Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle
Die Teufelsmühle am Funtensee, Steinernes Meer
1970 Grabungsarbeiten während der Forschungswoche Steinernes Meer 1970 an
der Teufelsmühle
Im August 1829 besuchte der österreichische Hofbeamte und Hobbyalpinist auch das Berchtesgadener Land. Nach einem bewegten Aufstieg durch die Saugasse, wo er auch den hinuntergelassenen Steinen der Käseträger ausweichen mußte, die den Aufsteigenden überhaupt nicht bemerkt hatten, gelangte er schließlich zum "Fundersee". Über ihn fand er folgende Worte:
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Er bemerkte zwar, daß es keinen oberirdischen Abfluß gab und sich die Wässer "mittelst unterirdischer Kanäle absetzten", von der Existenz der "Teufelsmühle" erwähnt er nichts, eine Kenntnis von ihr blieb ihm scheinbar verborgen.
Ähnlich ging es auch Hermann Löns, der um 1900 einmal dort war und danach seine Geschichte "Am Murmeltierbau" schrieb. Bei ihm heißt es: "Unweit des Baues, kaum fünfzig Schritte davon, liegt am See eine zerklüftete Felsgruppe, herabstürzt von der steilen Wand. Da suchte ich mir einen Platz und wartete in Ruhe der Murmeltiere, die da kommen sollten."
Andere haben da mehr bemerkt.
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| 1832 Cammerer | ||
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| Am 9.8.1942 besuchte Czoernig die Stelle und fertigte eine detailreiche Zeichnung. | ||
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| Gustave Abels Planbearbeitung für den Höhlenkataster |
Am 4. Oktober 1969 kamen Toni Müller und Georg Kellerer bei einer
Höhlensuchtour im Steinernen Meer dort vorbei: "Wenn man neben dieser
Wand steht, vernimmt man ein starkes Brausen und Gurgeln! Es hallt richtig!
Der Spalt an der Wand ist mit großen Gesteinsbrocken zugefüllt. Schon tags
zuvor unterhielten wie uns darüber mit dem Hüttenwirt. Er sagte uns, daß
er beabsichtige die Felsblöcke zu entfernen und nachzuschauen, ob esich
darunter eine größere Höhle befindet. Zugleich aber befürchte er daß
dabei der Abfluß sich erweitern könne und der Funtensee dadurch
verschwände." Kellerer
Ein Jahr später fand das erste Forschungslager des Vereins für
Höhlenkunde in München im Steinernen Meer vom 26.9-3.10.1970 statt. Eine
Gruppe forschte um das Schäferhüttl, eine andere hatte das Kärlinger Haus
als Stützpunkt gewählt. Am 1. Oktober kommt es, so das Protokoll von Dolfi
Triller, zum "Wettersturz mit Neuschnee erst bis 2000 m herab, am Abend
bereits Schnee am Kärlingerhaus (1630m)". Am nächsten Tag untersucht
Dolfi im
Alleingang den Hirschkogel, "die anderen arbeiten an der
Teufelsm." Zu dieser Gruppe gehöre auch ich, Ilona Lefranc ist dabei,
auch Guy Lefranc, und Klaus Cramer. Eine aufgespannte Plastikplane soll uns ein
wenig vor dem Nasswerden schützen, letztlich bleibt das Unternehmen
erfolglos. Der Durchbruch in die vermuteten Räume unterhalb von uns gelingt
einfach nicht.
Vermutlich haben auch noch andere versucht, an dieser Stelle weiterzukommen.
Grubert berichtet davon, daß man ihm auf dem Kärlinger Haus erzählt habe, daß "früher" die Mühle offen gewesen sei und daß man in einem Loch den Wasserfall verschwinden sehen konnte. Die Bergwacht habe später große Blöcke in den Ponor geworfen, "um zu verhindern, daß Wanderer dort hineinfielen." Grubert 85
Ich habe einmal ein Gerücht gehört, daß es den Berchtesgadener Höhlenforschern tatsächlich gelungen sei, weiterzukommen. Ein mindestens 100 m tiefer Schacht tue sich da auf......schriftlich ist da nie etwas darüber berichtet worden. Vielleicht handelt es sich ja auch nur um ein Gerücht, genauso wie das vom 2. Eingang in die Salzgrabenhöhle...
Hydrogeologen haben sich natürlich auch schon um die Stelle gekümmert und ermittelt, daß der durchschnittliche Abfluß pro Tag (nach ASKOLLA) 4.885 m³ bzw. 57 l/s beträgt. Die Abflußgeschwindigkeit liegt bei etwa 10cm/s. Bei Hochwasser steigert sie sich nicht, allerdings die Wassermenge. Daraus schließt man, daß die Querschnittsfläche des Ponors "beträchtliche 2 m²" beträgt. Die Frage ist, handelt es sich da um eine einzige Röhre oder verteilt sie sich auf mehrere kleinere Spalten. Grubert 84
Neben der kühlen, rationalen, sachlichen, immer einen Grund für etwas angeben wollende Herangehensweise an ein rätselhaftes Phänomen, bei dem menschliches Streben immer wieder auf eine Grenze trifft, gab und gibt es noch mindestens eine weitere: die narrative, die emotionale, die "irrationale", das rätselhafte rätselhaft bleiben lassende.
In diesem Fall zeigt sie sich in Form von Geschichten und Sagen. Der Teufel verberge sich im Berg und betreibe dort eine Mühle. Gemahlen werden Steine und herauskommen würde Gold! Das lockt natürlich - schnell reich zu werden ohne sich anstrengen zu müssen. Wen würde das nicht ansprechen? Aber die Moral von der Geschicht, niedergeschrieben in "Der Jäger und das Teufelsgeld": "Bin ich bisher ohne Geld ausgekommen, dann wird es auch in Zukunft gehen!" Schinzel-Penth 27
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Eingangsregion Teufelsmühle
4.10.1970 Foto Georg Kellerer |
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17.09.1978 | |
| Funtensee vom Kärlinger Haus aus
Links am Seerand ist die Versickerungsstelle |
Literatur:
Cammerer, Anselm Andreas Caspar (1832): Naturwunder,
Orts- und Länder-Merkwürdigkeiten des Königreiches Bayern, Kempten 1832
Cramer, Klaus (1971): "Forschungswoche Steinernes Meer", Der
Schlaz, Nr. 3
Grubert, Christian (1992): Die Teufelsmühle am Funtensee, Speleogruppe
86, S. 84ff.
Kellerer, Georg (19709: Höhlensuchtour "Steinernes Meer" v. 3.-5.
Oktober 1969, Der Schlaz Nr. 2´
Klappacher, W., Knapczyk, H., Gesamtredaktion (1977): Salzburger Höhlenbuch,
Band 2, Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg, Salzburg
Kyselak, Josef (1829):
Skizzen einer Fußreise durch Oesterreich, Steiermark, Kärnthen, Salzburg,
Berchtesgaden, Tirol und Baiern nach Wien, nebst einer romantisch
pittoresken Darstellung mehrerer Ritterburgen und ihrer Volkssagen,
Gebirgsgegenden und Eisglätschern auf dieser Wanderung, unternommen im
Jahre 1825 von Josef Kyselak, 1. Theil 1829
Schinzel-Penth, Gisela (2012): Sagen und Legenden um das Berchtesgadener
Land, 6. Auflage,
Triller, Dolfi (1970): Forschungswoche Steinernes Meer: Protokoll
Funtenseetauern und Hirschkogel, Der Schlaz 3-1970
Links:
https://www.berchtesgaden.de/sagen/die-teufelsmuehle
https://sektion-alpen.net/komp_sagen/teufel_funtensee.htm
http://www.funtenseer.de/der funtensee.htm
https://rother.app/trip/257941?lang=de
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Geotope_in_Oberbayern
Landschaft und Höhlen des Steinernen Meers
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