Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Höhlen in der Region um Hastings - Ida Bay, Tasmanien


Eingang Mystery Cave


Südlich von Hobart, der Hauptstadt Tasmaniens, führt eine gute Teerstraße Richtung South East Cape, dem südlichsten Punkt Tasmaniens. Kurz nach der Abzweigung nach Hastings hört der Teer als Straßenbelag auf und wir haben wieder eine der gravel roads vor uns. Dort liegt eine ganz kleiner Ort, Ida Bay, wo eine kleine Bahnstation noch steht und wohl an vergangene viel bessere Zeiten erinnert.

Im Hintergrund erhebt sich ein unscheinbarer kegelförmiger Berg, der Mount Ida. Der hat es unterirdisch in sich, denn dort befindet sich die längste Höhle Tasmaniens, die Exit Cave, mit rund 30 km Gesamtganglände. Die ganze Region ist heute Nationalpark und der Zugang zur Höhle nur mit Genehmigung möglich. Auf der anderen Seite des Berges liegt der Zugang zu einer weiteren Höhle, der Mystery Creek Cave. Eine Verbindung zwischen beiden zu finden, das sei eines der klassischen Höhlenforschungsprobleme Tasmaniens, da sie nicht weit von einander entfernt sind.

Wer keine Informationen bereits über die Höhlen mitbringt, dem werden sie vor Ort auch nicht geliefert. Man muß schon wissen, welchem der ungeschotterten Wege in die Waldlandschaft am Fuße des Mount Ida folgen muß. Irgendwann kommt ein kleiner Parkplatz, hört die Straße auch kurz darauf an einem großen Gitterzaun auch endgültig auf. Ein kleines Holzhäuschen steht da auf einmal und dort steht einiges über die Höhle. Ein Tourenbuch ist dort auch in einem Kasten, wo man sich eintragen soll. Der Weg führt auf der ehemaligen Trasse einer Schmalspureisenbahn entlang durch den Wald. Sie stammte aus der Zeit, als man einen Kalksteinbruch dort in Betrieb hatte, der längst aufgelassen ist. Ein Bächlein wird brückenlos überquert, dann verzweigt sich der Weg. Nach rechts geht es auf eine Hikingtour in die Berge, nach links zeigt ein Holzwegweiser zur Mystery Creek Cave. Vom Besuch ist vorher schon abgeraten worden, weil ein Hochwasser in der Höhle labile Zustände geschaffen hätte, die erst noch von den Behörden geprüft werden müßten, bevor die Höhle eventuell wieder zum Besuch frei gegeben werden könnte. Das war schon vor einem Jahr und nachher ist nichts mehr passiert.

Wir haben es im August 2006 selber mal in Augenschein genommen. Mit Gavin Bratt, dem "president" des Southern Tasmanian Caverneers Club aus Hobart hatte ich telefonisch vereinbart, daß wir mit dortigen Höhlenforschern in die Höhle gehen könnten. Es kam zu einem kleinen Mißverständnis und so zogen wir zwei, Alfred und ich, alleine erst einmal los und trafen die Tasmanen erst, als wir schon wieder die Höhle verlassen wollten. Soviel wie wir von der Höhle gesehen haben, war überhaupt keine Schwierigkeit vorhanden. Ein gewaltiger Tunnel nimmt einen auf und in ihm kann man vorwärtsschreiten, nicht ganz. Ein Bach verschwindet ja in der Erde und dessen Lauf verfolgt man ja in der Höhle. Will man keine nassen Füße bekommen, so gilt es die tiefen Gumpen zu umgehen und auf Trittsteinen balanzierener Weise geschickt immer wieder die andere Höhlenseite zu erreichen. Nach etwa 200 m drehten wir wieder um, weil das immer nur so weiterzuführen schien. Wie wir später hörten, stimmt das nicht. Das Wasser versickert im Höhlenboden und es tun sich etliche trockene Gänge noch auf. Es gibt auch noch einen zweiten Zugang von oben, der in mehreren Schächten mit insgesamt ca. 200 m Tiefe Verbindung mit dem großen Hauptgang hat.


Naturschaumdecke auf dem Höhlenbach
 

Bei Hastings liegt ein weiteres bedeutendes Karstgebiet, das für den Besucher eine Schauhöhle bietet und ein Thermalwasserbad. Im großen Besucherhaus, des Hastings Visitor Center, kann man die Eintrittskarten für beide Einrichtungen bekommen und sich auch noch gastronomisch stärken. Das Wasser im Becken ist eher lau als wirklich warm, aber die Tasmanier, bei denen es ja eher schon kühl normalerweise ist, mögen das anders empfinden. Jedenfalls waren die heißen Duschen in den Umkleidekabinen ein viel größerer Genuß.

 

Mit dem Auto muß man dann noch ein paar Kilometer weiter in den Urwald fahren, ehe an einem Parkplatz dann endgültig Schluß mit der Bequemlichkeit ist und man nur noch zu Fuß weiterkommt. Auf sehr gepflegten Wegen wird der Besucher durch den verwilderten Wald geführt, der den Karst darunter bedeckt. Unmittelbar am Eingang zur Newdegate Cave steht noch einmal ein Häuschen mit einem großen Dach darüber, wo die Touristen auf die Führungen warten können. Vermutlich hat das Dach seinen guten Sinn, denn es regnet oft in Tasmanien, stark hab ich gehört, "bucketing". Im August 2006, als ich mal die Gelegenheit hatte, dort zu sein, war es ausnahmsweise mal anders. Wir hatten das schönste Winterwetter in Tasmaniens, das es jemals seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gegeben hatte. Sunshine, sunshine, sunshine. Und da es Winter war, gab es auch keinen Touristenrummel. Nur ein älteres Ehepaar war außer mir und Alfred bei der Führung mit dabei. Der Mann hatte Gehprobleme und verzichtete nach dem ersten Treppenabstieg in die Höhle auf die weitere Tour. Nette Geste der sehr freundlichen Führerin: Sie sagte, daß der Mann sich dort sein Eintrittsgeld wieder zurückzahlen lassen sollte, weil er ja fast nix gesehen habe. Mit dem Geld könne man doch was besseres machen, z.B. sich ein gutes Essen gönnen.

Die Höhle ist rund 1,5 km lang und man bekommt rund 300 m davon zu sehen. Gezeigt wird ein großer Raum und einige kleine Nebenräume. Viele schöne Sinterformen sind zu sehen in einem verblüffend gutem Erhaltungszustand für eine Höhle, die seit rund 100 Jahren bekannt ist, insbesondere viele feine Sinterröhrchen. Unser Glück war, daß wir eine sehr sachkundige Führerin dabei hatten, Alice Liddell, und als wir ihr kundtaten, daß wir "cavers from Germany" waren, zeigte sie uns noch ein paar mehr Speläoschmankerl sowohl geologischer als auch biologischer Art. Da leben ein paar Höhlenspinnenarten, die gibt es nur dort und nur an ganz bestimmten Stellen in der Höhle und sonst nirgends anderes auf dieser Erde. Und ausgerechnet, als wir dann hinschauten, dann waren diese kleinenn Viecherl sogar zum Sehen! Besonders eindrucksvoll fand ich die winzig kleinen Würmer, die sich in einem völlig unscheinbaren Tümpel an einer Betontreppe tummelten. Da würde man normalerweise nie auf die Idee kommen, daß da was zum Sehen wäre! Auf meine Frage, ob es nicht noch andere Höhlen in der Umgebung geben würde, bekam ich gleich eine 100ige Antwort. Nach der Führung stieg Alice mit uns hinein in die Wildnis über Stock und Stein, meistens eher waren das kreuz und quer liegende Baumstämme, und führte uns zum Eingang einer Ponorhöhle in der Nähe, irgendwas mit Waterloo hab ich verstanden, deren Wasser in die Newdegate Cave fließt. Die Orientierung in diesem Biochaos war nur möglich, wenn man den kleinen Stoffschleifenmarkierungen folgte, die hie und da an Bäumen und Sträuchern angebracht waren. Ohne sie hätte man sich hoffnungslos verlaufen können. Der Freund von Alice wartete schon auf dem Parkplatz, und wie sich herausstellte, war auch er ein Höhlenforscher, genauso wie Alice, unsere Führerin. Gleich war ein persönlicher Kontakt hergestellt.

In diesem Wald liegt die Newdegate Cave verborgen
Der Weg durch den Urwald
Der Höhleneingang
Die Einstiegstreppe
Eine Tropfsteingruppe spiegelt sich in einem Tümpel

 

Alice und Alfred am Eingang zum Wasserschlinger

Noch ein kleines Naturwunder ist in der Hastingsregion zu besichtigen, der Duckhole Lake. Es handelt sich, laut Beschreibung, um ein "flooded sinkhole", das auf einem bequemen Wanderpfad durch idyllischtes Waldgelände in einer halben Stunde erreichbar ist. Fast kreisrund sieht der an den Rändern völlig zugewucherte See aus, der oberirdisch keinen Abfluß zu haben scheint.

Literatur:

Natural Heritage Trust Tasmania's 60 Great Short Walks, 2002

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