Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Höhlen um Moggast

Fränkische Schweiz


Die 600 m nördlich von Moggast im Hohlberg gelegene auf rund 2 km Länge erforschte Moggaster Höhle gehört zu den am längsten bekannten Höhlen der Fränkischen Schweiz. Das belegen Funde aus der Urnenfelder-, Hallstatt- und Latènezeit. Erst im Jahre 1773 taucht sie wieder nachweislich im Bewußtsein der Menschheit auf, als Johann Christian Rosenmüller mit einigen Begleitern die Höhle aufsucht und erkundet. Mit dabei war auch der "Schullehrer von Mockas". Sie fanden dabei viele Höhlenbärenknochen, Schädelreste und Zähne. 1796 erschien darüber sein Aufsatz: "Beschreibung der Höhle bei Mockas". Über 2 Jahrhunderte hat gerade diese Höhle und ihre literarischen Niederschläge einen Einfluß auf die Vorstellungen vieler Menschen gehabt, was sie sich unter "Höhle" vorgestellt haben. Die Höhle war immer wieder eine Art Schauhöhle und wer hinein wollte, mußte ein paar Geldstücke herausrücken, im Jahre 1912 z.B. 1,50 Mark pro Person. Die Perioden, wo die Höhle einfach offen stand, dann auch wieder nur ein kontrollierter Besuch möglich war, wechselten ab.

Auf einmal war wieder weitgehend Schluß mit der "Offenheit", zumindest physisch, denn es wurde vom Landratsamt verfügt, daß das Betreten der Höhle von nun an "verboten" sei. Da haben wir eine Bayerische Verfassung, die ausdrücklich den Genuß der Naturschönheiten den Bürgern gestattet, und in der Praxis wird dieses Grundrecht halt erheblich ausgehöhlt. In seltenen Fällen läßt sich das eingeschränkte Betreten der Höhlen ja nachvollziehen, wobei allerdings eine angemessene und nachvollziehbare Betretungsmöglichkeit einfach eingeräumt werden muß. Die fehlt leider des öfteren. Diese Blockierung der Besuchsmöglichkeiten hat auch wesentliche negative Auswirkungen, denn die Möglichkeit zur genauen Weiteruntersuchung und der Entdeckung neuer Teile unterbleibt. Und die scheint gerade im Falle der Moggaster Höhle gegeben zu sein. Von der "Wissenschaft" kommt dieser Anstoß meist nicht, sondern von den "Höhlenforschern", die ja gerade dieses Moment bewegt.

So macht ein Aspekt recht nachdenklich. Bei der Untersuchung des Fledermausbestandes der Höhle mittels automatisierter Meßgeräte hat man einen Bestand von 1.000 Tieren im Winter ermittelt. Bei der Untersuchung des Fledermausbestandes in den bekannten Höhlenteilen hat man gerade 10 Tiere gefunden. Wo sind die 99 % Fehlenden? Gibt einen riesigen unbekannten Höhlenteil, in dem sie überwintern? Tatsächlich fällt ja bei einer Grobuntersuchung des Struktur der Höhle auf, daß sie stark von vielen anderen fränkischen Höhlen abweicht. Eine Riesenspalte scheint da zu sein, ähnlich wie im Alfelder Windloch, keine Laugräume à la Bismarckschacht. Der kräftige Luftzug in einigen Höhlenteilen ist auch ein Indikator. Dürfen wir in Bälde mit großen Entdeckungen rechnen?

 
     
 
     
 
     
 
     
 
     
 
     
   

 


Ein Text von mir aus dem Jahre

 

Auf dem Rundweg zurück nach Burggailenreuth kann man noch einen kleinen "Umweg" machen und eim Eingang der altbekannten "Moggaster Höhle" vorbeischauen. Viele Jahre hindurch war sie einfach offen und jeder konnte hineinschauen. Seit einigen Jahren ist sie verschlossen - aus "wissenschaftlichen Gründen" (Im Text der Verordnung steht: "..dient dem Schutze und der Erhaltung von verschiedenen geschützten Tierarten und erdgeschichtlichen Formationen"). Was ist das eigentlich? Mit einer solchen Begründung könnte man die ganze Welt genauso gut "absperren", "aussperren", "einsperren", denn was könnte k e i n Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtung sein? Bevor ich wieder ins Grübeln komme, hier ein paar Bilder....

     
     

Wenn wir alles abgesperren, dann kann so manches nicht mehr passieren. Daß gar nichts mehr passieren wird, das stimmt sicherlich nicht. Denn wenn etwas abgesperrt ist, dann beginnen sofort die Versuche, die Sperre auch wieder zu beseitigen. Da hat sicherlich schon so mancher Aufbruchversuch stattgefunden (Sie haben stattgefunden! "Rainer Kunz kontrollierte in diesen Jahren -Sommer wie Winter - fast jede Woche den Eingang der Moggaster Höhle und bemerkte jeden Einbruch, und konnte Zerstörungen am Tor sofort reparieren", DMH S. 142). Und wenn man nicht erfolgreich war, die Palette reicht ja bis in den Bereich der Sprengmittel, dann hat die Aggression noch immer kein Ende. Von einer solcher Sperranlage habe ich mal gehört, daß sie wortwörtlich zugeschissen worden ist, so daß das Öffnen der Höhle für den "Schlüsselinhaber" erstmal eine rechte Sauerei geworden ist.

Es werden auch bestimmte Dinge einfach nicht mehr passieren, die früher noch möglich waren.

An zwei Ereignisse erinnere ich mich im Zusammenhang mit der Moggaster noch besonders gerne. Es war noch Ende der 60er Jahre. Ich war mit einer Gruppe unabhängiger, was hier heißt, sie gehörten keinem Verein an, Höhlengeher in der Fränkischen Schweiz unterwegs. Sie kannten sich dort sehr gut aus, unsere Herberge war im Heuschober des Wirts von Burggailenreuth. Sein Sohn war am Samstag vormittag noch in der Schule, aber der wollte mal so gern in eine Höhle mitgehen. Mit Einverständnis des Vaters brach unsere fünfköpfige Männergruppe also auf und "entführte" den Jungen aus der Dorfschule aus dem Unterricht. An ein kleines Häuserl erinnere ich mich noch. Winterkälte draußen, Ofenwärme drinnen. Wir klopften an die Schultüre, traten ein, ein niedriger Raum voller kleiner Jugendlicher, wir entdeckten den Lehrer, sagten ihm, wen wir wollten und was wir vorhatten, schon war der Kleine bei uns und draußen. Und los ging es in die verzweigte Höhle. Unvergeßlich diese Momente..

Und noch was hab ich mal dort erlebt. Etwas unheimlich ist uns dabei gewesen, wie kann nur ein Mensch so im Berg verschwinden? Einer von uns war weg, kam nicht mehr aus dem Loch heraus, wir warteten und warteten und warteten. Er kam nicht. Wir zogen uns wieder uns, machten die Karbidlampe wieder an und gingen zu dem Ort zurück, wo wir mit ihm zuletzt zusammen gewesen waren. Weit war es ja nicht bis zum Ausgang. 5 Minuten vielleicht, wenn man zügig ging. Aber es half nichts. Er war einfach nirgends. Wir glaubten einfach nicht, daß er sich entmaterialisiert hätte, suchten nach ihm, krochen auch in die letzten und allerletzten Spalten und Öffnungen, rauf und runter. Es half alles nicht. Noch einmal, das ganze Programm. Schließlich, schon jenseits der Hoffnung, daß wir ihn noch finden würden: Plötzlich vor uns: leise Geräusche. Da, ein enger Spalt nach unten, Licht, seine unsichere Stimme. Wir hatten ihn wieder und auch wieder nicht. Denn wir hatten keine Ahnung, wie wir durch diesen handbreiten Spalt zu ihn gelangen könnten. Direkt ging es nicht, indirekt halt. Durch mehrere Gänge in der Nähe, wieder ein richtiges Rauf und Runter und dann waren wir bei ihm. Das Hemd hatte er schon zerrissen, mit den Fetzen hatte er die abzweigenden Gänge markiert, um zu sehen, wo er schon bewesen war und wo nicht, es hatte alles nichts geholfen. Ein tiefes Durchatmen allerseits. Ich habe den Kameraden von damals nie mehr wieder gesehen und ich denke, daß er nie mehr wieder in eine Höhle gegangen ist.


"..weil es der Natur gleichgültig war, ob der Mensch ihre Produkte brauchte oder nicht." Juli Zeh, UNTER LEUTEN)
Auch Höhlen sind "Produkte" der Natur (Was immer das ist! Wer mehr darüber lesen will, der kann ja mal in "Zurück zur Natur? Rousseaus Naturbegriff im "Emile" von Alfred K. Treml nachlesen und wohl nur weiter verwirrt werden. Die Lektüre lohnt sich trotzdem!). Negative. Auflösungsprodukte des Gesteins. Auch die Moggaster Höhle dahört dazu. Naturschützer haben ein Tor davor gebaut und ein Betretungsverbot verhängt. Und es gibt Menschen, der versuchen, das Tor zu knacken. Das ist auch wieder im Winter 2018/19 passiert. Wann? Das weiß keiner. Es geht ja auch kaum mehr jemand hin. Mit modernstem technischen Gerät wurde wohl gearbeitet und man hat es fast geschafft gehabt. Dann war wohl der Akku leer. Vielleicht kommt man ja wieder, mit Ersatzakku. Die Hoffnung der Fledermauswinterschlafschützer, daß man durch den Verschluß die Zahl der gezählten Fledermäuse erhöhen könnte, wurde hier nicht bestätigt. Es waren 3 Exemplare da. Dafür fand man Spuren von Mardern. Für die sind die Tiere ja hauptsächlich Nahrung, nichts weiter. Und wenn kein Mensch vorbei kommt, dann sind sie auch noch ungestört auf der Suche nach Freßbarem. Wie steht es mit der Einflugöffnung für die Tiere? Zweifel sind da angebracht, ob sie nicht viel zu klein dimensioniert wurden. Es soll auch da bereits ein Umdenken auf dem Wege sein.

Ich kenne noch eine Zeit, da stand bei einigen Höhlen, denen man einen besonderen öffentlichen Schutz angedeien lassen wollte, daß man den Schlüssel dazu bei einer staatlichen Stelle bekommen würde. Das war mal auf dem Gemeindeamt, mal auf der Polizeistation. Man nannte seinen Namen, der aufgezeichnet wurde, vielleicht auch noch die Wohnadresse. Dann bekam man den Schlüssel ausgehändigt und man konnte losziehen. Keine Kenntnisprüfung war notwendig, keine Vorlage einer Versicherungsbescheinigung, keine persönliche Begleitung, die man dann ja oft bezahlen hätte müssen (lokales Jobprogramm!). Und man gab dann später den Schlüssel auch wieder ab, entweder persönlich oder einfach über den Briefkasten. Was für eine  f o r t s c h r i t t l i c h e  Welt! So ein Zustand ist durch keine APP herstellbar. Persönliche Beziehungen, man lernt dabei richtige Menschen kennen, z.B. die Dame, die auf dem Gemeindeamt arbeitet, Frau B....!, technisch unstörbar (z.B. durch leeren Akku) oder "Kein Empfang". Wem kann man mehr vertrauen? 


Literatur:

Gümbel, C.W. Geognostische Beschreibung des Königreichs Bayern, Vierte Abtheilung Geognostische Beschreibung der Fränkischen Alb (Frankenjura), Verlag von Theodor Fischer, Kassel 1891
Heller, Joseph Muggendorf und seine Umgebungen oder die fränkische Schweiz, Nachdruck der 1. Auflage aus dem Jahre 1829, Erlangen Palm & Enke 1979
Jerono, Johannes, Stein, Gerhard Die Moggaster Höhle - Eine der bedeutendsten Höhlen der Fränkischen Schweiz, Karst und Höhle 1998/99, München 2000
Kaulich, Brigitte, Schaaf, Hermann Kleiner Führer zu Höhlen um Muggendorf, Nürnberg 1980
Lang, Stephan Höhlen in Franken - Ein Wanderführer in die Unterwelt der Fränkischen Schweiz, Verlag Hans Carl, Nürnberg 2000
Neischl, Adalbert Die Höhlen der Fränkischen Schweiz und ihre Bedeutung für die Entstehung der dortigen Täler, Nürnberg 1904
Rosenmüller Abbildungen und Beschreibungen merkwürdiger Höhlen um Muggendorf etc. 1. Heft, Beschreibung der Höhle bei Mockas. Erlangen, verlegt bei Joh. Jak. Palm 1796
Schabdach, Hardy Unterirdische Welten - Höhlen der Fränkischen und Hersbrucker Schweiz, Verlag Reinhold Lippert, Ebermannstadt 2000
Treml, Alfred K. Zurück zur Natur?, UNIVERSITAS 7/1988, S. 799ff.

Links:

Landschaft und Höhlen in der Fränkischen Schweiz


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