Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Höhlen im Spielberg


Der Große Spielberg im Laubensteingebiet birgt mehrere Höhlen. Die größte davon ist die "Große Spielberghöhle". Der große Eingangstrichter war sicherlich immer schon den Almbauern und Waldinteressierten bekannt gewesen. In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts drangen erstmals Menschen tiefer in den Berg vor. Besonders nach dem 2ten Weltkrieg, nachdem der Verein für Höhlenkunde in München dort gründliche Forschungen begann, wurde hier tief in den Berg vorgedrungen. Zeitweise war die Höhle mit ihren 180 m tiefer als jede andere Höhle auf dem Gebiete Deutschlands. 

Steckbrief:

Eingang auf 1314 m
Gesamttiefe 180 m
Gesamtganglänge d. Gänge 1150 m (+), seit 2021 4+km

Eine gründliche geologische Analyse der Höhle ist schon 1963 von Richard Spöcker (Karstmorpologische Untersuchungen im Laubensteingebiet) im "Laubensteinband" veröffentlicht worden und ist noch immer äußerst studierenswert. Darin steht auch einiges von einem nur selten in Höhlen beobachteten Vorgang, daß sich nämlich eine Höhle in kurzer Zeit massivst ändert: "Im Jahre 1945 oder 46 ließ sich der Frasdorfer Höhlenforscher J. Buchauer..von einem Kameraden begleitet und gesichert, eine Seillänge von 30 m in den Schacht, wo er frei über dem Abgrund schwebte. Mangels weiterer Seile mußte er, ohne Boden erreicht zu haben, unverrichteter Dinge wieder zurück. Eine darauf vorgenommene Fall-Lotung ergab seinerzeit die Gesamttiefe von etwa 100 m. Bei einer neuerlichen Befahrung in den Jahren 1949 oder 1950 zeigte sich, daß die Kluft von Verbruch verschlossen war und daß kaum 10 m unter dem Einstiegsfenster eine zusammenhängende Blockhalde begann, die steil und stufenweise zur Tiefe führte. Die eine Kluftwand war eingebrochen und hatte den Abgrund mit sperrigen Blöcken erfüllt. Die andere Seite war stehen geblieben. Es ist der Zustand der heute voliegt." (Laubensteinheft S. 193)

Die Chiemgauer Höhlenbären haben in der Höhle weitergeforscht und einige bis dahin unbekannt gebliebene Gänge neu hinzuentdeckt. Inzwischen sind sie auch vermessen. Auf viel "Neuland" ist man inzwischen auch gestoßen, die "Jungen Wilden"....

Kleine Spielberghöhle

 
Foto Karl Thein, Quelle: Laubensteinheft

Grosse Spielberghöhle, 1950er Jahre, Quelle: Laubensteinheft

 


Literatur:

Beißwner, Jens et al. Große Spielberghöhle, Der Schlaz 102-2004, S. 23f.
Chiemgauer Höhlenbären Festzeitschrift, 14.-16. Juli 2006
Cramer, Klaus, Triller, Adolf Die Höhlen im Laubenstein und seiner Umgebung, S. 69ff., in: Treibs, Dr. Walter, Das Laubensteingebiet im Chiemgau, Jahreshefte für Karst- und Höhlenkunde; München 1963
Hofmann, Arthur, Blimetsrieder, Kalr Kleine Spielberghöhle und Laubensteinschacht, Der Schlaz 102-2004, S. 25f.
Lindenmayr, Franz Ritzzeichnungen am Eingang der Großen Spielberghöhle, Der Schlaz 75-1995, S. 19-20
Prümm, H. Ein hohler Berg im Oberland - Zu den Höhlenfunden im Hochrießgebiet, 
Spöcker, Richard Karstmorphologische Untersuchungen im Laubensteingebiet, S. 131-206, in: Treibs, Dr. Walter, Das Laubensteingebiet im Chiemgau, Jahreshefte für Karst- und Höhlenkunde; München 1963
Treibs, Dr. Walter
(Schriftleiter)
Das Laubensteingebiet im Chiemgau, Jahreshefte für Karst- und Höhlenkunde; München 1963
Triller, Adolf Das Laubensteingebiet im Chiemgau, Der Schlaz 74-1994, S. 103ff.
Triller, Adolf Exkursion H Karstkundliche Wanderung ins Laubensteingebiet, Der Schlaz 102-2004, S. 28ff
Triller, Adolf Forschungen im Laubensteingebiet, Spitzstein 1341, in: Münchner Höhlengeschichte II, München 2004
Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. München (Hrsg.) Leben im Dunkel - Höhlentiere in den Alpen, Ein Projekt zur Biodiversität unterirdischer Lebensräume im Rahmen des Ökoplans Alpen 2020, Abh. Karst- u. Höhlenkunde 37, 1-64, München

Links:

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