich kaum, da drinnen eigentlich nichts kommt außer lauter Steinen.



Grafenloch

Das Grafenloch ist leicht auf einem mit orangenen Punkten markierten Weglein zu erreichen. Es liegt in der Luegsteinwand. Es ist gut erschlossen. Ein mit einem Drahtseil versicherter kurzer Quergang führt zu einer massiven Holzleiter mittels derer man in den Halbhöhlenraum gelangen kann, der einen hervorragenden Ausblick aufs Inntal aufweist. Reste einiger Mauern künden noch von früherer Besiedlung, wohl nicht nur in friedlichen Zeiten. Bevor man zur Höhle kommt liegt linkerhand noch ein zweites Portal, in das man auch hineinklettern kann.

 

Von der Naunspitze aus mit dem Teleobjektiv

Donnerlöcher bei Audorf
 

Buchberghöhle im Euzenauer Graben

Quarantam im Kirchwald
Diese kleine Höhle mit einer Höhlenwohnung drin liegt ziemlich versteckt im Kirchwald oberhalb von Nußdorf am Inn. Ein Michael Schöpfl aus Böhmen, der sich dort für viele Jahre ein Einsiedler niedergelassen hatte, begründete die relative Bekanntheit dieses Ortes. Ein schönes literarisches Zeugnis für diesen Moment in der Geschichte hat von ihm Carl Osker Renner in seinem Roman "Kirchwald" abgelegt. Den ersten Kontakt mit der Höhle beschreibt Renner so: "Es war ein warmer Herbsttag, der 21. September 1644, Fest des heiligen Matthäus. Michael Schöpfl schleppte sich müde dahin. War es der Föhn, der über die Berge herüberstrich, oder steckten ihm noch die Strapazen der Reise von Mantua her - er wußte es nicht. Nur gewahrte er mit einem Male neben dem Pfade einen hohen Felsspalt. Er trat näher und schaute in diesen aufgeschlitzten Felsen hinein. Da schien es ihm doch, als sei hier voreinst eine Art Felsenwohnung gewesen, in der sich ein Holzknecht, ein Jäger, ein Wilddieb oder Fallensteller mochte aufgehalten haben. Und weil ihm aus dem Innern des verwahrlosten Raumes ein angenehme Kühle entgegenströmte, entschloß er sich zu einer kurzen Rast. Er stellte das Bild ab, streift von ihm die Ölhaut und stellte es vor sich in den Eingang der Felsenwohnung. Dann kniete er sich im Angesichte der Muttergottes hin, um zu beten. Da fuhr plötzlich ein starker Windstoß vorbei, und Michael vernahm im Rauschen des Windes die Aufforderung: "Bleib hier." (S. 67) Die Erzählkunst Renners hat das weitere Geschehen um diese kleine Felsnische zu einer sehr lesenswerten Lektüre gemacht!

Höhlen im Biber

Auf dem Weg von der Autobahnausfahrt bei Brannenburg zur Talstation der Wendelsteinbahn kommt man direkt an den Nagelfluhfelsen des "Bibers" vorbei. Die Gletscherschotter aus den Alpen haben sich hier inmitten den Inntals so zu Gestein verfestigt, daß sie den geologischen Abbauvorgängen lange Zeit Widerstand bieten konnten und erst heutzutage dem Menschen mit seinem Hunger nach Steinen zum Opfer wieder fallen. Die Südseite ist durchbrochen von Steinbrüchen, die den attraktiven Stein abbauen und weiterverarbeiten, z.B. zu Brunnentrögen.

Auf dem Gipfel ist eine Kirche, die der heiligen Magdalena gewidmet ist und eine große Kreuzweganlage. Gleich an mehreren Stellen läßt sich hier aus anthropospeläologischer Sicht was finden. Am Fuße der Felswand ist eine Felsnische auf einem Brett über den Bach zu erreichen, die mal als Keller ausgebaut war. Heute, 2004, ist die Tür aufgebrochen, liegt Müll ein bißchen Müll herum, wirkt alles aufgegeben.

Gleich beim Aufstieg von der Straße in Brannenburg, an dem mit einer 4 gekennzeichneten Wanderweg, ist eine kurze Durchgangshöhle, man könnte ja auch Naturbrücke dazu sagen. Ein Stück des Nagelfluhs ruht heute auf einem stehengebliebenen Felssockel, unter dem man einfach durchlaufen kann.

Vorbei an einem Haus geht es auf einem schmalen Waldweg oben entlang der steil abfallenden Wände bis zu dem Magdalenenanlage. In mitten des mit Kreuzwegstationen ausgestatteten Gevierts liegt eine Art Höhlengrab, das wohl an die Geschehnisse auf dem Golgathaberg erinnern soll.

Die ganze Geschichte mit der Maria Magdalena hat ja viel mit Höhlen zu tun. Auf den Kunstwerken, die in der Kirche zu sehen sind, hat dies keinen Niederschlag gefunden. Aber unterhalb der Kirche, leicht erreichbar über ein paar Steinstufen, ist eine ausgebaute Felsnische, die seit dem 30jährigen Krieg von Eremiten besiedelt war. 3 Räume gab es da, wobei einer davon als "Ölberg" gestaltet war. Die Eremitage war schon vollkommen verfallen, ist aber heute wieder "hergerichtet", nachdem sich ein lokaler Interessenverein das Objekt wieder gewidmet hatte. Auf einer Steintafel kann die umfangreiche Geschichte des Ortes nachlesen.

Gleich unter dem höhlenartigen Objekt ist noch eine kleine Felsnische und die war, bei unserem Besuch 2004 offenbar vor kurzem auch mal wieder für Wohnzwecke benutzt worden. Große schwarze Schaumstoffmatrazen lagen da drinnen, die wohl vielleicht für eine "heiße Nacht" mal Verwendung fanden. Das Gelände südwärts scheint manchmal für Festzwecke Verwendung zu finden, was man an den Buden aus Holz im Wald sehen kann. An der Wand ist eine kellerartige Öffnung und wenn man durch die verschlossenen Tür blinzelt, dann sieht man eine Art Grottenbar, die dort wohl manchmal betrieben wird.

Tafel am Weg, an die Magdalena erinnernd

Teufelsloch im Petersberg
Der Petersberg ist der äußerste Vorberg der Alpenkette, wenn man, von Rosenheim kommend, ins Inntal fährt und rechterhand unterhalb des Hohen Madrons den Gipfel ausmacht. Zu übersehen er trotz seiner nur 847 m Höhe nicht, weil ganz oben ein weißgestrichenes Kircherl von überall her zu sehen ist. Inzwischen weiß man, daß schon in vorchristlicher Zeit dort einen Kultstätte gewesen ist. Die Tour hinauf zum Gipfel ist beliebt. Es sind nicht einmal 400 Höhenmeter von Flintsbach aus hinauf zu Kirche und nebenan gelegenem Wirtshaus, wo man einen Prachtblick auf das Alpenvorland hat.

Warum dieser Ort hier erwähnt wird, das hängt mit einem höhlenartigen Felsgebilde zusammen, an dem man etwa auf halber Strecke vorbeikommt. Ein Taferl, das die Geschichte vom Teufelsloch erzählt, ist nicht vor Ort, man sieht halt nur einen Spalt zwischen zwei großen Steinblöcken. Beim Wegbau hat man seitlich eine Mauer aufgerichtet, damit das Ganze nicht eines Tages herunterkommt. Eine Taschenlampe muß man nicht mitnehmen, wenn man dieses sagenträchtige Gebilde von innen sehen will. Man muß sich einfach zwischen die Felsen zwängen und kommt schon ziemlich bis ans Ende. Kinder können noch ein paar Zentimeter tiefer hinein.

Die Geschichte vom Teufelsloch gibt es in minestens zwei Versionen: Einmal soll Petrus am Weg zur Kirche an einer Stelle Rast gemacht haben, setzte sich auf einen Fels. Ein anderer Wanderer tauchte plötzlich auf, Petrus erkannte in ihm den Satan, es kam zum Kampf, in dem er sich nur retten konnte, als er das Kreuzzeichen gemacht hatte. Die Kräfte des Gegners seien daraufhin vollkommen geschwunden und er mußte Petrus loslassen. "Voller Zorn sei er daraufhin mit Getöse durch die Felsspalte am Wegrand hinab in sein finsteres Reich gefahren". In der zweiten Version geht es um einen Wettkampf mit dem Teufel, wer schneller nach oben auf den Berg käme, der Teufel oder Petrus. Dem Sieger solle der Berg gehören. Petrus kam als erster an, obwohl der Teufels gedacht hatte, sein Weg durch den Berg sei schneller. Er habe nicht hinausgekonnt, weil oben auf dem Ausstieg, leider für ihn, schon die Kirche stand.

Das Gipfelkircherl

Blick an der Burg Falkenstein vorbei über das Inntal hinüber zum Heuberg

     
   
     
 

 


 

Eine bemerkenswerte geologische Erscheinung: die Wolfsgrube bei Flintsbach, ein Naturdenkmal
   
Ein Blick vom Kranzhorn auf den Heuberg
   
Blick von der Naunspitze / Zahmer Kaiser nordwärts in das Inntal

 


Literatur:

Bauer, Fritz Unser Oberaudorf
Cramer, Klaus Höhlen und Karsterscheinungen, in: Geologische Karte von Bayern 1:25 000, Erläuterungen zum Blatt Nr. 8338 Bayrischzell, München 1985
Dachauer, Sebastian Chronik von Brannenburg und den ächsten Orten der Umgebung, vaterländische Geschichten, herausgegeben von dem historischen Vereine von und für Oberbayern, 4. Band, München 1843
Dürnegger, Josef Berghöhlen und ihre Sagen, in: Bayerisches Inntal NUSSDORF - Ein kulturgeschichtlicher Beitrag, Herausgegeben im Eigenverlag des Verfassers, Törwang 1951
Einmayr, Max IInntaler Sagen, Oberaudorf 1988
Hofmann, Peter Wege im Inntal, Norderstedt 2005
Lindenmayr, Franz Die verschwundene Kuh - oder Ludwig Steub im bayerischen Gebirge, Der Schlaz 81, 1997, S. 32ff.
Marianus, Fr. Kirchwald - Wallfahrtskirche und Einsiedelei am Heuberg, 3. erweiterte Auflage 1988
Rauch, Christian Ein Haus ohne Hintertürchen, Land & Berge 5/2016, S. 21ff.
Reiner, Harald Karteileichen & Wissenslücken, Der Schlaz 81, 1997, S. 35ff.
Renner, Carl Oskar Kirchwald, Ecora-Verlag, Prien 1993
Vordermeier, N. Cajetan Die Höhlen des Heuberges und die Wohnstätten der ersten Ansiedler im Unterinntal, veröffentlicht in: Das bayerische Inn-Oberland, Nr. 2, 1909, wiederveröffenticht in: Der Schlaz 80 -1996, S. 24f
Weithmann, Michael W. Inventar der Burgen Oberbayerns, Bezirk Oberbayern, Fachberatung Heimatpflege, 3. überarbeitete und erweiterte Auflage 1995

Links:

 

 


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