Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Ortenberger Basalthöhle, Hessen


Im Herbst 1990 wurde größte Basalthöhle Europas in einem aktiven Basaltsteinbruch bei Ortenberg-Bergheim von Bernd Rühl, Mitglied der Speläologischen Arbeitsgruppe Hessen, für die Welt der Höhlenforscher entdeckt. Er war von einem Bekannten aufmerksam gemacht worden, daß man bei Sprengarbeiten auf eine "Blasenhöhle" gestoßen sei. Schon ein Jahr vorher war sie vom Betreiber des Steinbruchs, der Mitteldeutschen Hartsteinindustrie, angeschossen worden. Man hatte den Fund nicht der Naturschutzbehörde gemeldet und die ersten 5-6 m der Höhle waren schon dem Abbau zum Opfer gefallen.

Gleich darauf setzten intensive Bemühungen ein, ihren Schutz sicherzustellen. Die hessischen Höhlenforscher strengten sich an, der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher und die hessischen Naturschutzverbände. Im Dezember 1990 wurde sie einstweilig für ein Jahr unter Schutz gestellt. Diese Frist hätte verlängert werden können.

Es setzte ein nervenaufreibendes Hickhack mit sog. "Experten" und "Gegenexperten" ein. Geologieprofessoren wurden herangezogen und kamen dann zu Bemerkungen wie: "Wenn interessiert das schon?" "Solche Höhlen gibt es zu Hunderten auf Hawaii" - dabei ist Hawaii wesentlich jünger als der Vogelsberg. Ob es da Interessenkollisionen gab? Schließlich verdient sich von denen so mancher eiiniges an Geld mit Gutachten für diese Unternehmen. Besonders der damalige 2. Vorsitzende des deutschen Verbands der Höhlen- und Karstforscher, Bernd Krauthausen, machte sich sehr unbeliebt. "Für uns ist Krauthausen als 2. Vorsitzender eines Verbandes, zu dessen Zielen auch der Höhlenschutz gehört, nicht mehr tragbar. Die hessischen Höhlenforscher wurden von Krauthausen hintergangen und haben keinerlei Vertrauen mehr zu ihm." Erst betonte er die "Einmaligkeit dieses Naturphänomens", kurze Zeit darauf schwenkte er um, sprach davon, daß die Höhle in geologischen Zeiträumen einstürzen könnte, und das könne morgen sein oder auch erst in 10.000 Jahren. Erst hieß es, die Höhle habe ein Alter von 15 Millionen Jahren, dies wurde dann von einem Geologieprofessor in Zweifel gezogen. Ungarische Geologen, die sehr genau die Entstehung der Höhle studiert haben, kam in ihrem Gutachten schließlich zu dem Ergebnis, daß die Höhle "einzigartig" sei. Die Genese der Höhle sei eine Besonderheit, die man nirgends anders so studieren könne: "Ins aufgelockerte und ausgehöhlte unterlagernde Gestein drangen (holperten) sieben Basaltkeilblöcke mit unterschiedlicher Geschwindigkeit ein." Außerdem sind der See und der Siphon "interessante Glanzlichter".

Das Ende vom Lied: Das hessische Naturschutzministerium unter Jörg Jordan (SPD) gab die Höhle zum Abbau frei. Zufällig? fiel die Entscheidung noch vor dem Vorliegen des Höhlengutachtens aus Ungarn. Ahnte da jemand schon, was da Unangenehmes drin stehen hätte können?

Die Höhle bestand aus einem einzigen Raum. Die Gesamtlänge betrug 52 m, die durchschnittliche Breite 32 m. Der Höhlenboden fiel mit 30 bis 40 Grad Neigung steil nach Osten ab. Am Boden ist viel Blockschutt. Zwischen Höhlendecke und Höhlenboden waren im Durchschnitt 5 m, im nördlichen Bereich maximal 12 m. Das war sowohl volumenmäßig wie auch in Bezug auf die Grundfläche gesehen der größte Höhlenraum Hessens. In der Nordostecke lag ein See, der in einen röhrenförmigen Siphon mündete. Die 1. Vergangenheitsform ist wichtig. Die Höhle gibt es nicht mehr - das Gestein wurde zu Straßenschotte und ähnlichem verarbeitet.

Wieder so ein roher Akt der Armmachung unseres kleinen Heimatplaneten.

Bilder aus einem Ortenberger Steinbruch:

Höchst aufschlußreiche Informationen und Eindrücke von der Höhle liefert heute noch YOUTUBE. Dort sind einige Filme des Hessischen Rundfunks noch heute zugänglich, die die Höhle betreffen:

Basalthöhle Ortenberg Hessenschau 16.2.1991 - YouTube

▶ Basalthöhle Ortenberg Hessenschau 25.7.1991 - YouTube

▶ Basalthöhle Ortenberg Hessenschau 15.12.1992 - YouTube


Literatur:

Schreiber, Hannelore Die Basalthöhle bei Ortenberg, Jahresbericht der Höhlenforschergruppe Rhein-Main, 13,1991, Frankfurt a.M. 1992, S. 11-24
Eszterhas, Istvan, Bubics, Istvan Die Ortenberger Basalthöhle - Gutachten des Ungarischen Vulkanspeläologischen Kollektivs, Jahresbericht der Höhlenforschergruppe Rhein-Main, 15,1993, Frankfurt a.M. 1994, S. 13-33
Rühl, Bernd und andere Die Basalthöhle bei Ortenberg 5620/01 - Vorbericht zur Entdeckung und einstweiligen Sicherstellung, Jahresbericht der Höhlenforschergruppe Rhein-Main, 12,1990, Frankfurt a.M. 1991, S. 297-306

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