Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Der Wasserstollen bei Elkofen, Bayern


Südlich der B 304 von München Richtung Wasserburg, zwischen Kirchseeon und Ebersberg, muß man abbiegen und Richtung Elkofen und weiter Richtung Eisendorf fahren. Irgendwo dazwischen liegt der Eingang in den Wasserstollen. Er entwässert eine schüsselförmige Vertiefung in der Landschaft. Irgendwann haben fleißige Hände einen Tunnel geschaffen, ihn teilweise auch wieder ausgemauert, ein paar kleine Seitenkammern aufgemacht, dann war auf der anderen Hangseite das Ende erreicht. Das Wasser fließt auf der anderen Seite steiler abwärts, durchquert die Bahntrasse und vereinigt sich danach mit dem nächsten Bach.

Den Stollen zu durchqueren ist nicht unbedingt eine reine Freude. Das Wasser stinkt und ist verunreinigt, was man an der gräulichen Farbe sehen kann. Den Kontakt mit ihm muß man nicht unbedingt suchen, ist auch nicht wirklich notwendig, wenn man Gummistiefel an hat. Kinder tun sich leichter mit der Durchquerung, denn deren kürzerer Wuchs kommt ihnen da sehr entgegen. Wir Erwachsenen müssen uns schon sehr mehr bücken und die langen gemauerten Strecken von meistens etwa einem Meter Höhe und gerade Körperbreite sind schon mühsam zu durchqueren. Ein plötzliches Umkehren, falls einen Platzangst überkommt, wäre kaum möglich. Da muß man schon bis zur nächsten Erweiterung vorwärts wandern, dann wäre ein solches Unterfangen schon möglich.

Schnurgerade geht es nicht durch den Berg, eher ein wenig hin und her, wie wohl gerade die Geologie es zuließ.

Wer selber den Stollen durchmißt und sein Erlebnis mit den folgenden Bildern nachher vergleicht, der kommt wohl zu einem ähnlichen Ergebnis: Die Bilder zeigen die Unterwelt auf eine Weise, wie sie, wenn selber vor Ort ist, einem nicht erscheint. Ein wenig Zauber und Kunst steckt schon in ihnen.

Ein Erdstall ist dieser Zweckbau sicherlich nicht. Ein einziger kurzer, abzweigender Kriechgang geht in die Gedankenrichtung eines "Erdstalls", aber dazu gehört schon noch viel mehr.

 
     
 
     
 
     
 
     
 
     
 

Literatur:

Hirschlach, Johannes Die Seeräuber, Süddeutsche Zeitung, Ebersberg, 2. Dezember 2016

Links:

Wo gibt es Erdställe und  andere Bauwerke, bei denen man sich frägt, ob sie nicht für einen ähnlichen Zweck geschaffen wurden?


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