Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Sophie Hochrein


Bei den Vorbereitungen zu HÖREPSY 2001 in Gößweinstein hörte ich zum ersten Male von einer Künstlerin "aus Thüringen", die kommen und ihre Bilder mitbringen wollte. Tatsächlich war ausgerechnet sie an der Reihe, als 4 verspätete Besucher dieser Veranstaltung, unter anderm ich, zum bereits anwesenden Kreis der Teilnehmer dazustießen. Sophie erzählte begeistert von ihren "Höhlenrippelmarkenbildern", die sie durch Abreibung des Höhlenbodens in der Altensteiner Höhle in Thüringen auf allerhand Materialien erzeugt. Wo viele wohl nur drüberlatschen, ohne dem Untergrund Beachtung zu schenken, oder die Unebenheiten halt nur als lästig und verunsichernd ansehen, da hat Sophie ein Reich der Inspiration entdeckt. Je nach Ausschnitt kommen ganz neue Formen zum Vorschein, mal unverständliche, dann wieder phantastische Formen. Unseren Assoziationen sind keine Grenzen gesetzt, sogar bis zum Erotischen. Die Formen werden dann ummalt mit prallen Farben, die den einfachen Ursprung des Ganzen direkt vergessen lassen.

Auf unserer HÖREPSY-Tagung gab es am Samstag abend eine richtige "Vernissage" ihrer Werke, gekonnt inszeniert von Hänsel Lehmann.

Auch an anderen Ort gibt es Interesse. Vom 30. März bis 12. April gab es im Bürgerhaus Schweina eine Ausstellung "5 Jahre Höhlenbodenrippelmarkenbilder" von ihr und am 31. März von 13 bis 16 Uhr in der Höhle eine "Rubbel-Aktion" für Kinder und Erwachsene unter dem Motto "Jedem sein eigenes Rubbel-Bild auf dem Höhlenboden", wobei man das nötige Material am Kiosk erwerben konnte. Weitere Ausstellungen, z.B. in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 waren oder sind geplant.

 

Sophie brachte sich gleich so voll in unseren Kreis ein, daß sie gleich das nächste Treffen, das 2002er, organisieren will. Es soll in ihrer "Haushöhle" sein, der Altensteiner Höhle in Thüringen. Und sie bringt noch eine wirklich gute Idee mit ein - warum erweitern wir das HÖREPSY nicht noch um das KU für KUNST? Sollten wir nicht in Zukunft "einfach" unter HÖREPSYKU firmieren? Vielleicht ist es doch ein bißchen zu lang und nicht vertraut genug, ein bißchen zu sehr "Asiatisch", aber so eine Namensveränderung ist ja überall in unserer Gesellschaft up-to-date. Ausweitung der Perspektive, In-Bewegung-Setzen neuer Energien, Öffnen neuer Zugänge. Nicht ganz, denn schon 1999 war unser Motto "Kunst und Höhle". Aber wir sind ja offen, genauso wie die Höhlen. Die werden ja auch immer größer und weiter bis zu einem bestimmten Punkt. Dann beginnt auch ihr Zerfallsstadium. Von den Höhlen lernen?

Vlies 1 1,60m x10m
ausgestellt im Dom der Altensteiner Höhle
Diese Bahn stellt einen 5 1/2fach ver-
größerten Ausschnitt aus dem Original-
höhlenboden der Altersteiner Höhle dar.
  1,60m x 20m Sickerbahn von Vlies 1, über-
tragen auf gefrästen Asphalt
Sotlo 2001
Foto Sophie Hochrein Foto Sophie Hochrein Foto Sophie Hochrein

Sophie mit ihren Werken auf dem Hörepsy-Treffen 2001 in Gößweinstein

Bei ihrer Beteiligung bei "Kunst und Höhle" in Aschau brachte sie "ein wenig den Knopf hinein", für mein Gefühl. Erst sagte sie zu, wollte eigentlich nur wegen der Ausstellung kommen, war dann erst spät da, konnte sich ihren Raum aussuchen, wo nach dem Motto "First come, first served" vorgegangen wurde, und ging wieder als Erste.

Sie hat einfach in meinen Höhlensteinkreis ihren Höhlenbodenabrieb richtig mit entsprechenden Materialien festgeklebt. Unter anderem. Mein Steinkreis war keine Marginalie in Bezug auf ihr Werk. Ich holte das wieder heraus, hatte mords Mühe damit, und legte halt die "Matte" wo anders hin.

Plötzlich, mitten im Hauptmoment der 50-Jahr-Feier des VHM, ein Signal von ihr: "Ich reise ab. Wann kann ich meine Sache abholen. Am Besten sofort." Meine Antwort: "Morgen früh bin ich wieder dort."

Sie hat sich dann viel Zeit gelassen am nächsten Morgen. Gegen Mittag sind dann all ihre Werke entfernt gewesen, Selbstinszenierung. So mancher Besucher der Ausstellung hat sich sehr positiv über die künstlerische Qualität ausgedrückt und hat bedauert, daß die Werke nicht mehr zu sehen gewesen waren. Allerdings habe ich die "Schluffhosen" ohnehin nicht wirklich mit dem Thema "Kunst und Höhle" zusammen bringen können.

Wir hatten mit "Sophie" unseren "Skandal".... wofür ich ihr natürlich "dankbar" bin. Lauter solche Ausrufungszeichen.

Beteiligung von Höhlenkunstausstellungen:

2004 "Kunst und Höhle", anläßlich der Jahrestagung des Verbands der deutschen Höhlen- und Karstforscher nnd der 50. Jubiläumstagung des VHM, organisiert vom Verein für Höhlenkunde in München e.V, in Aschau im Chiemgau

Literatur:

Hochrein, Sophie Mit den Füßen fühlen, in: Arbeitskreis Höhle, Religion und Psyche, Tagungsmappe 2001 - Höhle und Wahrheit, hrsg. von Gabi und Peter Hofmann, Oberaudorf 2001

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