Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Ein unbekannte Höhle in der Umgebung des Schliersees, Bayern, D


Echte Höhlenforschung, also das Entdecken neuer Höhlenteile oder gar überhaupt bislang unbekannter Höhlen, hat in unserer Vorstellung oft etwas sehr Heroisches. Der Vorstoß ins Unbekannte - was kann es Großartigeres geben?

Tatsächlich ist die Wirklichkeit viel profaner. "Der Alpinismus ist eine hochbürokratische Angelegenheit" war jüngst in der Süddeutschen Zeitung zu lesen. Die "Höhlenforschung" auch. Woher wüßten wir sonst, daß vor uns noch keiner dagewesen ist? Tatsächlich werden viele Höhlen mehrmals entdeckt. Erst sind es die Einheimischen, die Bauern, Jäger, Landbesitzer, die über ihr Gebiet Bescheid wissen, dann vielleicht ein paar Touristen, Bergsteiger, Wanderer, am Ende dann vielleicht durch einen entsprechenden Tip, auch die "richtigen" Höhlenforscher. Wenn sie es ernsthaft betreiben, dann gibt es da einen "Höhlenkataster" in dem alle Hinweise aufgezeichnet werden, systematisch und deshalb "bürokratisch". Einen Gipfelpunkt dieser Entwicklung bildet dann die Vergabe einer "Katasternummer", was schon ein richtiger symbolischer Akt ist. In manchen Regionen geht man ja weiter. Da werden richtige Metallplättchen an den Höhleneingängen angebracht mit dieser Nummer, festverdübelt, und die Akteure für diese Handlung werden pekuniär gelohnt.

Als ich einmal in der Schule von meiner Höhlenpassion erzählte, meldete sich ein Schüler und gab mir einen Tip, ein "Einheimischer" aus Schliersee. Ob ich denn die "Höhle" kennen würde? Natürlich nicht. Ich ließ mir den Weg aufzeichnen und beschreiben. Dann kam dieser Hinweis in den Aktenordner "Höhlen der Bayerischen Alpen III - zwischen und Isar und Inn" und wurde erst im November 2001 daraus wieder hervorgeholt. Am 25. November machten sich dann 3 Leute auf, diese Höhle zu suchen, Klaus Vater, Willi Adelung und ich.

Wir hatten uns den ersten richtigen Schneetag des Jahres ausgesucht. In der Nacht hatte es schon kräftig geschneit und das setzte sich fort, als wir da waren.

Der Ausgangspunkt an der Straße Unterwegs im Schnee

Wir sind gestapft und gestapft, auf und abwärts. Haben gesucht und gesucht. Gefroren und gevespert haben wir auch. Mir war es irgendwann genug. Ich stieg ab, ließ Willi und Klaus alleine weitersuchen. Und sie kamen mit einem erstaunlichen Ergebnis zurück: Sie hätten eine Gegend gefunden, wo sich lauter Höhlenöffnungen auftäten. Wir müßten wiederkommen.

Das haben wir dann auch tatsächlich getan. Am 12. Oktober 2002. Wir sind direkt hochgegangen in dieses Tal mit den Wänden voller Gufeln. Rauhwacke nannte Klaus immer wieder das Gestein. Wir besuchen "Loch" um "Loch" und dahinter war nichts. Höchstens einen halben Meter tief waren die aus der Distanz durchaus spannend anzuschauenden Felsöffnungen. Aber halt nur "dahinter" war nichts.

Klaus und Willi rampften immer höher den Berghang hinan, allein am Ende waren die Erkenntnisse auch nicht sehr viel angewachsen in Bezug auf den Punkt, wo denn diese ominöse Höhle sei. In einem alten Bergführer steht ja auch schon etwas über eine kleine Höhle in der Gegend, aber den hatten wir genauso wenig dabei wie die folgende Skizze. Die ist so etwas wie das corpus delicti. Wer die zu lesen versteht, der wird vielleicht eines Tages tatsächlich diese Höhle finden. Vielleicht verbirgt sich dort ja auch ein "Schatz", wartet ein "Drache" am Eingang und am Ende bekommt der Glückliche sogar noch die "Prinzessin". Auf, auf.

Literatur:

Ott, Michael Und ewig ruft das Matterhorn, Süddeutsche Zeitung BN, Nr. 268, S. 17, 21.11.2001
Wolf, Andreas Kurzbericht Risserkogel-Rotwand 1277, in: Münchner Höhlengeschichte II, München 2004, S.96f.

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