Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen am Rauschberg, Bayerische Alpen


Blick vom Dürrnbachhorn auf Rauschberg, 2010


Der Rauschberg hat seinen Namen nicht von irgendwelchen Alkoholräuschen. Mit "Rauschen" wurden die schwersten Gesteinsteile bezeichnet, die als erste zu Boden sanken, wenn das aus dem Berg gewonnene Gestein gewachsen wurde. Gesucht hat man am Rauschberg nach Blei und Galmei.

Der Rauschberg ist der Hausberg von Ruhpolding und für jeden mittels der 1953 erbauten Seilbahn leicht zu erreichen. Von der Bergstation sind es nur noch ein paar Schritte nach oben und man steht auf dem 1.645 m hohen Gipfel des Vorderen Rauschbergs. Unter guten Sichtbedingungen hat man von hier einen überwältigenden Panoramablick. Nach Norden zeigt sich der Chiemsee und das umgebende Land wohl bis hinauf zum Bayerischen Wald. Westlich und weiter ist der Blick frei auf Hochgern, Hochfelln, den Wilden Kaiser, das Dürrnbachhorn, das Sonntagshorn, ganz in der Ferne im Süden sogar Großglockner und Großvenediger, die Reiteralm, Watzmann, Lattengebirge, Untersberg, Hochstaufen.

Auf einem gut ausgebauten und viel benutzten Pfad geht es in Nähe der Kammlinie ostwärts, vorbei am Rauschberghaus, an einigen Holzhütten mit Erläuterungen zu Erscheinungen am Weg über Biologie, Geologie, Geschichte usw.. Manchmal sind sie ja wirklich aufklärend, wie z.B. die "Kandelaberbäume" entstehen oder was "Rauhwacke" ist.
Schließlich zweigt an einer Scharte ein schmaler Weg nach links steil nach unten ab. Das ist der Weg in die Roßgasse, eine der steilsten Skiabfahrten in Oberbayern. Von hier geht es wieder aufwärts auf einem sehr begangenen Steigerl hinauf auf den Hinteren Rauschberg mit seinen 1.671m. Von hier geht es nicht mehr weiter. Alles endet hier in einem Steilabbruch nach Norden und Latschenfeldern, die undurchdringlich sind im Osten und Süden. So muß man alles wieder zurücklaufen. Wer weiter ostwärts will, der muß an der Abzweigung zur Roßgasse nach unten auf einem ausgetretenden Steigerl ca. 100 m hinunter zum Fahrweg. Er führt nahezu horizontal weiter bis zum Kienbergsattel. Hier gibt es Wegverzweigung. Entweder steigt man wieder bergauf und kommt so zum Streicher und Zenokopf oder steigt talwärts auf einer steilen Fahrstraße wieder zu Tal, hinunter zur Schmelz oder vielleicht auch weiter auf dem Rundweg zurück zur Seilbahnstation (angegebene Wanderzeit 3 Stunden).

Heute ist von dem einstmaligen Bergwerksbetrieb, der intensiv über mehrere Jahrhunderte auf der Nordseite des Rauschbergs los war, praktisch nichts mehr zu sehen. Lediglich der Name "Schmelz" erinnert noch daran. Über 350 Jahre hatten hier viele Menschen ihr Auskommen damit, in den Blei- und Galmeibergwerken zu arbeiten. Die ersten Schürfrechte wurden schon 1585 von Herzog Wilhelm vergeben, während des 30jährigen Krieges wurde der Abbaubetrieb begonnen. Es ging immer auf und ab mit dem Betrieb, Kriege beeinflußten massiv das Geschehen, letztlich fand man keine rentierlichen Abbaugebiete mehr, so daß 1924 der Betrieb eingestellt wurde. Insgesamt wurden 72 Stollen in den Berg getrieben, wobei viele nur Suchstollen waren, weil man nie ganz sicher sein konnte, wo sich die Erzvorkommen im Berg befinden. Wer mehr über diese Bergwerke erfahren will, der kann in einem über 200 Jahre alten Buch nachlesen: "Beschreibung der Gebirge von Baiern und der oberen Pfalz" von Mathias Flurl, erschienen 1792.

Taubensee und Blick auf die Seilbahnstrecke Richtung Bergstation

Gipfel des Vorderen Rauschbergs

Blick vom Vorderen Rauschberg Richtung Osten / Hinterer Rauschberg

Rauhwacke

Roßgasse

Blick vom Gipfel des Hinteren Rauschbergs Richtung Osten / Streicher, Zenokopf

Doline am Weg

Hinterer Rauschberg von Norden
   

Rauschbergmodell in der Seilbahnstation

In der 1982 erschienenen Münchner Höhlengeschichte wurde der damalige Stand des Höhlenkatasters der Bayerischen Alpen veröffentlicht. Bei der Katastergruppe 1348 Sulzburg-Teisenberg, die auch den Rauschberg umfaßt, war kein einziges Höhlenobjekt angeführt. Das heißt nicht, daß bis dahin noch nie ein Mensch mit einer Höhle dort zusammengekommen war, aber es hatte eben bis dahin noch keinerlei Niederschlag in der im allgemeinen doch sehr guten Zusammenstellung gefunden.

Dabei gibt es schon eine lange Geschichte, die bis in den mittelalterlichen Bergbau zurückreicht. Die Bergleute waren bei ihren mühsamen Vorstößen in den Berg immer wieder auf natürliche Hohlräume gestoßen, die sogar einen eigenen Namen bekamen, "Kracken" hießen sie. Auch das Vorkommen des Erzes hängt wohl mit den Naturhohlräumen zusammen. Daß so viel Erz an bestimmten Stellen vorkommt, wird heute damit erklärt, daß im Wettersteinkalk sich früh schon große Hohlräume gebildet hatten, die dann später von erzhaltigen Gewässern wieder gefüllt wurden, wo sie sich konzentrierten. Fanden die Bergleute solche Felskammern, die sog. "Hauwerke", dann hatten sie das große Los gezogen und hatten für Jahre Arbeit. Falls nicht, galt es an anderer Stelle zu suchen "bis endlich ein glücklicher Zufall den Bergmann wieder auf Erzanbrüche führte" (Flurl, S. 157). Flurl beschrieb die Situation 1792 so: "Sie sind weder Gänge, noch ordentliche Flöze, und nicht einmal ordentliche Lager." (Flurl, S. 157)
Inzwischen sind die meisten Bergwerkseingänge verstürzt oder zugesprengt.

1982 begann mit einer Tour, ausgelöst durch einen Hinweis von Karl Henn, in den Polterschacht, eine neue Ära. Mit einem Schlag war klar, daß es in diesem Gebirgsstock gewaltige Naturhöhlen geben mußte, die aber erst mal gefunden werden wollten. Der Polterschacht hat keinen natürlichen Eingang, sondern ein Zugang war erst möglich, nachdem die Bergleute vor vielen Jahren in diesem Gebiet einen Suchstollen angelegt hatten und bei seinem Vortrieb auf den großen Naturschacht stießen. 199 m geht es in die Tiefe mit mehreren tiefen Schächten, 14 m in die Höhe, in einem alten Zubringersystem, das verstürzt endet.

Auf Grund eines Hinweises eines Einheimischen begann die Suche nach einem angeblich 400 Meter tiefen Direktschachts auf der Südseite des Rauschbergs. In den 80er Jahren beschäftigte sich eine kleine Gruppe Münchner Höhlenforscher mit der Suche danach, aber leider blieb bislang  das erträumte positive Suchergebnis aus. Vielleicht gibt es ihn ja gar nicht. Immerhin wurden im Zuge dieser Arbeiten 4 Kleinschächte gefunden, erforscht und vermessen.

Ein großer Schacht am Rauschberg ist auch zu erwähnen, der Schneegrubenschacht. Er ist heute mit einem massiven Stahlgitter verschlossen, daß hoffentlich nie mehr wieder ein Mensch darin ums Leben kommt. Dies ist tatsächlich schon passiert, als ein Skifahrer hineinstürzte.

Fast verschütteter Einstieg in ein altes Bergwerk

Der Rauschberg aus dem Flugzeug am Morgen, etwas verfremdet, September 2011

 

Literatur:

Berger, Reiner Warum in die Ferne schweifen, das Gute liegt doch so nahe..., DER SCHLAZ 104 - 2004, S. 12f.
Flurl, Mathias Beschreibung der Gebirge von Baiern und der oberen Pfalz, München 1792
HSCH Inzell findet zurück zu seinen Wurzeln, Inzeller Gemeindeanzeiger Nr. 35, 30.8.1997, S. 7ff.
Lindenmayr, Franz Ein 400-m-Direktschacht bei uns? DER SCHLAZ 56-1988, S. 10ff.
Schmidbauer, Werner Gipfeltreffen 3 - Gespräche in den Bergen, ARISTON, München 2008
Schwenkmeier, Willi Wie der Berg zu seinem Namen kam, in: ALPINWELT - Das Bergmagazin für München und Oberland, 1/2011, S.8ff.
Triller, Dolfi Der Polterschacht, in: Münchner Höhlengeschichte II, München 2004, herausgegeben vom Verein für Höhlenkunde in München
Triller, Dolfi Schacht im Rauschberg bei Rupolding - unser erster Vorstoß im "Schneegrubenschacht" am 28.8.82, DER SCHLAZ 38, Oktober 1982, S. 7f.
Triller, Dolfi Schneegrubenschacht 1348/1 Rauschberg bei Ruhpolding, DER SCHLAZ 39, Februar 1983, S. 22f.
Verein für Höhlenkunde in München Münchner Höhlengeschichte, München 1982
Wolf, Andreas Schluckaufschacht/Rauschberg, DER SCHLAZ 61-1990, S. 11ff.
Zagler, Werner Die Jäger des verborgenen Schachtes 3, DER SCHLAZ 62-1990, S. 41ff
Zagler, Werner Die Jäger des verborgenen Schachtes 2, DER SCHLAZ 60-1990, S. 37ff.
Zagler, Werner Die Jäger des verborgenen Schachtes, DER SCHLAZ 59-1989, S. 21ff.
Zagler, Werner Forschungen am Rauschberg / Ruhpolding 1348, in: Münchner Höhlengeschichte II, München 2004, herausgegeben vom Verein für Höhlenkunde in München

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