Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen um Hartenstein

Auf dem Weg zur Petershöhle, Juli 2003 / Eingang Petershöhle


Hartenstein, ein kleiner Ort über dem Pegnitztal in der Hersbrucker Schweiz. Ein dichtes Wanderwegenetz erschließt heute die abwechslungsreiche Plateaulandschaft rundum. Bewaldete Karstbuckel wechseln sich ab mit Feldern und Wiesen. Immer wieder ist ein Blick auf die Umgebung möglich, wo es weitere Waldbuckel und Wiesen und Felder gibt, vielleicht auch mal eine kleine Ortschaft dazwischen, die dann Achtel, Grünreuth oder gar "Loch" heißt.

Geht man hinein in diese Waldbuckel, dann sieht man oft die großen Felsen, die heute meist zugewachsen sind und nicht mehr sichtbar sind. An manchem Stellen werden aber schon wieder die Stämme weggehauen oder Ziegen landschaftsgärtnerisch eingesetzt, um eine neues/altes Landschaftsbild wiederentstehen zu lassen, das wieder den "Stein" vom Vorschein kommen läßt und das "Holz" wieder zurückdrängt.

In diesen Felsen finden sich gar nicht so selten auch Höhlen.

Wohl die bekannteste in der Umgebung ist die Petershöhle. Sie ist von Hartenstein auf einem markierten Weg leicht zu erreichen. Sie gilt als eine der bedeutensten der Frankenalb. Früher hieß sie "Höhle in der Viehtrift", bekam aber einen neuen Namen, nachdem der Ingenieur Dr. Kuno Peters und sein Sohn 1914 die Höhle betraten und gleich beim ersten Male einen Bärenschädel fanden. Von 1914 bis 1928 wurde durch die Naturhistorische Gesellschaft Nürnberg dort gegraben und weitere Höhlenräume mit reichen Knochenlager gefunden. Die Reste von mindestens 2000 Höhlenbären wurden gefunden, aber auch Spuren von Höhlenlöwen, Nashorn und anderem Getier. Außerdem gelang es, die Anwesenheit des Neandertalers in der Höhle vor über 100.000 Jahren zu dokumentieren.


Funde aus der Höhle in Naturhistorischen Museum in Nürnberg

Heute ist die Höhle ein beliebter Zielpunkt auf Wanderungen durch die Hartensteiner Oberberge. Von der nahen Jugendherberge aus werden Abenteuerführungen für die Kinder veranstaltet, und es ist ein Vergnügen, diesen Kindern zuzuschauen, wie sie sich diese unterirdische Welt auf ihre Weise "erobern". Ich hatte dazu Ende Juli 2003 mal Gelegenheit, als ich nach einer kleinen Fototour durch die Räume eigentlich wieder zurückwollte. Ein Wolkenbruch verhinderte das, und ich war, genauso wie der Trupp Kinder und ihre zwei Betreuer dort "eingesperrt". Für die Kinder war das kein Problem. Sie erkundeten nun wirklich jeden Winkel, der sich irgendwo auftat, entdeckten da einen Stapel Brennholz, doch eine Plastiktüte, da drüben war ein Tropfstein und hier noch eine kurze Kletterroute.

Es lohnt sich auch im Winter mal hierher zu kommen. Man muß ja nicht gerade eventuelle Fledermäuse durch Abbrennen von Freudenfeuern oder Abhalten von Indianertänzen vollkommen verrückt machen, aber eine stille Betrachtung der oft prachtvollen Eisfiguren, das könnte einen schon anregen, mal wieder nachzusinnen über die Natur in uns und außerhalb.

 

Nicht weit von Hartenstein liegt Grünreuth, ein schön gelegenes "Nest" bestehend aus ein paar Häusern, einer Wirtschaft und einem Briefkasten. Nordwestlich davon liegt einer der vielen bewaldeten Felsköpfe. Verläßt man den Ort Richtung Norden, dann kommt mal linkerhand ein Nebenweg direkt am Waldrand. Dort kann man sein Gefährt stehen lassen und den breiten Waldweg, der leicht anstehend aufwärts zu den Felsbastionen führt, nehmen. Drei Höhlen gibt es da auf engstem Raum, die Fechtershöhle A45, das Pferdsloch A46 und das Mausloch A47. Alles zusammen gibt das einen hübschen kleinen Höhlenausflug, zu dem mindestens eine Taschenlampe dabei haben sollte. Außerdem kann man sich eine Beule am Kopf holen, sollte man "ungeschützt" die Räumlichkeiten betreten und einigen Dreck an den Knien abbekommen, sollte man auch noch in die innersten Winkel dieser Löcher kriechen wollen. Die tunnelartige Fechtershöhle, nach ihrem ehemaligen Eigentümer benannt, bringt es auf immerhin 38 m Länge, gar nicht so wenig für diese Gegend. Das Pferdsloch öffnet sich unvermittelt als Einbruchsschächtchen in der Hangflanke und hat seinen Namen von dem Pferdeschädel, den man mal drinnen gefunden hat. Auch das Mausloch hat eine Feuerstelle am Eingang, genauso wie die Fechtershöhle. In ihr ist noch das künstlerische Endprodukt eines modernen Aktzeichners an der Wand zu bestaunen.

2011 - Altes Haus in Grünreuth
 Mausloch
 
 Pferdsloch
 Fechtershöhle
 
 Hasenleitenhöhle

Nordöstlich von Grünreuth Richtung Brändelberg

 

Literatur:

Hilpert, Brigitte, Kaulich, Brigitte Eiszeitliche Bären aus der Frankenalb - Neue Ergebnisse zu den Höhlenbären aus dem Osterloch in Hegendorf, der Petershöhle bei Velden und der Gentnerhöhle bei Weidlwang, Mitt. Verb. dt. Höhlen- u. Karstforscher, 52(4), München 2006, S. 106-113
Huber, Fritz Jahreshefte für Karst- und Höhlenkunde, 8. Jahresheft - 1967, Die Höhlen des Karstgebietes A Königstein, München 1967
Lang, Stefan HÖHLEN IN FRANKEN - Ein Wanderführer in die Unterwelt der Hersbrucker Schweiz und des Oberpfälzer Jura, Verlag Hans Carl , Nürnberg 2002

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