Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Höhlen und Landschaft am Ätna, I


Der Ätna ist der größte Vulkan Europas und 3300 Meter hoch. In seinen Flanken birgt er auch viele Höhlen, die auf erstaunlich umfangreiche Weise hier auch im Internet präsentiert werden, so daß das Gewinnen von Informationen darüber ziemlich einfach heute ist.

Wer einfach loszieht und in der Landschaft nach Höhlenöffnungen Umschau hält, der wird oft frustriert werden. Das gibt es immer wieder schwarze Portale, die aber meistens alle schon nach wenigen Metern wieder zu Ende sind. Das sind Auswitterungsnischen in der abwechselnden Schichtenlage von sehr hartem und eher brösligem Gestein. Aber es gibt schon richtige Lavahöhlen, die durch Erkaltungs- und den damit verbundenen Erstarrungsvorgängen bei Vulkanausbrüchen entstanden sind. Die sind dann manchmal nur wenige Jahre überhaupt alt.

Als wir im Juni 2006 auch einmal den Ätna besuchten, da versuchten wir zwar auch ein paar Höhlen aufzusuchen, aber es blieb ziemlich beim Versuch, weil man da viel mehr Zeit investieren müßte. Auf eine Höhle stieß ich mehr durch Zufall. Es handelt sich um die Höhle mit der Katasternummer Si CT 138. Sie liegt in dem Gelände des "Santuario della Madonna di Mompilieri bei Nicolosi. In "Grotte Vulcanice di Sicilia" heißt es, daß die Höhle künstlich geschaffen worden sei. Ich weiß nicht ob das stimmt, sie wirkte jedenfalls ziemlich natürlich. Sie sei im Jahre 1700 gegraben worden, um eine Marienstatue zu bergen, die von dem Vulkanausbruch 1669 erfaßt worden war. Man hat sich viel Mühe hier gemacht, um eine kleine Kulthöhle gleich neben der normalen Kirche zu haben.
Als wir drei morgens dort ankamen, war alles verschlossen. Über die verschlossenen Gitter wollte ich auch nicht gerade klettern, so suchte ich einen Hintereingang. Noch heute ist dort ein wild belassenes Gebiet vorhanden, wo wohl einmal zu Lava zum Halten gekommen ist und eine ziemlich unzugängliche Oberfläche zurückgelassen hat. Da habe ich mich durchgewühlt und stand dann auf einmal an der unverschlossenen Seite des Santuario. Ein paar Schritte weiter und ich stand wieder in der Zivilisation. In einer kleinen Lavanische hat man eine Höhlenkrippe untergebracht. Noch ein paar Schritte weiter und ich stand am Rande eines ausgemauerten Schachts in den Treppen hinunterführten. Ein auffallender großer Eingang mit einem Steinportal kann mit einem Gitter schlossen werden, aber das stand offen. Die Treppe ist zweigeteilt, so daß wohl manchmal auf der einen Seite der Strom der Pilger hinein führt und auf der anderen Seite wieder heraus. Die Treppe winkelt ab und mündet direkt in den Lavahöhlenraum. An alles ist gedacht. Sogar ein Lichtschalter ist da, so daß man dann auch was sieht. Die fast schwarzen Wände schlucken aber das Licht. Es ist sogar ein kleiner Altar in dem niederen Raum. Ein Dutzend Menschen kann sich hier leicht auf einmal aufhalten.

Das Santuario

Die Felsenkrippe

Gleich bei der Talstation der Seilbahn Richtung Gipfel sahen wir aus der Gondel auch ein längliches schwarzes Loch. Als wir es dem Abstieg erkundeten, da stellte sich leider heraus, daß es sich dabei leider nur um eine Art Felsdach handelte, das aber gleich genutzt worden war von den Betreiben der Anlagen. Sie haben haben dort einige Maschinen wettersicherer untergebracht.

Es gibt eine Menge von bekannten Höhlen am Ätna, zu denen auch Wanderwege führen und die leicht erreichbar sind: die Grotta delle Palombe, Grotta dei Tre Livelli, die Grotta del Lamponi, die Grotta del Gelo (eine Eishöhle) und so weiter. Ein umfangreicher Kataster der Höhlen ist im Internet abrufbar. Als längstes Höhlensystem gilt heute das der Grotte Monte Nero - Profondo Lavico, das mit einem 50-m-Direktschacht beginnt. Das höhlenbildende Gestein kam beim Ausbruch im Jahre 1923 zu Tage. Die Gesamtganglänge ist etwa 2 km.


Blicke Richtung Gipfel
Beim Rifugio Sapienza

dem Ausgangspunkt der Seilbahn Richtung Gipfel


Blick aus der Seilbahngondel

Weiter mit dem Allradbus

Es dampft auch hier aus der Erde
 
Ein Höhleneingang gleich bei der Talstation
der Seilbahn
 
Steckt der Teufel nicht im Detail, sondern im Ätna?

 

Literatur:

Licitra, Giuseppe M. L'ETNA E LE SUE GROTTE, Speleologia 13-1985 p24ff
Corsaro, Rosanna, Giudice, Gaetano Quasi record ai "Tre Livelli", Speleologia 24, 1991, p 56ff
Club Alpino Italiano - Sezione dell' Etna, Gruppo Grotte Catania Grotte Vulcaniche di Sicilia, Catania 1975
Gobetti, Andrea L'Italia in Grotta, Roma 1991q
Barone, Nicola, Santi, Giancarlo Etna, grotte, viaggiatori e leggende, Speleologia 56, 2007, S. 44ff.
Giudice, Gaetano, Privitera, A. Giuffrida Speleologia dell'effimero, Speleologia 58, 2008, S. 10ff.
Brunelli, Fabio, Scammacca, Blasco Grotte Vulcaniche Di Sicilia, Catania 1975
Gratzl, Karl (Hrsg.) Ätna, der höchste Vulkan Europas, Weishaupt Verlag, Gnas 2012

Links:

 


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