Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Königshöhle im Skuleberg / Schweden

- Kungagrottan i Skuleberget


Wer in Schweden Höhlen besuchen will, der muß sich meistens sehr umstellen. Den üblichen Karstformenschatz kann man da normalerweise nicht wiederfinden. Dafür gibt es Eigenes, uns ziemlich Fremdes, in Granit und Gneis zum Beispiel.

Eine sehr bekannte Höhle, weil leicht erreichbar und für den Tourismus erschlossen, ist die Königshöhle im Skuleberg. Der liegt 37 km SW von Oernskoeldsvik in Mittelschweden. Mit einer 200 m hohen steilen Wand fällt er ab. Mittendrin liegt eine schwarze Öffnung, die, so Tell, "von unten wie ein Vogelnest aussieht". Das Innere der Höhle vergleicht er mit dem "kleinen Kirchenchor 4 m hoch, breit und tief mit sehr glatt geschliffenen Wänden". Eine bezaubernde Aussicht hat man von dort oben "über das Baltische Meer und die schönen Inseln".

 

 

 

 

Die Höhle hat eine ungewöhnlich reiche Geschichte. 1732, genauer am 20. Mai dieses Jahres, besuchte Carl von Linne auf seinem Weg nach Lappland die Gegend und kletterte zum Eingang hoch. Den steilen Aufstieg beschrieb er in einer uns heute noch überlieferten Beschreibung.
Auch von König Karl XI wird berichtet, daß er die Höhle besuchen wollte. Allerdings erreichte er sie nie, weil ihm der Weg zu schlecht war. Immerhin bekam sie aber nach ihm den Namen "Königshöhle".
Die Höhle soll auch der perfekte Aufenthaltsort für Räuber und andere Kriminelle gewesen sein, die vom Meer aus hier anlandeten. Ein Anführer der Räuber soll ein ehemaliger Priester der umliegenden Ortschaften gewesen sein. Überfallen wurden nicht die Bewohner der Dörfer, sondern die Reisenden auf den Straßen.
Erst unter Karl XII soll diesen Straßenräubern "das Handwerk gelegt" worden sein.

Das schwedische Wort "skule" stammt von einem Wort, das "Versteck" bedeutet, was auf die Räubergeschichten Bezug nimmt.

Die früheste schriftliche Erwähnung der Höhle stammt von Olaus Magnus immerhin schon aus der Zeit um 1500.

(Übersetzung der Beschreibung aus WESTERDAHL von Ingrid Maaßdorf)

Literatur:

Sjöberg, Rabbe GROTTOR NOLASKOGS OCH I SKULESKOGEN, Svenska grottor nr 6, 1984
Westerdahl, Christer KULTURHISTORIA OCH GROTTOR; Svenska grottor nr 5, 1977
Tell, Leander Die Höhlentypen Schwedens, xx, S. 6ff.

 


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