Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen auf Lanzarote


Cesar Manrique - Künstler und eine Art "moderner Höhlenmensch"


Ein Wechsel von Europa nach Afrika, vom Gewohnten zum Fremden, vom Kalk zur Lava - für den Höhlenforscher. 1996 habe ich einmal für eine Woche einen Ausflug mit meinen Kindern Michael und Julia nach Lanzarote gemacht, als Pauschaltourist. Nicht nur. Ich hatte mehr vor, als immer nur am Strand oder am Pool zu liegen und meine Zeit totzuschlagen. Ich wollte auch die Höhlen der Insel kennenlernen. Möglichst viele und möglichst gut.

Ich hatte schon Vorgänger gehabt, viele. Auch Münchner. Z.B. Karl Thein. Ich erinnere mich noch gut an seine Vorträge. Zuerst waren sie spannend, zeigten uns eine fremde Welt, unabgenutzt für unsere Augen, aber dann kam doch die Ermüdung. Lava, Lava, noch mehr Lava. Irgendwann verließen wir einfach den Vortragsraum in Pottenstein. "Genug der Lava."

Lanzarote - 845 km² groß, östlichste Insel der Kanaren, 140 km westlich der afrikanischen Küste, 167.000 Einwohner. Die Hauptstadt ist Arrecife mit dem Flughafen über den die Insel mit Kontinentaleuropa verbunden ist. 
Von Nord nach Süd sind es 58 km, von Ost nach West 38 km. Es gibt zwei Gebirgszüge. Im Norden der Insel das Famara-Massiv mit dem Gipfel Peñas del Chache, 671 m,  dem höchsten Punkt der Insel, und im Süden Los Ajaches auf 608 m. Zuletzt gab es 1730 bis 1736 und 1824 starke Vulkanausbrüche, die 23 % der Inseloberfläche ein neues Aussehen gaben. Mit den Worten "Hügellandschaft mit markant aufragenden Vulkankegeln" charakterisiert WIKIPEDIA die Landschaft.

3,5 Millionen Besucher kommen jährlich auf die Insel. 160.000 Menschen leben ständig dort. 

 


"Es gibt ein paar Höhlen auf Lanzarote. Nicht so viele, aber ein Besuch lohnt sich.", das habe ich vor langer Zeit (1996) geschrieben, weil ich es nicht besser wußte. Weniger Untertreibung geht kaum.

Bilder von der Reise 1996:

 
Jameos del Agua  
Jameo de Puerta Fal
Jameo de Arriba  

Inzwischen ist die Höhlenforschung stark intensiviert worden und bedeutende Lavahöhlenkomplexe sind schon erforscht. 

Zur Zeit sind die beiden längsten Systeme:

- Cueva Escondido o Tubo Perdido im Timanfaya-Nationalpark mit 17 km Gesamtganglänge (wegen der Lage im Timanfaya-Naturschutzgebiet und deshalb verhängten Zugangsrestriktionen nur wenig erforscht)
- Corona Lava Tube System im Malpais de la Corona/Haria mit 8960 m Gesamtganglänge. Zu ihm gehören die beiden Schauhöhlen der Jameos del Agua und Cueva de los Verdes.

Jetzt weiß man, daß es dort, wie vielleicht nirgends anderswo auf unserem Planeten, die meisten unterschiedlichen Typen von Hohlräumen gibt, die vulkanischen Ursprungs sind:
- Lavatunnels (Pyrodukte)
- Anchialinhöhlen (Höhlen mit einer unterirdischen Verbindung mit dem Meer)
- mehretagige Lavahöhlen
- inflationary? Einrohr? Höhlen
- komplexe labyrinthische Pyrodukte
- Lava- und Gasdome
- Magmakammerhöhlen
- Brandungshöhlen in vulkanischen Material
- Lavaseehöhlen
und weitere Arten.

Die Gesamtzahl wird momentan mit über 250 angegeben. 

Das 22te Internationale Symposium für Vulkanspeläologie im November 2026 bot die Gelegenheit, etwas über den neuesten Stand der Forschung zu erfahren. 


Literatur:

Fischer's Lanzarote/Fuerteventura Reiseführer, Hamburg 1995
Liebs, Holger Fieberträume im Gewölbe, Süddeutsche Zeitung Nr. 203, Seite V2/3, 4. September 2001
ohne Verfasserangabe GROTDUIKNIEUWS, Speleo Nederland 3-1984, S. 18
Middleton, Terry The Lava Caves of Lanzarote. Caves & Caving. (35). pp 36-8
Glanville, Peter Canary Caves, DESCENT (120) OCT/NOV 1994 pp 20-2

Links allgemein:

Links speläologisch:


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