Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle
Landschaft und Höhlen bei Erdbach-Breitscheid, Hessen
Mit dem Stand Mai 2008 weist die Liste der längsten und tiefsten deutschen Höhlen zwei Objekte in dieser Region auf:
| 11 | 10 | Herbstlabyrinth-Adventshöhle-System (H) | 5,500 | m | (+) | 5,300 |
und das
| 45 | 45 | Erdbachhöhlensystem (H) | (1.900) 1.797 | m | (+) |
Wo liegt es überhaupt? Ich gebe zu, ich wußte
das auch lange nicht. Erst eine Fahrt zum 2008er
Höhle-Religion-Psyche-Treffen bei der Dechenhöhle im
Sauerland am 1. Mai 2008 bot einmal die Gelegenheit, diesen
weißen Fleck auf der inneren Landkarte Deutschlands ein wenig zu
färben. Bei Herborn muß man von der Autobahn abbiegen. Auf der
Landkarte war zwar eine "Erdbachhöhle" eingetragen,
aber vergebens suchten wir irgendwelche Hinweisschilder, die uns
zu der angekündigten Schauhöhle führen würden.
Eigentlich hatten wir ja Hunger, weil es Mittagszeit war, aber
nirgends war eine Gaststätte auszumachen, wo wir was Gescheites
hätten essen können. Am Ende landeten wir auf dem Töpfermarkt
in Breitscheid, wo es sogar gegrilltes Fleisch und ein Bier aus
der Hand des Bürgermeisters gab! So etwas passiert einem nicht
jeden Tag.
Dem kundigen Auge taten sich unterwegs schon einige Hinweise auf.
Da gab es Wegschilder zu den "Steinkammern", gleich
neben der Straße öffnete sich ein großes künstliches Felsloch
mit einer großen Portaltür davor und am Rand von Breitscheid
war gleich neben der Straße ein Bach zu sehen, der auf einmal in
der Erde verschwand (Das war offenbar die "Schwinde C",
beschrieben als: "Schachthöhle mit 2 Direktschächten (25
m, 35 m) Wasserfall.... 1900 m GGL, -100m). Alles das fügte sich
dann zu einem Eindruck. Ein Karstwanderpfad verbindet die meisten
dieser Stationen und führt noch zu weiteren Plätzen.
Das Schauhöhlenerschließungsprojekt ist offenbar noch nicht so weit gediehen, daß nun die Besucher strömen. Es gibt zwar die künstliche Erdöffnung am Rande der Straße, aber die gesamte Infrastruktur fehlt noch. Wo will man in dieser noch ziemlich einen ziemlich "heilen" Eindruck machenden Gegend allein schon die Parkplätze unterbringen? Die frischen Wiesen in der Umgebung einfach zuteeren? Wird ja zur Genüge überall auf der Welt gemacht, auch hier? Irgendwo ist das ja auch eine "falsche" Idylle, denn überall lugen die Kalksteinbrüche hervor. Damit wurde und wird "Kohle" gemacht, aber halt nur einmal. Dann ist das Gestein hinweg. Läßt man Touristen herein, dann kann man wahrscheinlich länger davon leben. Allerdings sollte man dann den Kalk auch nicht mehr länger einfach sprengen und wegschaffen - der klassische Konflikt zwischen Steinbruchbetrieb und Höhlenschutz.
Die Steinkammern im Rolsbachtal scheinen sehr
bekannte und beliebte Höhlenobjekte zu sein, denn auch während
wir da waren, das waren wir alles andere als alleine. Hier saßen
zwei in einer mühsam erreichbaren Seitenkammer, da wurlte es von
unten, weil sich ein Vater mit seinen beiden Kindern gerade durch
den Durchgang mühte.
Bei dem Ausgrabungen im Jahre 1884 fand man Keramikfragmente aus
der Jungsteinzeit und der späten Bronzezeit, komplette Gefäße
aus der Hallstattzeit und der frühkeltischen Periode. In der
"Kleinen Steinkammer" fand man menschliche Knochen,
u.a. den Unterkiefer eines Kindes. Auch zwei Armknochen fand man,
an denen noch Bronzeringe steckten. Armreifen fand man und
Ohrringe, Glas- und Bernsteinperlen und einen eisernen Ring mit
eingefügten Bronzespiralen. Opfergaben?
Völlig irreführenderweise ist die "Kleine Steinkammer um
einiges länger als der "Große" Bruder. Die
"Kleine" besteht aus einer fast 10 m langen
Eingangskammer, von der zwei Fortsetzungen weiterführen. Nach
obenhin muß man in einen ehemaligen Bachtunnel hinaufklettern,
der wiederum etwa 10 m höher führt, eh er in einer engen Spalte
wieder zu Tage führt. Das zweite schmale Gang führt abwärts
durch ein ca. 15 m langes unschwieriges Gangerl auch wieder zu
Tage.
Von der "Großen Steinkammer" schrieb BECKER schon
1922, daß sich eine "ausführliche Beschreibung dieses
schon stark zerstörten Systems kaum lohnen dürfte". Nun,
an eine Nische von 5 m Tiefe und 2 m Breite schließt sich ein
horizontaler Gang an, der nach hinten "11m" bis zu
einer "auskeilenden Spalte" führt. Trotzdem, es ist
halt eine typische Höhle, unspektakulär, ein wenig Platz zum
Vorwärtskommen bietend, man kann sich an den Füßen dreckig
machen, weil der Bohn aufgeweichter Lehm ist..."
Literatur:
| Bauer, Gerd | Geheimnisvolles Hessen- Faken, Sagen und Magie |
| Steiner, Helmut | Zweiter Vorstoß in die Erdbachhöhle, Jahresbericht der Höhlenforschergruppe Rhein-Main, Heft 1984, Seite 66-69 |
| Krankl, Alois | Stand des Projektes "Erdbachhöhle Breitscheid" nach einem Jahr Grabungstätigkeit im Kleingrubenloch, Jahresbericht der Höhlenforschergruppe Rhein-Main, Heft 1984, Seite 104-106 |
| ohne Verfasserangabe | Hessen Südlicher Teil, Die Schwarzen Führer |
| Dorsten, Ingo, Hülsmann, Thomas | Das Herbstlabyrinth-Adventhöhlensystem, STALACTITE 58, 1, 2008, S. 3ff. |
| Schnitzspan, Anne | Vom Erdboden verschluckt - die Erdbachschwinde bei Erbach, in: Jahresbericht der Höhlenforschergruppe Rhein-Main 2001-2002, S. 132-135 |
| Dorsten, Ingo, Hüser, Anette, Hülsmann, Thomas | Neue Forschungsergebnisse aus dem Herbstlabyrinth-Adventhöhlensystem, Jahresbericht der Höhlenforschergruppe Rhein-Main 2003-2005, S. 159ff. |
| Dorsten, Ingo | Neue Wege beim Ausbau einer Schauhöhle, Der Fränkische Höhlenspiegel 56 - Oktober 2009, S. 42ff. |
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