Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Santuario Madonna della Corona, Monte Baldo, Veneto, I


"Zwischen Himmel und Erde schwebend", so heißt es im Text der allgemeinen Broschüre über eine ganz besondere Felskirche am Osthang des Monte Baldo in der Region Venetien. Der liegt am Südrand der Alpen, seine höchsten Spitzen reichen über 2000 Meter über dem Talgrund an der Etsch.

Unterhalb von Spiazzi, das auf 862 m Seehöhe liegt, haben irgendwann einmal, so genau kann das keiner mehr sagen, sich Menschen auf einer fast nicht zugänglichen Felsterrasse niedergelassen und haben dort gelebt. Um das Jahr 1000 haben die ersten Einsiedler am Monte Baldo gelebt und waren mit dem Kloster des Heiligen Zeno aus Verona verbunden. Spätestens in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts war ein Kloster und ein Kapelle vorhanden, die der Heiligen Maria von Montebaldo gewidmet war. Nur durch einen "engen und gefährlichen Weg im Felsen" sei damals dieser Ort erreichbar gewesen.
Im Jahr 1522, so eine "fromme Überlieferung", sei auf eine wundersame Weise von der Insel Rhodos die "verehrte Skulptur" dorthin gebracht worden. Das war das Jahr, als sich die damaligen Herrscher in der Region, im Text der Broschüre heißt es "muslimische Invasion", andere sagen "Otomanen", andere "Türken", es sich einfach nicht mehr gefallen ließen, daß dauernd :Leute, heute würde man sie "Christliche Piraten" nennen, Schiffe überfielen und ausplünderten. Sie mußten fliehen und fanden dann in Malta Unterschlupf - und machten dort so weiter. Diese verfolgten Christenmenschen, die dann wieder anderen auf dem Pelz sitzen. Heute hat man festgestellt, daß das alles gar nicht wahr sein kann. Die Skulptur ist wohl rund 200 Jahre älter.

Dieser schwindlig machende Ort kam schon 1362 als "Kommende von San Vitale und Sepolcro", wohl des heiligen Lebens und Grabes, auf die Ritter des Heiligen Johannes oder des Heiligen Grabes über. Sie blieben sein Besitzer bis 1806 Napoleon in einem Dekret diese Rechtsposition einfach auflöste. Die Kommende kümmerte sich um den Ort. Schon 1458 wurde eine Holzbrücke gebaut, um besser zu diesem "Adlerhorst" zu kommen. Eine neue Kirche wurde schon in der Zeit von 1490 bis 1521 gebaut. 1625 baute man eine neuere und größere Kirche, 4 Meter über der alten. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts, wo man alle besser machte, als vorher, vergrößerte man wieder die Kirche und man feierte den Abschluß der Arbeiten "mit der Krönungszeremonie der Statue der Addolorata" am 17. September 1899. Auch dieser Bau hielt nicht für lange Zeit. Von 1975 bis 1978 wurde die alte Kirche abgebrochen und wieder aufgebaut. "Größer", "schöner", was? 1978 wurde ihr der Titel "Basilica minore" verliehen, 1988 kam sogar Papst Johannes Paul II vorbei - an vielen Stellen kann man heute noch Spuren sehen.

Als "Höhlenkirche" kann man diesen Ort nicht bezeichnen, vielleicht als "Felsenkirche". Auf den Kontakt zum Fels des Berges unter dessen Dach sich diese Anlage ja duckt, legt man ja offenbar gesteigerten Wert. Geht man zur sog. "Scala santa", der kultisch höchst aufgeladenen Treppe mit engen Konnotationen nach Jerusalem, so ist die ganze linke Seite der weißgekalkte Fels des Monte Baldo. Wer nicht so rein an Glauben ist, der kann den gleichen Weg nach oben auf einem Nebenweg zurücklegen. In der heutigen Hauptkirche ist die linke Begrenzung der wieder der gekalkte Fels, roh, Natur, ungebibelt. Das herunterrinnende Wasser wird in Becken gesammelt, dient wohl auch als Weihwasser.

Zeigt sich auch hier der uralte Spalt zwischen zwischen Weiblichem und Männlichem? Maria Corona - die Frau, das Weibliche, Mutter Erde, Gaia, Shakti....Schwer zugänglich, ausgesetzt, Stille und Kontemplation - versus Mann, Lärm, Geld'?

 

Auf dem Kreuzweg, auf dem man auf dem Weg nach unten stößt, gibt es eine Station, die ganz stark an die "Höhle" denken läßt, das Grab von Jesus. Ein Rollstein mit Loch drin ist da.

 

Literatur:

   

Links:

http://madonnadellacorona.it

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