Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Auf/In der Kuppenalb westlich von Velburg


Der "Oberpfälzer Jura", in dem Velburg liegt, hat zwei Landschaftsbilder. Die "Kuppenalb" und die "Flächenalb". Schaut  man sich um, sieht man sofort, daß hier der Typ der "Kuppenalb" vorliegt. Der Urspurng der Geländeform liegt im geologischen Aufbau des Untergrunds. Für die Geologen besteht er dort aus den "Dolomitgesteinen der Massenfazies, der meist dem Weißjura (Malm) delta und epsilon", und zeichnet dort ehemalige Riffkörper ab. Schwämme haben ein "sehr zartes Skelett aus Kieselsäurealgen und könnten alleine gar kein Riff bilden. Verschiedene Mikroorganismen, wie z.B. Cyanobakterien, die auf den toten Schwämmen leben und in ihren Schleimhüllen Kalk absondern", sind für Entstehung von Schwammriffen notwendig. In "Schabdach, Unterirdische Welten" gibt es eine ausführliche und klare Beschreibung der Vorgänge. In der Jurazeit dolomitisieren diese Schwammriffe und im Kalk wird Magnesium eingelagert. Gegen Ende der Jurazeit wurde der Meeresboden tektonisch gehoben und das Meer zog sich zurück. In der Unterkreidezeit war dieses Gestein dann in subtropischem und tropischem Klima einer intensiven Verkarstung ausgesetzt.In der Oberkreidezeit erfolgen neue Meeresvorstöße aus der Gegend von Landshut-Regensburg und Rückzüge des Wassers, die zu einer Plombierung der Landschaft mit Sand und Ton führt und schließlich zu einer Gegend mit flachem Gepräge aus dem dann die "Kuppen" noch herausschauen.

In denen finden wir bislang nur wenige, meist kleinere Höhlen. Deren Ausssehen ist natürlich durch das Gestein, in dem sie sich ausgebildet haben, geprägt. Sie sind, so schrieb einmal Helmuth Cramer; "ein organischer Bestandteil" dieser Karstlandschaft. "Im massigen, ungeschichteten Riffdolomit verwickeln primäre Gesteinslücken, Unterschiede in der Gesteinsbeschaffenheit, unregelmäßig geneigte Absonderungsflächen vielfach das Planbild der Höhlen." (S. 29). 

Westlich von Velburg liegt im Hohenberg eine kleine Horizontalhöhle, die Hohenberghöhle, in 555 m ü.NN. Sie ist im Geotopkataster Bayern erfaßt und so sind Informationen darüber über das Internet jederzeit einholbar. Eine kleine Fahrstraße zweigt von von der Straße 2220 zwischen Velburg und der Autobahnanschlußstelle auf den kleinen Berg ab, die zur Herz-Jesu-Kapelle und der angeschlossenen Einsiedelei ab. Viel mehr Menschen interessieren sich wohl dafür. Zur Höhle muß man einfach beim ersten Linksknick der Straße auf einem kleinen Parkfleck sein Fahrzeug stehen lassen und dem Waldrand entlang nach rechts ein paar Schritte gehen. In der kleine Felswand oberhalb ist der 10 m breite und 4 m hohen Höhleneingang leicht auszumachen. Weit kommt man nicht in den Berg hinein. Nach 10 m ist hinten gleich wieder Schluß. Wenn wenig zum Anschauen da ist, dann fällt einem sogar die winzige Versinterung in einer kleinen Deckenöffnung auf. Auch irgendwelche Tiere waren auszumachen, wozu natürlich auch Fledermäuse zählen würden, sozusagen eine "fledermausfreie Höhle", zumindest als ich sie besucht habe. Irgendwelche menschlichen Rückstände waren auch nirgends zu finden, nur zwei mit kräftigen Farben angemalte Felsbrocken am Boden. Im Grunde eine ideale Wohn- oder Zufluchtshöhle im Notfall.´

     
     

Der Eichelberg, 592 m hoch, liegt ganz in der Nähe des Hohenbergs, erreichbar ganz einfach, in dem man von der 2220 nach rechts abbiegt, genau da, wo die Umgehungsstraße von Velburg einbiegt. Ein kurzer horizontaler Spaziergang führt zu dem Felsgebiet am Osthangbereich der Kuppe, in dem sich der schon von weitem sichtbare Kellereingang in die Höhle öffnet. Ringsum in den Wänden dräuen noch mehr kleine Felsdächer und dunkle Öffnungen. 1988 hat da Ulf Gellwitzki einmal genauer nachgeschaut und mit großem Aufwand eine kleine neue Höhle erschlossen, die "Velburger Höhle". Die Ursache dafür war der starke kalte Luftzug, der bei geeigneter Wetterlage aus einigen Löchern kommt und der bei ansprechbaren Zeitgenossen das speläologische Neugierzentrum triggert.

Die Kellerhöhle wird mit der Bezeichnung F 36 als Böslkeller geführt, nachdem der Besitzer gewechselt hat. Früher hieß sie "Hahnwirtskeller". An einen 10 m langen, künstliche gemauerten Tunnel schließt sich jenseits einer großen Mauer aus groben Steinen eine Halle von 9-11 m Breite und 2-4,5 m Höhe und ein niedriger Felsengang von 9 m Länge an, der fallend bis zum tiefsten, verschwemmten Punkt hinabführt und nur kriechend zu begehen ist. 

 


Literatur:

Cramer, Helmuth Bau und Alter usnerer Ostmarkhöhlen, in: 400 Jahren Höhlenforschung in der Bayerischen Ostmark, Verlag Verkehrsamt der Gauleitung Bayerische Ostmark, Bayreuth 1935
Gellwicki, Ulf Die "Velburger Höhle", Gut Schluf 16-1989, 2-11
Schabdach, Hardy Unterirdische Welten - Höhlen der Fränkischen- und Hersbrucker-Schweiz, Ebermannstadt 2000

Links:

Speläologisches um Velburg.htm


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