Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Grotte du Bournillon in der Gorge de la Bourne, Vercors, F


"Bournillon...la plus vaste, la plus belle et la plus importante ces cavernes de Dauphiné....son porche  et surtout l'immensité de son porche de sortie en font une des plus remarquables grottes de l'Europe" / (Bournillon ... die großräumigste, die schönste und die bedeutendste Höhle der Dauphinè...ihr Eingang und vor allem die Großräumigkeit ihres Ausgangs machen sie zu einer der bemerkenswertesten Höhlen ganz Europas) - E.A. Martel, La France Ignorée


 

Wer die Bourneschlucht im Vercors abwärts fährt, dem fällt unübersehbar auf der linken Seite eine amphitheaterförmige große Ausbuchtung in den Felswänden auf. Nichts ist da noch von dem echten Naturwunder zu sehen, das sich aus dieser Perspektive noch hinter Fels und Wald verbirgt. Um hinzukommen muß man schon von der breiten Hauptstraße nach links auf ein schmales einspuriges Teersträßlein abbiegen und bis hinunter in den Talgrund fahren, wo die Halle eines E-Werks steht. Davor ist ein Parkplatz, von dem aus es nur noch zu Fuß weitergeht. Man überquert das Bett des je nach Wasserangebot fast gar nicht oder auch gewaltig daherkommenden Bachs/Flusses und zweigt gleich nach links auf einem Steiglein, das unter dem grün gestrichenen dicken Wasserrohr hindurchführt, ab. Ihm braucht man dann nur noch zu folgen und kommt so zum Eingang. Zu erwähnen ist, daß zumindest 2012, keinerlei Schilder aufgestellt sind, die einem den Weg weisen würden. Man muß sich schon auskennen, sonst wird man vielleicht ganz woanders landen, aber jedenfalls nicht vor dem Eingang.

Die Bournillonhöhle zu besuchen, das ist wirklich spektakulär. Wo anders gibt es schon einen 100 m hohen Höhleneingang? So eine Situation ist so außergewöhnlich, daß sich schon einmal Ballonfahrer darin versucht haben, mit einem Heißluftballon zur Decke zu streben. Wilde Kletterer scheinen sich einen Spaß zu machen und klettern im Höhlendach herum. Zurückgelassene Hilfsseile zeugen davon. Je nach Wasserstand reicht ein See bis unter die Trauflinie. Dann fließt ein Teil des Wassers in einen seitlich geschaffenen Stollen, der das Wasser zum E-Werk ableitet. Ein Felssteiglein führt tiefer in die Höhle. Nach links erreicht man eine Brücke, die über mehr oder weniger großen Bach bzw. Fluß führt, oder halb auch ganz verschwinden kann. Noch ein paar Meter weiter und dann ist normalerweise Schluß. Ein Wasserfall versperrt den leichten Weiterweg. Zwei Wege tiefer in den Berg sind möglich. Vor dem Brücklein kann man in einen blockerfüllten Gang hinaufsteigen, der nach einer Art Joch auf der anderen Seite überhängend abbricht in einer Riesenhalle. An der rechten Wandseite ist eine Querung möglich, was aber schon eine gewisse Beherztheit erfordert. Mit den Händen in der Hosentasche und mit dem Verstand auf dem Handybildschirm ist der Absturz vorprogrammiert. Jenseits davon geht es in großen Gängen tiefer in den Berg. Unterwegs stößt man auf die zweite Möglichkeit dorthin zu kommen. Gleich beim Eingang zweigte nämlich nach rechts ein weiterer großer Gang ab. Ist man ihm gefolgt, dann erreicht man auch auf diese Weise das "Village Nègre", eine imposante Tropfsteingruppe, und später die inneren Teile der Bournillon. Normalerweise ist irgendwann mal Schluß an einem Siphon, vor dessen Gefährlichkeit immer gewarnt wird.

In SPELUNCA n°59 werden für die Bournillon folgende Grunddaten angegeben: Länge 6.298 m, höchster erreichter Punkt: + 92 m, niederster - 46 m, Seehöhe 416 m am Eingangsdamm, Schüttung bei Trockenheit: 0 m³, maximale Normalschüttung: 24 m³, maximale jemals ermittelte Schüttung: 80m³ am 3. September 1956.  Hydrogeologisch gesehen funktioniert die Höhle als Hochwasserüberlauf des Systems Abois-Bournillion. Der tiefste Punkt ist mit den Sources d'Arbois angegeben. Der Eingang in die Bournillon liegt 26 m höher. Es gibt noch einen dritten Wasserauslauf, den Siphon d'Arbois mit + 65 m.


Das von der Bournillon kommende Bächlein - im August 2012

Noch ist der Eingang nur zu ahnen!

Mit Wasser und ohne

Links ist der Wassereinlauf in den Stollen zu sehen
Ganz klein ist immer eine Person zu sehen!
Wohl die Reste der Mahlzeiten von Fledermäusen auf dem Felsboden

 

Literatur:

CDS Isère

Grottes et Scialets du Vercors, inventaire speleologique, Tome 1 le Vercors méridional, 1978

CDS Isère

Grottes et Scialets du Vercors, inventaire speleologique, Tome 2 Le Vercors nord, 1979
CDS de l'Isère, Le Parc Naturel Régional du Vercors Paysages du Vercors Souterrain, tome 3 de "Grottes et Scialets du Vercors, "Courrier du Parc" du 1er semestre 1981, édite par la PNRV
Darnier, Michel THE BOURNE GORGE - and its Caves, The International Caver (2) 1992, p 10-16
Martel, E.A. La France Ignorée, Sud-Est de la France. Paris, Delagrave, 1928
Minvielle, P. Grottes et Canyons, Ed. Denoel, Paris 1977

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