Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Krieg und Höhle


Darstellung aus der Süddeutschen Zeitung vom Krieg in Indochina, ca. 2000


Ein Blick auf die Schattenseite der Menschheit, bei dem man sich eigentlich nur abwenden kann. Menschen als größte Bestien, nicht irgendwelche "Drachen", "Riesen" oder "Räuber", die sich in dieser Perspektive als reine "Schattenprojektionen" des Menschen entlarven. Ein wichtiges Thema für ein künftiges HÖREPSY.


 

Aus: Kurdistan-Rundbrief, Nr. 11, Jg. 12, 2.6.1999


_Tuerkische Armee setzte Giftgas gegen die kurdische Guerilla ein_
_20 Tote_

_Proteste und Forderung nach internationaler Untersuchung_

Die tuerkische Armee hat Mitte Mai gegen eine Einheit der kurdischen
Guerilla, die sich in einer Hoehle gegen Angriffe verteidigte, massiv
Giftgas eingesetzt, 20 Guerillas sollen dabei ums Leben gekommen sein.
Unmittelbar vor Redaktionsschluss sah es so aus, als werde eine
internationale Delegation demnaechst von der ARGK die Beweise fuer den
Giftgaseinsatz erhalten koennen. Hier die ersten Berichte und
Reaktionen auf den Giftgaseinsatz.

*

_Die Presseerklaerung der ARGK vom 18. Mai 1999 (englische Fassung,_
_verbreitet durch DEM, eig. Uebersetzung)_

Eine Einheit der Kurdischen Nationalen Befreiungsarmee ARGK wurde
waehrend der Rast in einer Hoehle in Balikaya nahe Sirnak von der
tuerkischen Armee eingekreist. Auf den Aufruf der tuerkischen Armee hin,
sich zu ergeben, eroeffneten die Guerillas das Feuer und leisteten
Widerstand.

Als die Guerillas das Feuer zu ihrer Verteidigung eroeffneten,
antwortete die tuerkische Armee, indem sie die Hoehle mit Raketen mit
chemischen Sprengkoepfen beschoss. Nach der Erklaerung der ARGK sind die
Leichen der Guerillas bis zur Unkenntlichkeit zerstoert.

Die Erklaerung der ARGK stellt auch fest, dass Einheiten der tuerkischen
Armee am 10. Mai zwischen dem Gebiet Bilakaya und dem Tal Hezil im
Cudi-Gebirge eine Offensive gegen ARGK-Guerillas begannen. Dabei kamen
sowohl Bodentruppen wie Luftwaffe zum Einsatz. Am zweiten Tag dieser
Operation verlor die tuerkische Armee auf dem Huegel Kele Kolyan 12
Soldaten. Nach den Angaben der ARGK lautete der Name eines der
getoeteten Soldaten Vedat. Waehrend des zweistuendigen Gefechts erlitt
auch ein Cobra-Hubschrauber einen Treffer, es wird vermutet, dass die
beiden Piloten dabei verletzt wurden. Waehrend dieser Gefechte verlor
die ARGK einen ihrer Kommandeure mit Namen Ciya.

Am dritten Tag der Belagerung feuerten die tuerkischen Armeeeinheiten
Gasbomben in die Hoehle. Waehrend der anfaenglichen Gefechte verlor eine
Guerillakaempferin ihr Leben, es wird vermutet, dass mehrere tuerkische
Soldaten dabei getoetet wurden. Spaeter wurde ueber Funk mitgehoert, dass
die tuerkische Armee ankuendigte, ein chemisches Gas einzusetzen.
Ungefaehr um 9 Uhr morgens feuerte die tuerkische Armee dann mit
Raketen, die mit chemischen Waffen bestueckt waren, auf die Hoehle. Die
genaue Sorte des benutzten Gases ist noch nicht identifiziert. Als
Ergebnis des Giftgasbeschusses verloren die 20 Guerillas, die in der
Hoehle zu diesem Zeitpunkt noch Widerstand leisteten, ihr Leben.

*

_Die Leichname der gefallenen Guerillas wurden zerstuemmelt_

Einen Tag nach dem Giftgaseinsatz drang die tuerkische Armee in die
Hoehe ein. Tuerkische Soldaten zerstuemmelten die Leichname der
ARGK-Guerillas. Nach der Erklaerung der ARGK wurde der Funkverkehr der
tuerkischen Soldaten abgehoert, dabei war zu hoeren: "Sie sind erledigt."
Dann schafften sie die Leichname aus der Hoehle. Die Soldaten erhielten
dann den Befehl, die Leichname so zu verstuemmeln, dass kein Beweis fuer
den Einsatz von Giftgas gefunden werden koenne.

*

Western Europe<BR>
<BR>
Anonymous<BR>
[Wed 24 Oct, 12:07]<BR>
PST (Gumly Gumly -17)<BR>
caves - (0 replies)<BR>
------------------------------------------------------------------------<BR>
AFGHANISTAN'S rugged terrain is honeycombed with tunnels and caves, <BR>
thousands of them concentrated in the north. They are cut into the <BR>
Hindu Kush mountains, canyons gouged out of limestone and soft rock <BR>
by torrents of snowmelt. The mouths of these caves are almost <BR>
impossible to see.<BR>
In the arid southeast, Pakhtiar, sandstone foothills are laced with <BR>
irrigation tunnels excavated over a thousand years ago, once used by <BR>
Afghans to fight and hide from invaders like Genghis Khan and the <BR>
Russians.<BR>
Now Osama bin Laden is believed to be hiding underground, too. Some <BR>
of the caves are not just hiding holes, they are big enough to drive <BR>
a vehicle inside, drop supplies in a chamber, and then just drive <BR>
straight out again.<BR>
Ali Jalali, a former Afghan army colonel, remembers one assault on a <BR>
huge cave complex by thousands of crack Russian troops in the 1980s. <BR>
The cave network had stores, a mosque and even a hotel.<BR>
"That system was under attack for 57 days," says Jalali. "Only ground <BR>
action of several formations, divisions, succeeded to occupy those <BR>
caves."<BR>
Three years ago, Pakistani journalist Hamid Mir was blindfolded and <BR>
taken to meet bin Laden in one of his underground hideouts.<BR>
"There were some carpets inside, some pillows," says Mir. "There was <BR>
a bookshelf. Then I saw a television and video."<BR>
Some of bin Laden's caves are reported to be multi-storied, even <BR>
generating their own electricity.<BR>
"They are full of munitions, they have places to sleep, some of them <BR>
are steel-lined and they are quite large affairs," says geologist <BR>
Jack Shroder.<BR>
So how do American soldiers clear bin Laden and al-Qaida from these caves?<BR>
maybe pumping in biological weapons that will kill everything inside.<BR>
<BR>
<BR>

  "Bosnian officials have found a mass grave that might contain up to 300 bodies, Bosnian TV reported on Monday.
The grave is located in a moss-filled cave near the hamlet of Hrgar in northwest Bosnia.
...So far, ten bodies have been recovered, some with socks and shoes dangling from the corpses. Many of the remains still had identification cards in their pockets.
U.N. investigators said the bodies, which are believed to be those of Muslims and Croats, are mixed with animal carcasses, car tires and trash in a 280-foot-deep pit.
That's making the recovery slow and difficult, said Adem Jakupovic, a Bosnian judge. Investigators are using cranes to remove the trash and then will start digging with their hands...

USA TODAY 3 September 1997, 10A

 


Weitere Höhlen, die mit "Krieg" zusammenhängen:

Tham Doun Laos   Benützt während des Vietnamkriegs als Luftschutzraum
Tham Pha Kouang Laos   Benutzt als Schutzraum und Waffenlager
Eine amerikanische Bombe verwüstete den Eingangsbereich
Vieng Xai Cave City Laos   Benutzt von den Pathet Lao als Versteck, Hauptquartier und Rückzugsort
Mo So Cave Vietnam   Hauptquartier des Kien Luong Distriktparteikommitees während des Vietnamkriegs
Grotte de la Reine Hortense New Caledonia   Zeitweiser Fluchtort während Stammesunruhen im Jahre 1855 der Königin Hortense
Damawewe Papua New Guinea   Fluchtort für die Bewohner der nahen Stadt Yane Yanene im 2. Weltkrieg
La Gran Caverna de Santo Tomás Kuba   Nutzung der geräumigen Höhle durch das Militär während des Kalten Krieges
Bukilat Cave Philippinen   Nutzung als Schutzraum vor Angriffen der Japaner während des 2. Weltkriegs
Macahambus Cave Philippinen   Schauplatz der Schlacht am Macahambus Hill im Jahre 1900, wo sich erstmals die Philippiner erfolgreich gegen die amerikanischen Besatzer durchsetzten
Gossidong Gul Südkorea   Unterschlupf der Go-Familie während ihres Kampfes gegen die Japaner nach deren Besetzung von Korea
Yongyeon Cave Südkorea   In der Höhle soll sich die Menschen vor den ins Land eingedrungenen Japanern versteckt haben, belegt durch ein Graffiti aus dem Jahre 1592
Huda Jama Slowenien   Am Ende des 2. Weltkriegs wurden 200 bis 300 Menschen, wohl Nazikollaborateure aus Slowenien und Kroatien, dort mit Gas umgebracht und eingemauert, Fund der mumifizierten Leichen 2009 durch Historiker
House-in-the-Cliff, Porthcunro, Cornwall Großbritannien   Haus in einen kleine Brandungshöhle gebaut, vermutlich während des 2. Weltkriegs, in der Umgebung weitere Verteidigungsanlagen
Balver Höhle, Sauerland D   Anlegung eines Rüstungsbetriebs in der Höhle, sollte deshalb 1947 gesprengt werden
Alte Höhle, Sauerland D   Hauptgang dient im 2. Weltkrieg als Luftschutzkeller
Titova pecina Bosnien   Titos Hauptquartier befand sich in der Höhle, das 1945 von deutschen Kräften angegriffen wurde, um ihn und führende Militärs auszuschalten
Grotte de Vengleuz Coz und andere, Normandie F   Unterstand der Ortsbevölkerung während der Bombardements des 2. Weltkriegs
Aven du Rouet, causse de l'Hortus F   Schacht wurde zur Entsorgung mit unliebsam gewordenen Waffen benutzt, Taucher entdeckten ein deutsches Sturmgewehr STG 44, einen Karabiner Typ USM1
grotta di Ouvrea     http://ricerca.repubblica.it/repubblica/archivio/repubblica/1988/05/08/silenzio-la-francia-decide.html
grottes aux Fées CH   Von der Schweizer Armee wurde die Grotte als Verbindungsstollen der beiden Festungen Cindey und Scex im Wallis gebraucht. Ein Abzweiger aus dem Hauptgang, die Totengalerie, wurde künstlich verlängert.
Grotte des Ouled Ben Dahmane Algerien   Höhle bei Lakhdaraia, die Schauplatz des Todes von 46 Menschen wurde. Französische Truppen verfolgten algerische Freiheitskämpfer, heute heißen sie Moudjahidin, die sich in den innersten Teil der Höhle zurückgezogen hatten. Sie warfen Tränengas- und Gasgranaten, worauf alle starben.
Tham Pathik Laos   Hauptquartier der Pathet Lao während des Krieges
Haikong Cave China   Chongquing, Wansheng Distrikt
Höhle wurde von den Kuomintang als geheime Flugzeugfabrik genutzt. 
Höhle auf Vis Kroatien   Tito von 1944 Höhle auf der Insel Vis, Kroatien, Vis Riviera Holiday Guide
  Ukraine   No Place On Earth - Movie Trailers - iTunes / No Place on Earth - Kein Platz zum Leben - Film 2012 - FILMSTARTS.de
Grotte Pathétique F   Umkämpfte Höhle am Pas de l'Aiguille, die Widerstandskämpfern für 3 Tage im Juli 1944 am Unterstand diente
Franzosenloch, Bürgenstock Schweiz   "Auf dem Bürgenstock sollen sich, wie historische Quellen berichten, die Flüchtenden in Höhlen verborgen haben, die teils tief ins Erdinnere führten und so eng und labyrinthisch waren, dass von Erkundungen auf eigene Faust heute strikt abgeraten wird. Eine trägt bis heute den Namen Franzosenhöhle." Piatti, S. 213

 

Aus einer französischen Höhlenforscherzeitschrift / Das Thema Soldat und Höhlenforscher in Ausrüstung humorvoll-bissig aufgreifend

 

 

 


Literatur:

Barrie, Alexander War Underground. The tunnellers of the Great War. Muller, 1962, reprinted Tom Donovan, 1990
Boinet, Nathanael, Vasseur, Frank Aven du Rouet - Le cénote du Montpelliérais, Spelunca 113, 2009, S. 20ff.
Courbon, Paul Grottes refuges, SPELUNCA 119-2010, p 18-24
Gherlizza, Franco, Radacich, Maurizio Grotte della Grande Guerra, Trieste 2005
Hadingham, Evan Kampfkunst - In den Höhlen der Westfront, National Geographic August 2014, S. 124ff.
Kalouaz, Ahmed Jusqu'à la grotte de la Luire - Résistants dans le Vercors, Oskar éditions, 2010
Katz, Robert Mord in Rom, München 1968
Mangold, Tom, Penycate, John The Tunnels of Cu Chi. Pan, 1985
Marianelli, Giampaolo Corfino & Soraggio, Speleologia 60 - 2009, S. 36ff
Müller, Annika Der Wilde Westen Kataloniens, DAV Panorama 1/2014, S.34ff.
Noel, Sebastien, Stevens, Luc L'Enfumage des Grottes du Dahra pendant la résistance algérienne suos Abd el-Kader (1832-1847), Regards/ 24 1996, S. 11f.
ohne Verfasserangabe Titova pecina, in: The Speleo Stamp Collector 19-1985
Piatti, Barbara Es lächelt der See - Literarische Wanderungen in der Zentralschweiz, Zürich 2013
Schoßleitner, Karl Auf Deutscher Heimaterde in Fliegerhöhen und Höhlentiefen, Anton-Post-Verlag, Salzburg 1937
Strittmatter, Kai Die Sprache der Kurden sprechen - Ankara signalisiert Bereitschaft, auf die Minderheit zuzugehen, Süddeutsche Zeitung, 13. Mai 2009, Seite 8
Tamburini, Arianna, Ischia, Marco Percorsi di guerra - Un viaggio dentro le fortificazioni di Riva del Garda, simbolo della durezza della Grande Guerra e testimonianza di un'incredibile lavoro di "edilizia ipogea, SPELEOLOGIA 50 - 2004, S. 28ff.
Timpson, John Timpson's England - a look beyond the obvious, Jarrold Publishing 1987
Viala, Claude Grottes et caches camisardes, Les Presses du Lanquedoc, Motnpellier 2005
Wakefield, G.B. Les grottes karstiques de la presqu'île de Plougastel-Daoulas (Finistère), Spelunca 111-2008, S. 31ff.

 

Links:

Foibe.pdf (application/pdf-Objekt)
Grofova Jama, Slowenien
Paths of peace
Schrattenfluh Festung Oberland.ch
Ernesto "Che" Guevara | En Pinar del Río | Cueva de Los Portales: Jefatura de piedra y coraje
Ricordi della Grande Guerra - San Martino del Carso
Höhle-Religion-Psyche

 


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