Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Höhlen rund um Pegnitz, Fränkische Alb


Pegnitz ist ein kleines Städtchen in der Nördlichen Fränkischen Alb. Im Ortsbereich entspring das Flüßchen, das den gleichen Namen wie der Ort trägt. Nach im Ortsgebiet erlaubt sich dieses Gewässer eine Kapriole. Ein guter Teil des Wassers verschwindet nämlich heutzutage im Untergrund und kommt auf der anderen Seite des Umlaufberges in einer Quellhöhle wieder zu Tage. Bemerkenswerterweise braucht es für diesen unterirdischen Weg ungefähr fünfmal so lange wie auf der oberirdischen Strecke!

Dieses Schauspiel kann heute jeder am Wasserberg nachvollziehen. Von den in alten Chroniken erwähnten 5 Höhlen, in denen früher das Wasser verschwunden sei, ich heute, sichtbarerweise, keine mehr vorhanden. In der Nähe der Eisenbahnbrücke gibt es heute, 2007, ein Sägewerk. Direkt an der Fahrstraße sieht man einen Steinbrunnen mit Holzdächlein, der direkt in die einzige heute noch zugängliche kurze Höhle führt. Eine Schautafel erklärt stumm dem Besucher die altbekannten Zusammenhänge. In gut 300 m Luftlinienentfernung kommt das Wasser wieder zu Vorschein - in der Wasserbergquellgrotte. Früher, so die Sage, hat man den Zusammenhang schon mittels Enten bewiesen. Und heutzutage ist das sicherlich auch mit Markierungsstoffen gemacht worden. 1972 wurde von Rainer und Dieter Stoffels die Quellgrotte erforscht, nachdem eine Totalabsperrung des Wasserzulaufs in den Berg schon eine halbe Stunde später nur noch wenige Sekundenliter noch aus der Quellhöhle hervorkamen. Die Forscher aus dem Sauerland hatten so sehr gute Bedingungen, begannen mit "Gartenharke und Klappspaten" am damaligen Höhlenende zu nagen und fanden tatsächlich eine Fortsetzung. Die flache Spinnenhalle wurde zugänglich mit immerhin 35 m². In der Mitte der Halle war ein 60 cm tiefer See, dessen Boden aus grundlosem, weichem Schlamm bestand. Keine guten Bedingungen fürs Weiterkommen. Ein Lehmbankett schließt die Halle ab, ein 6 m langer Seitengang wird durch einen Deckeneinsturz abgeschlossen. Die Forscher von damals kamen zu dem Resümée: "Ein weiteres Vordringen dürfte nur durch Ausräumen des Endversturzes möglich sein..ein Unternehmen, ...das vielmehr an der Gefahr nachbrechender Gesteinsmassen des äußerst labilen, dünnbankigen Kalkes scheitern dürfte." Da könnte eine kilometerlange Höhle unter der Erdoberfläche verborgen sein!

Helmuth Cramer berichtete 1932 noch von "Ponormüller", der mittels eines Wehrs den Wasserlauf regulierte und für seine Zwecke damals noch nutzen konnte. Schon damals wurde allerdings schon geklagt, daß die zunehmende Verschlammung die Arbeit immer schwieriger machte.

Nicht weit vom Wasserberg entfernt ist der "Lochstein" mit den 6 Lochsteinhöhlen. Vom Flüßchen aus ist er leicht als auffallende Felsmauer auszumachen. Wer vom Ort herkommt, der muß sich erst einmal den Weg durch die "Lohesiedlung" suchen. Wer es weiß, dem wird sicherlich das große Holzschild mit dem Hinweis auffallen, wer nicht, so wie ich im April 2007, der wird erst einmal ein bißchen herumsuchen in der Umgebung des Sportplatzes und des Verkehrskindergartens des Schulzentrums, das sich hier befindet.

Die Höhlen sind offenbar bestensn bekannt, denn breite Pfade führen überall hin. Geheimnis ist hier keines mehr. Der Höhepunkt ist in einem Felssaal, der von mehreren Seiten her gut erreichbar ist und dessen Hauptraum offenbar gerne zu irgendwelchen Feten verwendet wird. Das wäre ja schön und gut, aber leider scheint es dazu zu gehören, daß man seinen Müll auch gleich an Ort und Stelle zurückläßt. Schade. Würde man diese Höhle wieder so zurücklassen, wie sie ursprünglich wohl war, dann wäre das ein höchst reizvoller Ort. So teilt man ihn mit den Plastikbehältern von irgendeiner Supermarktwurst und Kartonummantelungen von Billigbier. Ist das, was an der Wand an Ikonographie zu sehen ist, typisch für den heutigen Umgang mit "Höhlen"? "FUCK" und ein Pentagramm? Fast alle Höhlen hier sind Durchgangshöhlen und haben mindestens einen zweiten Eingang. Hier handelt es sich wohl um die letzten Reste eines einst wohl viel bedeutenderen Höhlensystems.

Das da noch sehr kleine Flüßchen Pegnitz fließt unterhalb des Ortes durch ein breites wiesenbegrüntes Tal mit felsigen Rändern. Sowohl die Bahnstrecke als auch die Fahrstraße folgen weitgehend seinem Lauf. Kurz vor dem Ort Weidelwang mit seinem unübersehbaren "Kanonierfelsen" liegt direkt am Straßenrand eine Höhlenöffnung. Keiner kann die heute mehr übersehen, weil 2 große Schilder den Ort zusätzlich markieren. Eines davon macht darauf aufmerksam, daß man sich in einem Trinkwasserschutzgebiet befinde und deshalb keinerlei Verunreinigungen der Höhle erlaubt seien. Ziemlich widersprüchlich dazu ist das, auf was man stößt, wenn man tatsächlich hineingeht, hinein in die Teufelsberghöhle A 115. Laut Kataster gibt es in der unmittelbaren Umgebung noch 2 Höhlen, das Teufelsloch und die Gentnerhöhle. Alle 3 wurden massiv vom Straßenbau im Jahre 1931 beeinflußt, d.h. unzugänglich bzw. teilweise zerstört. Früher soll das Teufelsloch als Rübenkeller benutzt worden sein.

Im Pegnitztal zwischen Pegnitz und Weidlwang
Der Kanonierfelsen in Weidlwang

Westlich von Pegnitz auf dem Wege Richtung Pottenstein - plötzlich ein Felsen mit einem Höhlenloch drin, unübersehbar

 

 

Literatur:

Cramer, Helmuth Aktive Ponorhöhlen im fränkischen Karst, Mitt. für Höhlen- und Karstforschung, 1932, S. 9ff
Huber, Fritz Jahreshefte für Karst- und Höhlenkunde, 8. Jahresheft - 1967, Die Höhlen des Karstgebietes A Königstein, München 1967
Kraus, Franz Höhlenkunde, Wien 1894
Lang, Stefan HÖHLEN IN FRANKEN - Ein Wanderführer in die Unterwelt der Hersbrucker Schweiz und des Oberpfälzer Jura, Verlag Hans Carl , Nürnberg 2002
Pfaudt, Ulrich (Hrsg.), Stoll-Tucker, Bettina Nacheiszeitliche Höhlennutzung am Beispiel des oberen Pegnitztales (Nördliche Frankenalb, 1997
Spöcker, R.G. Der Karst des oberen Pegnitzgebietes, Abhandlungen der Naturhistorischen Gesellschaft zu Nürnberg, XXV. Band Heft 1, Nürnberg 1935
Stoffels, Dieter und Rainer Bericht über die Höhlen im Wasserberg bei Pegnitz, Mitteilungen der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg 1/2-1984, S. 11ff.

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