Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Der Wasserschlinger am Inzeller Staufen

19.10.1985


"..wann die scheisliche Arbeit vorbei ist" (Gerhard Bronner)

..homa Zeid für was Gescheids


Bekannt ist er schon lange, geforscht wird auch schon einige Zeit daran und darin, auf den großen Erfolg wird noch gehofft. Er bestünde im Finden einer Verbindung zwischen den Versickerungsstellen im kleinen Plateau am Scharnkogel bei der Weittaldiensthütte und den Quellen im Tal - einem Modell, wie es inzwischen ja schon von Hunderten anderer Höhlensysteme auf der Welt inzwischen bekannt ist.

Die Quelle am Fuße des Scharnkopfes (1357 m Seehöhe), eines südlichen Ausläufers des Hinterstauffens (1740 m), war sicherlich schon immer dem Menschen bekannt. Vom 25. Juni 1939 stammt bereits ein Bericht von Czoernig, der sie als "Wasserloch im Hinterstaufen" beschrieb. Der Eingang liegr auf 750 m Seehöhe. Er traf damals nur auf einen wasserfüllten Quelltopf von 4 m Breite, der direkt an der Felswand endete. Durch das klare grünliche Wasser konnte man auch damals in einen abwärtsführenden Gang von ca. 2 m Breite und einer geschätzten Höhe von 80 cm sehen - der Normalzustand dort. Es war auch Czoernig schon bekannt, daß in außergewöhnlich trockenen Zeiten das Wasser sich zurückzieht und ein Gang frei wird, der bis zu 15 weit bergwärts begehbar ist.


Vom Gasthaus Zwing Richtung Scharnkogel-Gruberhörndl
Wasserloch, 1973 mit Christian Deubner
Die Quelle im März 2001, Besuch anläßlich des
Deutschen Höhlenfotographentreffens auf dem
Spötzlhof bei Wasserburg

Zeichnung von Czoernig von der Quellöffnung

 

Es hat inzwischen auch schon einige Tauchversuche dort gegeben, der am besten dokumentierte, bei dem zugleich die unterirdischen Räume vermessen und dokumentiert wurde, wurde von Rainer Straub am 31.12.1993 unternommen. Bei einer Tauchstrecke von 19 m und einer Tiefe von 5,8 m Metern öffnete sich die erste von zwei sehr engen Schachtöffnungen, wobei der Durchmesser ca. 20-30 cm betrug. Etwas südlich davon ist noch ein zweiter enger Schacht. Dort scheint es in südlicher Richtung in einem aufsteigenden Ast weiterzugehen. Am Grunde der Spalte ist Kies und Geröll. Ein Weiterkommen wäre nur mit einem abgenommenen Tauchgerät möglich.

Herbert Wimmer hat 1966 schon Wasseruntersuchungen an der Quelle unternommen und festgestellt, daß die 100 m nördlich gelegenen Quellen den gleichen Chemismus und die gleiche Wassertemperatur haben. Während diese Quellen ständig Wasser führen, fungiert das Wasserloch offensichtlich nur als Überlauf. Bermerkenswert ist schon, daß das dazu führt, daß das Wasser dann in vollkommen verschiedene Richtungen fließt. Das Wasserloch entwässert zur Saalach, die Quellen liefern ihr Wasser zum Falkensee und dann zur Traun. Letztlich kommen sie natürlich wieder in der Donau zusammen.

Von Weißbach an der Alpenstraße kann man auf einem kleinen Sträßlein hinauf zur Weittal-Diensthütte wandern oder auch fahren, sofern man eine Erlaubnis dafür hat. Es ist eine aussichtsreiche Wanderung mit Blicken hinüber zu Reiteralm und Sonntagshorn.

   

Hat man mal die Gipfelhochfläche erreicht, dann geht es immer ziemlich flach dahin. Auffallend sind die zahlreichen Dolinen und Erdeinbrüche im Boden. Südlich der Diensthütte liegt ein deutlich eingeschnittener Graben von 30 m Länge, dessen Tiefe immer mehr zunimmt. Nach einem Knick nach rechts ist der spaltenförmige Höhleneingang nicht mehr zu übersehen.

Bekannt war diese Öffnung sicherlich seit man in diese Region geht. Eine Inschrift in der Höhle ist mit einem Datum versehen: "7.8.54". In einem Bericht ohne Verfasserangabe und Datum im Kataster des Vereins für Höhlenkunde in München heißt es Heinz Siebert sei derjenige, der das System ausfindig gemacht habe. Man kam damals schon "80-100 m" weit in den Berg, hätte aber 2 mal wegen Unwetters die Befahrungen abbrechen müssen. Als das Salzburger Höhlenbuch Band 1 1975 erschien, enthielt es eine aufreizende Bemerkung. Am Ende der Höhle mit einer links abzweigenden engen Fortsetzung sei ein "stark wetterführender Schacht". Lange Zeit hat sich um diese Höhle offenbar keine gekümmert.

Am 21. Juli 1984 machte ich mal mit Leo Mayer und Peter Hunger eine Tour dorthin. Hatten wir mal das Plateau oben erklommen, war es nur noch ein Spaziergang und das Loch war leicht gefunden. Wir zogen uns um und begannen gleich mit Vorstoß und Vermessung. Am 2. November erfolgte schon die zweite Tour. Ein Schluf und eine anschließende Engstelle wurde von uns ausgeräumt und mit Hammer und Meißel noch etwas erweitert. Nicht jeder ähnelt einem gekochten Spaghetti in Umfang und Biegbarkeit! Ein Schacht von etwa 10 m Tiefe folgte, der kletterbar war. Noch eine Engstelle folgte, ein Canyon von selektiver Schmalheit. Ein Jahr später ging es noch einmal hinauf zur Höhle. Andy Aigner und Christian Blaschke waren auch dabei. Ihnen gelang die Überwindung auch dieses Hindernisses, während ich und andere es vorzogen, nicht mehr uns aufs Äußerste zu wagen. Noch einen Vorstoß gab es, wobei wegen einer eingeholten Fahrgenehmigung der Zustieg zur Höhle auf 15 Minuten verkürzt worden war. Auch ein Bohrhammer war da dabei und wurde zur Erweiterung der Engstelle eingesetzt. Ein 10 m Schacht am Ende wurde zwar noch angefahren, aber dessen Erstbegehung auf später verschoben.

In einem handgeschriebenen Bericht von Herbert Jantschke und Thomas Schulzki ohne Datumsangabe heißt es zum von ihnen befahrenen Höhlenende: "Vom Boden des Schachtraums setzt sich der bisher verfolgte Kluftspalt weiter abwärts fort, verengt sich aber nach 15 m hinter einer sehr engen Stelle zu unbefahrbaren Dimensionen." Waren die Beiden dort, wo die Münchner Gruppe aus den 80er Jahren umgekehrt ist? Es klingt so, als sei da schon mal jemand weiter drinnen gewesen.

Ist der manchmal sehr deutlich spürbare Luftzug ein Hinweis auf eine große Höhle oder ist es nur eine unbedeutende Luftbewegung wegen der Oberflächennähe der bisher bekannten Teile? Auf jeden Fall sind es zwischen den tiefsten Teilen des Wasserschlingers in etwa 1300 m Höhe bis hinunter zur Quelle auf 750 m 550 m Höhenunterschied! Wenn es mal gelingen würde, die engsträumigen Eingangsteile hinter sich zu lassen, dann wäre Großes möglich. Man sieht es ja schon an den ersten 100 Metern der Höhle. Je mehr Zubringer zum Hauptsystem stoßen, desto größer werden die Gangdimensionen. Ausdauer und Glück braucht man auch da.

21.7.1984

Mein Skizzenblatt mit den Vermessungsdaten
vom Schlinger, 21.7.1864
Die Aufrißzeichnung

Und wenn es da nicht gelingt, eine große Höhle anzufahren, vielleicht in der Umgebung. 200 m westlich des Schlingers setzt in einer Doline ein Schachtspalt an, den später auch Jantschke und Schulzki gefunden haben. Er wurde auch von uns schon 1984 registriert, erforscht und vermessen. Um da reinzukommen, war es notwendig ebenfalls Meißel und Hammer einzusetzen, um ihn für mich befahrbar zu machen. Diese Tätigkeit lieferte auch die Vorlage zum Namen für das noch kleine Chancen auf eine Fortsetzung bietende Objekt: "Schlagloch".

Meine Skizze vom "Schlagloch"

Eine andere kleine Öffnung im Erdboden fanden wir abgeriegelt durch einen hohen Drahtzaun direkt am Weg. Man wollte wohl verhindern, daß dort Tiere hineinfallen und zu Schaden kommen.

Es ist wieder ruhig geworden dort oben, aber irgendwann wird es weitergehen...

 

Literatur:

Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg Salzburger Höhlenbuch Band 1, Salzburg 1975
Blaschke, Christan Wasserschlinger im Weittal, DER SCHLAZ 50, 1986, S. 70ff.
Straub, Rainer, Jantschke, Herbert Wasserloch im Weittal - Weißbachquellhöhle, DER SCHLAZ 73-1994, S. 30ff.

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