Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Grotta Palazzese
in Polignano a Mare, Apulien, I


Die Adriaküste Italiens ist nicht voller landschaftlicher Schönheiten. Oft ist sie ja heute zugebaut mit der überall gleichen Ferienarchitektur, so daß es fast egal ist, wo man sich gerade aufhält. Nur an wenigen Stellen hat die Natur etwas mehr Abwechslung gesorgt als nur die langen Sand- und Kiesstrände.

Bei Polignano a Mare zum Beispiel tritt auf einmal eine Kalkfelsküste für wenige Kilometer zum Vorschein. Der Ort ist direkt auf den Fels gebaut, wohl auch aus strategischen Gründen, weil dann von der Ostseite her, die dem Meer zugewendet ist, keine Angriffe zu erwarten warten. Lotrecht stürzen die Felsen ins Meer ab. Der beständigen Wellenarbeit sind wohl die großen Felsgrotten zu verdanken, die sich am Fuße öffnen.

Sie waren schon immer bekannt und deren Nutzung setzte schon vergleichsweise früh ein. Ein großer Festsaal wurde in ihnen angelegt, der schon seit Jahrhunderten für diesen Zweck genutzt wird. Heute ist die Höhle über ein kleines Hotel zugänglich. Wohl wegen des geringen allgemeinen Interesses ist sie kaum für die Öffentlichkeit geöffnet. Hauptsächlich abends, wenn das Restaurant geöffnet ist, kann man hinein.

Vom Hotel aus führt ein Treppenhaus in die Tiefe bis in die Höhle. Der Blick weitet sich vor einem, man spürt und hört das Meer, das unter einem hereinschäumt. Sowohl nach rechts als auch links ist es möglich, in erschlossene Felskammern zu gehen. Überall sind Tischchen und Stühle gedeckt, sind Tischlampen vorhanden, das ganze Interieur eines Restaurantbetriebs ist da. Auch eine kleine Küche ist in einen Raum gebaut. Ein etwas kitschiger Brunnen mit Hummerfiguren lugt aus einer Ecke heraus. Spektakulär ist der Blick hinunter auf das Innere der Felsenhöhle, die überraschend großräumig ist. Da kann man unter günstigen Witterungsbedingungen sogar mit dem Boot hineinfahren.

Stolz ist man dort auf seine Geschichte und die vielen Darstellungen und Erwähnungen der Höhle. So wird man als Besucher gleich darüber informiert, daß die Höhle schon bei Diderot in seiner Enzyklopädie erwähnt worden sei! Verlassen kann man die Anlage durch einen schmalen Treppenaufstieg, der zu einer schmalen verschlossenen Pforte führt, die einen mitten in der Altstadt wieder nach draußen entläßt.

Ein Ort, den man vor allem mal abends besuchen sollte, um die Atmosphäre des Restaurants nach am Meer mitzubekommen. Man könnt ja gleich in Hotel drüber auch übernachten!

Die enge Pforte in der Altstadt

- der alte Eingang zur Höhle

Das Grottenhotel

- ein bißchen blättert die Farbe schon

Blick auf Polignano mit der

Eingangsumgebung

Die Felsküste von Polignano

mit der Eingangsumgebung

Die Grotte liegt links in den Felsen

Literatur:

Vittorio, Verole, Bozzello Le Grotte d'Italia, Bonechi Editore, Firenze 1970

Links:

http://www.trullitour.com/deutsch/Polignano.htm

http://www.grottapalazzese.it/intro.swf

http://www.internetrestaurant.it/ristoranti/scheda.php?idristorante=974


Landschaft und Höhlen in Apulien


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