Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen um Plech, Fränkische Alb



Plech, nicht Blech, ein kleiner Ort östlich der Autobahn Nürnberg - Berlin in der Hersbrucker Schweiz. Liegt inmitten einer typischen Kalkplateaulandschaft. Kleine Hügel, bewaldet, die heute oft wilde Felsagglomerationen überwuchert haben, und dazwischen, Wiesen und Felder. Nur selten eine Ortschaft.

Plech ist? War, für mich, irgend so eine menschliche Schöpfung auf dem Weg nach "Velden" oder "Neuhaus an der Pegnitz". Inzwischen ist das anders geworden. Die haben ein richtiges Labyrinth in ihrem Ort! Und einen schönen Osterbrunnen! Nicht weit vom Labyrinth am Gottvaterberg gibt einige alte Felsenkeller, die man wieder hergerichtet hat. Früher dienten sie als Lagerraum für Kartoffeln oder Rüben, als Bierkeller und in schwierigen Zeiten auch als Luftschutzräume. In den letzten Jahren soll es auch schon "Kellerfeste" dort gegeben haben. Angeblich wurden auch schon Fledermäuse in der Winterszeit dort gesichtet.

Felsenkeller am Gottvaterberg
2018

Die Ferienzeit machts möglich. Statt nach Bali, Kamtschatka oder den Südpol loszudüsen, habe ich einen Ferientag in der Fränkischen Alb verbracht. Zusammen mit Prof. Harald Kipke aus Nürnberg. Wir hatten uns auf Kefalonia kennengelernt. Ein Glücksfall, denn "Höhlen" sind einfach seine Leidenschaft. Wir trafen uns um 10 Uhr bei der Kirche in Plech und fuhren gleich los. Vor Jahren hatte er mit seiner Familie schon mal versucht, diesem Höhlenweg zu folgen, was aber damals nicht geklappt hatte. Wir hatten einfach Glück. Gleich beim Parkplatz hatte man einen hölzernen Wegweiser "Höhlenweg" an einen Baum geklopft. Danach ging es ziemlich lang einem Waldweg immer leicht ansteigend immer tiefer südwärts. Irgendwann tauchte schon die Sinnfrage auf. Führte dieser Weg wirklich irgendwohin, wohin wir eigentlich wollten. Zugegebenermaßen, wir hatten nur eine Wanderkarte dabei, sonst nichts. Der Trick bestand dann darin, mal nach rechts über eine freie Waldfläche zu schauen. Da war auf einmal wieder ein Höhlenwegschild, abseits vom Forstweg, wir folgten ihm, kamen an eine Waldlichtung, noch immer keine Höhle..........., bogen nach rechts ab, da, ein erster Hinweis: "Raumgrotte". Ausgetrampelt ging es bergan, holzschildbezeichnet, die Raumgrotte. Von da ging es weiter zum Großen Rohenloch, zur Saalburgrotte, am späten Nachmittag auch noch zur Fleischhöhle und zu den Fuchslöchern. Jeder kann diesem Weg ebenfalls folgen, seine Erlebnisse damit machen. Vielleicht brennen ihm dann auch die Beine, weil man durch Brennesselgestrüpp mußte mit kurzen Hosen und er/sie staunt über die kleinen Spinnen und deren Kokons an der Höhlendecke in einem versteckten Winkel hängen.

   
   
 
 
     
 
   

2018 habe ich wieder einmal das Große Rohenloch besucht, um auszuprobieren, was heute alles an photographischen Möglichkeiten in der Höhlenphotographie bestehen. Hier ein paar Beispiele:

  < Von Viehhofen her auf dem 
Weg ins Kupfertal
 

Neben der Straße von Plech nach Höfen gibt es links und rechts zwei Parkplätze. Von dort führen mehrere markierte Wanderwege in die Wälder. Einer davon leitet bergan, am Felsenloch vorbei, in Richtung Büchelberg. Dieses Felsenloch hat sich als bedeutende Begräbnishöhle herausgestellt. 1967/68 wurde sie von der Forschungsgruppe Höhle und Karst aus Nürnberg unter Anleitung von R.A. Maier vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege archäologisch untersucht. Man barg Skelettreste von 49 Menschen, wobei die ältesten Funde aus der Frühen Bronzezeit (1800 bis 1600 v.  Chr.) stammten. Außerdem konnte man Keramikgefäße und Bronzeschmuck aus der Bronzezeit und der Eisenzeit bergen. Im Archäologiemuseum Forchheim sind heute wesentliche Teile der Funde ausgestellt.
Um den Eingangsschacht ist heute ein massiver Zaun angebracht, damit niemand unabsichtlich hineinfallen könnte. Damit man einen besseren Blick in den Schacht hat, ist eine Leichtmetallbrücke darüber gebaut. Und auf zwei Schautafeln wird der Besucher über alles ausführlichst informiert, die mustergültige und aufwendige Erschließung einer leicht zugänglichen Höhle für die Öffenlichkeit.

Felsenloch bei Höfen

Südöstlich von Plech liegt das Geisloch bei Münzinghof. Sie gehörte im 17. und 18. Jahrhundert neben der Zoolithenhöhle zu den bekanntesten Höhlen der Fränkischen Alb. Ab 1910 war sie sogar als Schauhöhle geführt. Wegen ihrer Entlegenheit in einem Waldgebiet, das erst nach einiger Fußarbeit durchquert ist, hat sich das längst geändert. Ein markierter Wanderpfad führt vorbei, aber Aufmerksamkeit ist trotzdem gefordert, will man die Höhle tatsächlich finden.

Am Eingang geht es steil nach unten, aber alte Steinstufen stehen zur Verfügung. Dann heißt es sich kurz bücken, dann steht man schon in der "Küche". Die Wände sind schwarz vom Ruß früherer Fackelbesucher. So mancher von ihnen hat seinen Namen oder die Initialen an der Wand hinterlassen. Wer genau hinschaut, der sieht auch die frische Tropfsteinbildung an der Höhlendecke. Über einen Verbindungsgang kommt man in einen kleinen Raum mit vielen zertretenen Sinterbecken und später in die Seenhalle. Je nach Wasserstand kann der bis zu 35 qm einnehmen. Danach verzweigt sich die Höhle in die Dolinenstube und die Lehmkammer.

Bedeutsam war einmal die Nutzung des Höhlenlehms für Heilzwecke. Man preßte ihn auch in Tablettenform, versah in mit dem Nürnberger Stadtwappen und verkaufte ihn in Apotheken. Später soll er auch zur Qualitätsverbesserung des gebrauten Bieres verwendet worden sein.

 
 

Geht man von Münzinghof noch ein wenig südwärts, dann erreicht man das Ankatal. Sanft eingekerbt in die wellige Landschaft führt es hinunter bis in das Pegnitztal. Unterwegs kann der Wanderer links und rechts des Weges an den Talhängen einige schwarze Öffnungen ausmachen, die Zugang zu verschiedenen Höhlen vermitteln: der Hohle Fels, das Appenloch, die Appenberg-Grotten, die Andreaskirche, die Ankatalfelshöhle...

 
     
   
     
 
     
 
     
 
     
 
     
 
     
 

Etwas südlicher von der Region, in der die bisher angeführten Höhlen liegen, genauer bei Illafeld, gibt es eine weitere Höhle. In der Winterzeit sieht man sie als großes schwarzes Höhlenmaul schon im Wald des Holmbergs. Es besteht nur aus einem großräumigen Portal ohne Fortsetzung nach hinten. Kletterer haben hier ihr Dorado, Höhlenforscher zieht es hierher nicht, denn es gibt da ja nichts mehr zu erforschen. Sie sind auf "Neuland" aus - und das ist hier nicht zu holen. Für den Photographen lohnt es sich, in der Winterszeit hier vorbei zu schauen. Dann wachsen große Eisfiguren im Raum und vergehen auch gleich wieder, wenn das Wetter keine förderlichen Bedingungen mehr zur Verfügung stellt.

   

 


Literatur:

 

Huber, Fritz Jahreshefte für Karst- und Höhlenkunde, 8. Jahresheft - 1967, Die Höhlen des Karstgebietes A Königstein, München 1967
Lang, Stefan HÖHLEN IN FRANKEN - Ein Wanderführer in die Unterwelt der Hersbrucker Schweiz und des Oberpfälzer Jura, Verlag Hans Carl , Nürnberg 2002

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