Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Torghatten

- Warf dort ein Gott seinen Hut?


"When you are in Rome, do as the Romans do." Wieder einmal drückt die englische Sprache etwas auf unübertreffliche Weise aus. Ich hatte immer "Thorgatten" geschrieben, um ein einmaliges Naturphänomen in Norwegen zu bezeichnen. Jetzt wurde ich von Leif Sverre Johansen, der nur 3 km von diesem "Naturwunder" entfernt lebt, aufgeklärt, daß es eigentlich so wie jetzt in der Überschrift heißt - das "h" wandert also nun von der Stelle hinter dem T hinter das g. (23-08-2002)


Hurtigrouten, Norwegens klassische Schiffahrtslinie, die in 11 Tagen 2500 Seemeilen zurücklegt und die Fahrgäste von Bergen im Süden bis Kirkenes ganz im Norden bringt, macht heute in Deutschland Werbung auch mit einem Foto für sich, das einen echten "Höhlenklassiker" zeigt, die Höhle von Torghatten. Sie ist nun ganz sicher kein "Geheimtip", weil das "Loch" zu auffällig ist - man sieht im richtigen Augenblick geradeaus durch den Berg hindurch den Himmel drüben wieder.

So außergewöhnlich dieses Erlebnis ist, so stark sind auch die Momente, wenn man selber durch diesen Riesentunnel geht. Das ist ganz leicht und ein Pfad macht es noch einmal einfacher. Gewaltig sind die Dimensionen, die man hier mitbekommt. Als Menschlein ist man da ganz klein. "You can really get a sense of man's inferiority to nature, when you walk through the hole", heißt es in einem Internettext darüber. Ein heilsamer Ort also, wo der Mensch auf seine wahre Größe geschrumpft wird, egal, wo er nun in der Gesellschaft steht, oben oder unten, am Anfang oder mehr dem Ende zu.

Die Dimension der alten Brandungshöhle im Gneisgestein wird mit 160 m Länge, einer Breite zwischen 15 und 20 Metern und einer Höhe bis zu 35 Metern angegeben.

Es gibt eine eigene Legende über die Höhle. Sie sei das steingewordene Zeugnis eines Vorkommnisses das passierte, als gerade die Sonne heraufzog. Ein junger Mann, Hestmannen, der Reiter, ungehorsam seinem Vater Vagakallen gegenüber, hatte wohl die Liebe entdeckt. Ihm war Lekamoyen aufgefallen, eine Frau, bei der sich die sieben Töchter seines Nachbarn, dem König von Sulitjelma, aufhielten.

Hestmannen hatte die Damen beim Baden beobachtet, wohl erst heimlich, dann aber wohl deutlicher wahrnehmbar, was wohl kein Wunder war, da er doch, so die Legende, in voller Rüstung, mit großem Schweif auf dem Helm und einem weiten Mantel über der Schulter, den Damen nachstellte. Sie flohen zwar, aber schließlich ergaben sie sich alle, bis auf eine, die Ausgewählte. Die wurde weiter gejagt, aber es half nichts. Zuletzt, so wenigstens die Geschichte, kurz vor Sonnenaufgang, holte der junge Mann einen Pfeil aus dem Köcher und zielte auf die Frau. Der Pfeil war schon unterwegs, da passierte es. Aus der Ferne hatte der König von Somna, der das Geschehen beobachtet hatte, und schritt im letzten Moment ein. Einen Hut warf er in die Bahn des Pfeils, der sich dort hineinbohrte und ein unübersehbares Loch darin hinterließ, aber die Frau wurde dadurch errettet. Was haben sich doch unsere Vorfahren für wunderbare Geschichten ausgedacht, um die Welt zu erklären.

Heute schauen sie nur noch auf den DAX oder sonst etwas. Erklären können sie damit auch nicht viel, vielleicht, ob sie heute selber die Zeche zahlen müssen oder ein anderer.

 

Literatur:

St. Pierre, David A preliminary bibliography of Torghatten cave, Norway, Norsk Grotteblad nr.29, Dezember 1994,: 18-19
Quast-Stein, Sieglinde Torghatten - Besuch eines Postkartenmotivs, Jahresbericht der Höhlenforschergruppe Rhein-Main 2003-2005, S. 235-237

 


Links:

http://www.reuber-norwegen.de/Rv17InfoTorghatten.html


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