Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Langzeitaufenthalte in Höhlen


Es gab mal eine Zeit, da erfuhr man andauernd von Menschen, die sich für immer längere Zeit in Höhlen zurückgezogen haben, um dort zu bleiben. Das hat sich inzwischen totgelaufen, weil die Gelegenheit, einer Rekord in dieser Disziplin aufzustellen, inzwischen schon so lange geworden ist, daß es wahrscheinlich wird, daß derjenige dann fast schon vergessen ist. Anfangs wurde das mit Experimenten begründet, die notwendig seien, um die Bedingungen für lange Weltraumflüge besser kennenzulernen. Dann wurde daraus ein Selbstläufer.

Einige Versuche:

    6monatiger Aufenthalt von Jean-Marie Mairetet im Aven Olivier in Frankreich unter der Aufsicht von Michel Siffre unter dem Titel "Beyond Time"  
1962 16. Juli - 14. September Michel Siffre, erster Langzeithöhlenaufenthalt  
1967 14. Dezember - Maurizio Montalbini verbrachte 210 Tage in einer Höhle in Italien  
1969 24. Juni - 30. September Milutin Veljkovic bleibt 463 Tage in der Samarhöhle, Südostserbien  
1972   Midnight Cave, USA, Michel Siffre im Auftrag der NASA  
1988   Langzeitaufenthaltsversuch einer Gruppe von 14 Höhlenforschern in einer italienischen Höhle, Leiter Maurizio Montalbini  
1988 10. August - 29. November 110tägiger Aufenthalt im Aven Valat-Nègre bei Millau/Südfrankreich durch Véronique LeGuen  
1999 30. November - 14. Februar 2000 Grotte de Clamouse, F  

Ein Film

"TIME" Florence Tran (Frankreich)
Französisch mit englischen Untertitel, 52 min
Zwei Monate verbrachte Michel Siffre 1962 unter der Erdoberfläche ohne jegliche zeitliche Anhaltspunkte und entdeckte so die „innere Uhr“. Seine Experimente begründeten eine neue Wissenschaft, die Chronobiologie. Nach über 40 Jahren steigt er nochmals in jene Höhle hinab und führt uns vor Augen, welche Auswirkungen das absolute Fehlen von Zeitbezügen auf die Abläufe in unserem Körper und auf unseren Geisteszustand hat

Gezeigt auf dem Filmfestival Graz 2007

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. 09 Fr 13:00

 

Ein bemerkenswerter Moment beim Aufenthalt von Véronique LeGuen in der Höhle: Die Mannschaft oberhalb der Höhle hat Probleme mit den Resultaten von unten: "Du machst uns Probleme mit deinen Siestas." Die passen nämlich nicht in das Analyseschema. Da gibt es nämlich nur Schlaf und Wachsein. Man will Resultate, eindeutige. Aber das tatsächliche Leben läuft eben anders. Siestas bedeuten, "da ist keine schön eindeutige Nacht, in der man schläft, sobald man das Licht ausgemacht hat, und in der man das Licht einschaltet, wenn man wach ist." Gewünscht wäre die Bestätigung eines "geregelten Lebens zwischen Wachen und Schlafen". Aber so ist es nicht. Auch hier gibt es mindestens einen dritten Zustand. Um "Eindeutigkeit" herzustellen, wurde vereinbart, das Licht anzumachen, wenn man wach ist, und es zu löschen, wenn man schläft. So ist es aber nicht: "Wenn ich das Licht ausmache, schlafe ich irgendwie und wache 56mal in der Nacht auf, und ebenso kann ich bei Licht an einem Stück tief schlafen."
Klarsichtig schreibt Véronique dazu: "Außerdem wäre es Aufgabe der Wissenschaft, sich ihren Studienobjekten anzupassen, und nicht meine, mich in vorgefertigte Tabellen einzufügen, verdammt und zugenäht." So ist das wohl auch in vielen anderen Lebensbereichen, die schon "wissenschaftlich" beackert worden sind. Gefragt sich doch einfache, eindeutige, "klar belegte" Fragestellungen. Je näher man aber an die tatsächliche Lebenskomplexität herankommt, desto mehr verschwimmen meist die angeblich angemessen erfaßbaren Zusammenhänge. (S. 142)

Im 26. Zyklus resümiert sie ein wenig ihre Erfahrungen und Erlebnisse: "Ich habe genug von meinen Geschichten und meinen Seelenzuständen.. Außerdem merke ich, daß ich mich allmählich verdammt oft wiederhole. Wenn ich jetzt aus der Distanz diese Zeilen unter die Lupe nehme, dann schälen sich ein paar zentrale Punkte heraus: die wiederkehrenden Freßanfälle, der Wechsel von Angst, Wut, Euphorie. Die Beschäftigungen sind immer die gleichen: zur Luke gehen, Elektroden anbringen, tippen, photographieren, lesen. Und wie könnte es auch anders sein? Es ist erbärmlich und nervtötend. Das wars.." (S. 177)

 

 

 

 

 


You-Tube-Filme:

http://www.youtube.com/watch?v=Xe3cunx-6rg&feature=related

http://www.youtube.com/watch?v=2h2vrJmCewI

http://www.youtube.com/watch?v=2tjNYNG0PQA&feature=related

http://www.youtube.com/watch?v=qr1bFsI9CTc&feature=related

http://www.youtube.com/watch?v=oyS_T2z6qm8&feature=related

http://www.youtube.com/watch?v=W2UUOuoBtyA&feature=related

Literatur:

ohne Verfasserangabe Underground mind research, DESCENT (126) OCT/NOV 1995, p 7
Siffre, Michel Beyond Time, 1965
Siffre, Michel Expériences hors du temps
LeGuen, Veronique Allein mit der Angst, Heyne-Verlag 1994
tz Neuer Weltrekord: 109 Tage allein in Tropfsteinhöhle! TZ 1. Dezember 1968, S. 11
Petrov, Peter, Chabert, Jacques une experience de confinement souterrain en Bulgarie, Grottes et Gouffres
Javlov, A., Tsonev, S. Jours et Nuits sous la terre, dans la série "Conquérants de la Nature", aux éditions Médecine et Culture Physique, 1980, 97 p.
o.V. Tales of A Caveman, TIME JULY 27,1987
era Auch wenig Licht verstellt die biologische Uhr, Süddeutsche Zeitung 29. Februar 1996, Nr. 50, Seite 1
Eckert, Michael Im Räderwerk der biologischen Uhr, Süddeutsche Zeitung 23. November 1995, Nr. 270 / Seite II
Lemmer, Björn Chronopharmakologie - von der Phänomenologie zur Pharmakotherapie, PZ Nr. 9 - 135. Jahrgang, 1. März 1990, S. 9ff.
Siffre, Michel Beyond time, New York 1964

Links:

http://www.grottedeclamouse.com/deu-siffre.shtml

Outdoor Erfahrung

CABINET // Caveman: An Interview with Michel Siffre

Höhle-Religion-Psyche


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