Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen rund um Königstein, Sächsische Schweiz, D


Königstein liegt an der Einmündung der Biela in die Elbe mitten in der Sächsischen Schweiz. Es ist ein idealer Ausgangspunkt für Wanderungen auf die nahen Tafelberge und die stillen Talgründe in der Umgebung. Der Ort selbst, mit seiner Marienkirche, den mal renovierten, mal dem Verfall preisgebenen Fachwerkhäusern, lädt zum Herumschlendern ein. In fast jedem zweiten Haus gibt es einen gastronomischen Betrieb, so scheint es. Zur Elbe hin ist der Blick durch einen hohen Bahndamm verstellt, der recht häufig benutzt wird von den durchrauschenden Güter- und Personenzügen. Mit dem Hochwasser hat man offenbar öfters zu rechnen, was auf einer eigenen Hochwassersäule seit 1655 festgehalten wird.

Zwei große Tafelberge dominieren das Ortsbild, der Lilienstein und der Königstein. Vom Ort aus nicht mehr sichtbar ist der Pfaffenstein, der gut vom Ortsteil Pfaffendorf erreichbar ist. Die reizvolle Wanderung ist sehr beliebt, weil sie eine gute Verbindung von Landschaftserlebnis und Bewegungserfahrung bietet. Der Pfaffenstein ist eigentlich nur an zwei Stellen wirklich gut erreichbar, ansonsten weisen nur 100 m hohe Sandsteinwände jeden Besucher schroff ab. Ein Weg führt durch das "Nadelöhr", das wohl an starken Besuchstagen wirklich zu Fußgängerstauerscheinungen führt, weil es dort nur einen einzigen schmalen Spalt sowohl alle die Auf- bzw. Absteigenden gibt. Hat man endlich das Gipfelplateau erreicht, kann man auf guten ausgetretenen Wegen auf die Erkundung desselben machen. Es gibt viel zu sehen. Aussichtspunkte laden zum unverstellten Blick auf die anderen Tafelberge und die großen Wälder in der Nähe ein, ein Gasthaus mit Aussichtsturm hat man errichtet und da ist vor allem der 43 m hohe Felsturm der Barbarine, den alle sehen wollen. Auch der Höhleninteressierte kommt auf seine Kosten: Touristenhöhle, Muschelhöhle, Etagenhöhle, Schneiderloch, Keilerhöhle, Falkenhöhle, Bellohöhle, Kleiner Kuhstall und die Goldschmidthöhle, um nur ein paar zu nennen. Letztere war der Zufluchtsort des Lithographen, Kalligraphen und Geldfälschers Goldschmidt, der sich dort nach seiner Flucht aus dem Königsteiner Gefängnis bis zu seiner erneuten Verhaftung versteckte.

Nicht weit vom Pfaffenstein liegt der Quirl, ein weiterer Tafelberg, der die größte Schichtfugenhöhle der Sächsischen Schweiz birgt, den Diebskeller. Eine Inschrift an der Höhlenwand lautet: "J.R.L. 1685" und legt Zeugnis für die frühe Bekanntheit der 28 m tiefen und bis zu 8 m breiten Höhle ab. Die große Steinplatte im Eingangsbereich wurde als "Tisch" 1755 dorthin geschafft, "weil dieser kühle Platz von der Königsteinern oft zu Lustparthien benutzt wurde" (Götzinger). Kurfürstliche Jagden führten ebenfalls dorthin.

Etwas weiter weg von Königstein liegt Kleine und Große Bärenstein. Von Parkplatz kann über das "Schneiderloch" hinaufgestiegen werden. Um zur Diebshöhle, auch Götzingerhöhle genannt, zu kommen, geht es dann auf bezeichnetem Steig wieder hinunter. Sie ist eine kurze Durchgangshöhle, in der in der Mitte eine große Feuerstelle aufgerichtet wurde. Ein Feuer dort zu schüren ist kein Problem, denn der Rauch kann direkt in den Himmel steigen, da ein Höhlendach fehlt.

Höchst reizvoll ist der Besuch des sog. "Labyrinths" bei Leupoldishain. Ein kleiner Tafelberg ist dort inzwischen schon in so viele Einzelteile aufgelöst, daß man wirklich herumirren kann, ohne ja an irgendein Ziel zu gelangen. Um eine gewisse Ordnung hineinzubringen, hat man die Felsen, Durchgänge und Höhlen durchnummeriert und so ermöglicht, daß man irgendwie geordnet durch dieses Felschaos sich bewegen kann.

Im Oberen Bielatal findet sich eine weitere starke Konzentration von Höhlen. Vor der Ottomühle befindet sich ein Bezahlparkplatz und von dort kann man auf einem schönen Spaziergang einige Höhlen aufsuchen: Bennohöhle und Tiefe Höhle, Schwedenhöhle und Eisloch und noch ein paar mehr.

  Pfaffenstein
  Touristenhöhle
  Das "Nadelöhr"
   
   
   
  Goldschmidtshöhle
   
   
   
   
   
  Das Wahrzeichen: die Barbarine
   
   
   
  Kleiner Kuhstall
   
    Im Hintergrund ist der Quirl zu sehen
  Diebskeller im Quirl
   
  Beim Aufstieg zum  Kleinen Bärenstein
   
   
   
  Götzingershöhle
   
  Das Labyrinth
   
   
   
   
   
   
     
  Im Oberen Bielatal

Eingang in die Bennohöhle

   
   
   
     
  Eingangsumgebung der Schwedenhöhle

 

2012 und auf einer Radierung von Ludwig Richter aus dem Jahre 1820/23

   
  Eiskeller
  Im Bielatal

 

Eingang Schwedenhöhle

       
       
       
  Elbtal bei Königstein

 

Literatur:

Bellmann, Michael Der Höhlenführer Elbsandsteingebirge, Heimatbuchverlag Bellmann, Dresden 2010
Winkelhöfer, Roland Der Diebskeller im Quirl, Der Höhlenforscher 19 (1987), Dresden, S. 5-10

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