Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die "Grotte" in der Kirche von Maria Steinfels/Landau


Nach "Höhlen" in Niederbayern zu suchen, das ist ziemlich aussichtslos. Die "Geologie" gibt das nicht wirklich her. Deshalb ragt das winzige Felsdach in einem Sandsteinnagelfluhfelsen am Isarabhang bei Landau umso mehr hervor. Kein Wunder, daß es nicht unbemerkt blieb und seit langem Teil der Wallfahrtskirche Maria im Steinfels ist. 

Bis in das Jahr 1645 reicht die Geschichte zurück. Der Landauer Sattlermeister Christoph Christi sei im Dreißigjährigen Krieg nach "Anrufung der Mutter Gottes aus höchster Not gerettet" worden. Zwei Jahre später erstand er ein Marienbildnis, "in dem er die wundertätige Erscheinung wiedererkannte", das er "zu privater Andacht" in der Felsgrotte aufstellte. 1658 macht er es "auf einer Bildsäule der öffentlichen Verehrung zugänglich, von 1680 bis 1682 ließ er "wegen des regen Zulaufs" von einem ersten Kapellenbau umgeben. Der Ort entwickelte sich zu einer beliebten Wallfahrtsstätte. 1698 begann man mit dem Bau der heutigen Barockkirche, die 1700 vollendet war und 1726 eingeweiht wurde. Während der Bauarbeiten wurde eine weitere kleine Marienfigur gefunden, die mit dem ursprünglichen Gnadenbild identisch gewesen sei, nach Irlbach bei Straubing kam und dann in einer "feierlichen Prozession" wieder zurück in die Steinfelskirche zurückgeführt wurde.

Vom Felsdach selber sieht man im Kirchenraum fast nichts, denn der viersäulige Hochaltar aus der Zeit um 1725 steht direkt davor. Nur noch seitlich sieht man kurze Stücke davon herausragen. Allerdings ist die Gesamtanlage des Barockbaus nach ihm ausgerichtet, da er direkt davor gebaut wurde. Ein weiteres kurzes Stück des Felsens ist außerhalb der Kirche noch zu sehen.

Bemerkenswert ist auch ein Gemälde in der Kirche, das die Situation vor dem Kirchenbau zeigt, wo die "Felsdachhöhle" noch offen zu sehen ist.

Nirgends steht, daß hier vielleicht einmal ein Durchschlupfbrauch stattgefunden hat. Im Grunde liegen ideale Voraussetzungen vor. Zwischen dem Altar und der Felswand besteht ein Abstand, der soweit es von außen (von hinterhalb des Absperrgitters gesehen) einschätzbar ist, von schlanken Personen ausreicht, um von einer Seite zur anderen hinten um den Altar herum zu kommen. Man muß nur die Verhältnisse in Koppenwall in der Hallertau, in der Wolfgangshöhle im Salzburgischen oder in Gurk in Österreich anschauen - auch da wurde dieses Ritual lange gepflegt. Gesündigt wird überall - dort hätte man sie wieder "abstreifen" können, krank werden die Leute auch überall - und wenn die "Heilungskräfte" ganz in der Nähe sind - dann verspricht man sich Linderung, (und wenn es nur der Placeboeffekt ist, Hauptsache es hilft!). 

> Lochsteine und Durchkriechbräuche

 

Literatur:

Brem, Franz Josef (1992): Wir sind unterwegs ... 500 bayerische Marienwallfahrtsorte, EOS-Verlag Erzabteil St. Ottilien

Soffner-Loibl, Monika: Landau – Stadtpfarrei St. Mariä Himmelfahrt (= Peda-Kunstführer Nr. 808/2010). Kunstverlag Peda, Passau 2010

Links:

https://pfarrverband-landau.bistum-passau.de/kirchen/wallfahrtskirche-maria-im-steinfels-landau

https://www.ostbayern-tourismus.de/attraktionen/wallfahrtskirche-maria-im-steinfels-ed172f0c5c

https://www.outdooractive.com/de/poi/niederbayern/wallfahrtskirche-maria-steinfels/2960845/

Höhlen und Felsdächer in Ostbayern südlich der Donau

Felsdächer


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