Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Eigentum und Höhle

 


"Alles in dieser Welt, von dem du denkst, es gehört dir, ist nicht wirklich deins, sagt Zeidi. Es kann dir jeden Augenblick genommen werden." Feldman, Unorthodox 88


Malachitdom


Jedesmal wenn ich wieder ein Photographierverbot bei einer Höhle sehe, dann frage ich mich, wieso irgendjemand auf dieser Erde das RECHT haben soll, einem anderen Menschen zu verbieten, ein Stück Natur zu photographieren. Gemeinhin wird das damit begründet, daß es Privateigentum sei, und der Eigentümer damit tun und lassen kann, was er will. In noch höherem Maße gilt das für das Besuchsverbot für eine Höhle, weil sie auf "Privatgelände" liege. 

Längst ist der Satz schon gesprochen worden, daß "Eigentum Diebstahl" sei - von Proudhon. Unser Grundgesetz garantiert zwar das Privateigentum, fügt allerdings hinzu, daß sein Gebrauch auch der Allgemeinheit zu dienen habe. Da ist halt die Frage, ob etwa solche Verbote dem entsprechen oder nicht.

In dem 2021 erschienenen Buche "Mehr Nichts", nach der Coronapandemie erschienen, werden wieder einmal die alten Fragen gestellt: "Warum soll ein Mensch ein Stück der Erde besitzen können? Würde es nicht reichen, zwar Wohnraum besitzen zu können, nicht aber den Grund, auf dem er steht? Ist die Erde nicht für alle da? Wie kann einem Einzelnen die Erde gehören (und sei es auch nur ein Stück davon)? Rein rechnerisch, wenn jeder Mensch für sich beanspruchen würde, ein Stück erschlossene und bewohnbare Erde zu besitzen, wie viel Platz bliebe dann noch für den Einzelnen?"

Nach römischem Recht besitzt jemand effektiv nur das, "was er legal erworden hat". Im Recht der Wikinger heißt es: "Du besitzt effektiv nur das, "was du auch beschützen kannst". (Morison 38). Alles Übrige gehört defacto dem, der stark und listig genug ist, es sich zu nehmen. So eine kritische Situation habe ich einmal in einer neuseeländischen Höhle mitgemacht, wo sie unmittelbar vor dem Kippen gewesen ist......

Wird fortgesetzt.....

 

Ein Gegenmodell zum "Privateigentum": die Isola delle Femmine vor Palermo im Mittelmeer / gemeinsam eine Insel kaufen und ein Zeichen setzen: "Die gemeinschaftliche Aneignung der Insel durch Tausende von Frauen sei ein Akt der Rebellion gegen Exklusivrechte an ihr..." Diehl, Reines Kunstwerk 126

   

 

 


Literatur:

Diehl Ute (2020): Reines Kunstwerk - Vier Künstlerinnen suchen 350 000 andere Frauen, die mit ihnen eine kleine Insel vor Palermo kaufen, art Mai 2020, S. 126

Esch Prof. Dr. Tobias (2021): Mehr Nichts! Warum wir weniger vom Mehr brauchen, Goldmann, München 

Feldmann Deborah (2020): Unorthodox, Simon & Schuster, New York 

Morizot, Baptiste (2018): Philosophie der Wildnis – oder – die Kunst, vom Weg abzukommen, Reclam, Stuttgart

Links:

https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/eigentum-35391

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