Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Osterhöhle bei Trondorf
und Höhlen in der Umgebung, Fränkische Alb


In der westlichen Oberpfalz, nur wenige Kilometer von Sulzbach-Rosenberg entfernt, kommt man in ein sehr reizvolles Gebiet. Die Landschaft ist hügelig, bewaldete Kuppen wechseln sich mit Talgründen ab, in denen man Wiesen und Felder findet. Nur ab und zu stößt man auch auf eine Siedlung, meist nur wenige Häuser. Die Autobahn Nürnberg-Amberg durchschneidet die Gegend und die schon mehr als 100 Jahre alte Eisenbahntrasse von Nürnberg Richtung Osteuropa.

Meist liegt eine wunderbare Ruhe über der Gegend. Nur selten fährt ein Pendolinozug auf den Gleisen, ab und zu auch mal ein schwerer Güterzug, der gleich die ganze Umgebung in erdbebenähnliche Schwingung versetzt. Die Straßen sind oft noch recht schmal gebaut, wozu auch, für die paar Autos. Am Wochenende gibts heute die vielen Radfahrer, und einige Ponys vom nahen Reitgut sind auch mal auf der Straße unterwegs.

In dieser Landschaft liegt eine der kleinsten deutschen Schauhöhlen, die Osterhöhle. Anders als bei den großen Rennern der Schauhöhlenszene, der Attahöhle, der Bärenhöhle oder der Teufelshöhle, kommen dorthin nicht gleich busladungsweise die Menschen. Ein kleiner Parkplatz bietet vielleicht maximal 20 Gefährten einen Standplatz. Von dort sind es dann noch 50 Meter zu Fuß leicht bergauf. Dann ist man schon beim kleinen Schauhöhlenhaus, kann hinaufblicken zum eingewölbten Höhlenportal und gleich mal Platz nehmen an den gemütlichen Bierbänken, um auf die nächste Führung zu warten.

Ein bißchen ist hier die Zeit stehengeblieben und das zu keinem schlechten Zeitpunkt. Es gibt hier keinen Strom- und keinen Wasseranschluß. Außerdem haben sie keine Kanalisation. Wer auf Klo will, benützt noch immer ein stilechtes Plumpsklo, und wer sich hinterher die Hände waschen möchte, muß dies das Wasser aus einen Plastikkanister lassen, der zwischen zwei Bäume geklemmt ist. Wenn wirklich Strom benötigt wird, dann wird ein Aggregat angeworfen, das dann die benötigte Elektrizität abgibt. In die Höhle wird man noch mit richtigem Karbidlicht geführt. Inzwischen ist das eine echte Rarität in Deutschland. Nur noch in der Schellenberger Eishöhle macht man das auch noch. Eine spezielle Erfahrung, denn die Dinger sind auf Dauer doch recht schwer und man das Gefühl bekommen, daß nach der Reise in die Unterwelt der Arm um einen Zentimeter länger geworden ist. Einen Telefonanschluß gibts: 09663/1718.

Die mit der Katasternummer A 94 versehene Höhle ist seit Urzeiten bekannt. Ein paar Tonscherben aus der Hallstatt- und Latènezeit belegen dies. Die früheste schriftliche Erwähnung ist in der 1789 erschienenen Arbeit "Meyträge zur Urgeschichte Sulsbachs aus den entferntesten Zeiten bis auf die Erscheinung Ernsts des ersten Grafen und Herrn zu Sulsbach" von Schleis von Löwenfeld. Darin wird von dem Brauch berichtet, daß sich die Jugend an Ostern bei der Höhle treffen würde, um ein Fest zu feiern. Dieses Phänomen, daß sich die Jugend von der Welt der Erwachsenen absondert, um sich irgendwo dann auszutoben, alle Verbote und Beschränkungen mal hinter sich zu lassen, das gibts ja weltweit.
1905 baute man ein kleines Wirtshaus beim Höhleneingang direkt an die Felswand. An einigen Stellen ragt der inzwischen ganz schwarz gewordene Fels direkt in die Küche und den Vorratsraum hinein. 1935 erweiterte man das Hüttchen auf die heutigen Dimensionen. In den letzten Jahren hat Thomas Schneider, selber Höhlenforscher und Mitglied in der FHKF, als Pächter den Schauhöhlenbetrieb übernommen und führt das kleine Unternehmen nun als Familienbetrieb mit gelegentlicher Unterstützung durch seine Höhlenkameraden ganz erfolgreich. Geöffnet ist die Höhle von Ostern bis zum letzten Oktoberwochenende an den Wochenenden und an Feiertagen.

Bereits im Höhleneingang gibt es ein Rätsel. Die meisten Menschen werden das Steingesicht wohl übersehen, das da von unbekannter Hand einmal in die Höhlenwand eingefügt worden ist.

Auf einem Tisch stehen die alten Karbidlampen mit denen geführt wird, selbst schon Fossilien aus einer anderen Zeit. Auf vielen Stufen geht es in die Tiefe. Auffällig ist der starke Temperaturabfall. Unten hat es nur noch 9 Grad, es handelt sich um eine "Sackhöhle", die kalte Luft könnte zwar herein, aber nirgends mehr hinaus, bekamen wir vom kundigen Höhlenführer Wilfried erklärt. Überraschend groß ist die Höhle im ersten richtigen Raum. Eine richtiges Kluftkreuz ist da und entsprechend könnte man in alle 4 Himmelsrichtungen gehen. Dunkle Farben dominieren an den Wänden, meist noch die Spur der früheren Fackelführungen. Allmählich lagert sich aber wieder weißer Kalksinter darüber ab und so kommt es zu einem belebenden Spiel der Farben und Formen. Am Boden haben sich massige kegelförmige Sinterberge gebildet, kleine Seen sind auch zu sehen. Mal geht es auf dem kurzen Führungsweg hinauf und dann wieder hinunter. In der Endkammer mit der Tropfsteingruppe "Adam und Eva" heißt es wieder umkehren.

Auch andere kleine Gebilde haben von den Höhlenführern ihre Phantasienamen bekommen: Burg am Rhein, Zwerglein, In der Kirche, Orgel, Matterhorn, Schatzkammer, Wasserfall, Adler. Der menschliche Geist will beschäftigt sein. An einigen Stellen in der Höhle ist gegraben worden, um Fortsetzungen zu finden, allerdings ohne großen Erfolg. Insgesamt sind 185 m Ganglänge heute vermessen. Um wieder zurück zur Erdoberfläche zu gelangen, gilt es sich erst einmal wieder durch das Bücktor zu bewegen und dann die vielen Stufen hinauf, vorbei an mehreren Bierträgern und Weinflaschen, die man zur Kühlung hier hereingebracht hat.

Kommt man wieder heraus, dann fällt der Temperaturunterschied massiv auf. Im Sommer ist der Aufenthalt in der Höhle richtig angenehm kühl im Vergleich zu der Bullenhitze, die da gelegentlich draußen herrscht. Aber wegen so eines kleinen Vorteils wird wohl keiner im Loch bleiben, zumal doch draußen gleich ein gemütlicher Biergarten lockt. Was gibts da nicht alles Herrliches. Bier oder Frankenwein, deftige Brotzeiten, hausgemachte Suppen, die "Höhlenplatte", den "Höhlengeist" usw.. Wer möchte da schon noch zurück ins finstre Loch?

Leider ist diese Idylle bedroht - durch das ganz in der Nähe geplantes Gewerbegebiet "Osterhöhle". In so ein selten gewordenes Stück Naturparadies soll auch noch so ein Technikmoloch gesetzt werden. In Sulzbach-Rosenberg gibt es bereits Gewerbegebiete, gleich beim Ort Neukirchen wäre sicherlich auch noch Platz. Nein. Mitten hinein in die freie Natur soll es. Im Gemeinderat gab es bereits eine Abstimmung: 7 dafür, 7 dagegen. Nun hat sich eine Bürgerinitiative gebildet, die das Projekt verhindern möchte. Eine Unterschriftsliste liegt in der Höhlenhütte auf. Auch fachliche Gegenargumente werden gesammelt. So läge das Gebiet im Oberlauf einer geologischen Rinne, die das Wasser zu den Trinkwasserquellen der Stadt Sulzbach bringt. Hoffentlich ist das stichhaltig.

Um noch mehr Besucher zur Osterhöhle zu bringen, wurden auch ein paar Veranstaltungen organisiert. Die Termine:

26. Aug.: Konzert mit Bernd Dittl und Heinrich Ewald
17. Sept: Volksmusik mit den Lustigen Spitzbuam
28.+29.Okt: Saisonabschluß mit Fischessen und Stubn-Musi

Ein schönes Stück Bayern.


Diese Zeilen wurden im Sommer 2000 geschrieben. Inzwischen hat sich vieles geändert. Leider nicht zum Besseren. Der Pachtvertrag mit Günther Schneider ist aufgelöst worden. Ein anderer Pächter hat das Ruder übernommen und vieles modernisiert. Leider hat dies alles nicht zur Verbesserung der Atmosphäre beigetragen. Es gibt erste Pläne, die Höhle mit elektrischem Strom zu beleuchten usw.. All das ist kein "Fortschritt", eher ein Angleichen an die gleich unguten Verhältnisse allerorten. Schade, eine Idylle weniger.


In der Umgebung der Osterhöhle finden sich noch mehr Höhlen. Dies sind so genannte "Wilde Höhlen". Man muß sie erst einmal finden und hat man sie gefunden, dann ist da womöglich gleich am Eingang eine verschlossene Türe. Und es steht nicht gleich dran, wo man denn den Schlüssel fürs Öffnen herbekommt.

Die Ponorhöhle
 
 

 


Literatur:

Herrmann, Friedrich Jurahöhlen der Oberpfalz, Verlag Fr. Pustet, Regensburg 1976
Huber, Fritz Jahreshefte für Karst- und Höhlenkunde, 8. Jahresheft - 1967, Die Höhlen des Karstgebietes A Königstein, München 1967
Schneider, Günter Allgemeine Beschreibung zur Lage, Geschichte und Geologie der Osterhöhle, Tagungsband, 33. Tagung des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher, Neukirchen 1988
Binder, Hans, Luz, Hans Martin Schauhöhlen in Deutschland, Ulm 1993
Lang, Stefan Höhlen in Franken, Verlag Hans Carl, Nürnberg 2002

Links:

Ein bißchen Karst und Küche bei der Osterhöhle - ein Blick in die Speise- und Getränkekammer, direkt an den Felsen gebaut

 

 


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