Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Pictures/Photos I haven't seen before / Bilder/Photos, die ich noch nie, vorher, noch (so) nie gesehen habe

- und sie deshalb manchmal erst selber herstellen muß


There is nothing new under der sun.... Ecclesiastes 1:9 

So lasse ich mich durch die Lektüre im Internet belehren. Bei den Büchern steht wohl auch nichts anderes drin. Gibt es also nichts wirklich "Neues" mehr?

Ich erinnere mich noch an eine Englischvorlesung vor vielen Jahren an der Universität in München, wo sich der Dozent eine ganze Vorlesung lang mit dem Ausdruck "There is" auseinandergesetzt hat. All die Unterschiede zwischen "There is", "It is" usw. auseinandergenommen hat. 

Hier heißt es: Ich habe sie noch nie gesehen. Ein anderer, vielleicht, schon, vielleicht auch nicht. Oder: So habe ich es noch nie gesehen. Die Zahl von Blickwinkeln, von Ausschnitten usw. wird erweitert. Die uns einmal vorgehaltenen, vorgespiegelten, vorgemachten Eindeutigkeiten machen allmählich Platz einer immer größeren Komplexität. Klares wird trüb, Einfaches unlösbar, Verständliches verunsichernd. Hartes weich, der Teil in seiner Ausschnitthaftigkeit sichtbarer, das "Ganze" zerbröckelt immer mehr in Teile, sofern es jemals so etwas wie ein Ganzes vielleicht gegeben hat, was auch in Frage zu stellen ist. 

Langsam erkenne ich, daß ich seit langem danach suche, die ausgetretenen Pfade der Höhlenphotographie zu verlassen. Geht das denn überhaupt? Vor vielen Jahren hat schon Stephan Lang auf einem HÖPHO  die Anregung gegeben, einmal über die Zukunft der Höhlenphotographie nachzudenken. Immer wieder die gleichen Dinge immer raffinierter aufnehmen? Den Blitz von hinten dazugeben....Den Effekt kennen wir jetzt schon in- und auswendig. Gibt es noch mehr? Das Modell einen roten Schlaz anziehen lassen. ....Damit läßt sich eine ganze "Schule" begründen. Lassen sich Regeln für optimale Höhlenphototechniken herausdestillieren, lehren und weitergeben. 

Bloß "Kunst" ist das nicht, weil sie mehr als "Technik" ist, zumindest so wie ich sie sehe.

Es gilt weiterzudenken, weiterzumachen, zu experimentieren, sich auch zu exponieren.

Als ich zum Internationalen Höhlenphotographengtreffen in Carlsbad/USA meinen Beitrag für eine gemeinsame Photoschau gesendet hatte, bekam ich ein Mail der Organisatoren zurück, ob ich nicht eine anderes Bild als das von mir gewählte schicken könnte. Ich suchte ein konventionelleres aus, aber am Ende hatten die Verantwortlichen dann doch "getraut", meinen Erstvorschlag zu realisieren! Ich meine, daß "Künstler", die diese Bezeichnung verdienen, an Grenzen zumindest rühren, wenn sie nicht überhaupt überschreiten. Ist er mit solcher einer Grenzüberschreitung erfolgreich, dann brechen gelegentlich die Dämme und viele strömen hinterher.

Der "Künstler" hat dann ein neues Problem: Soll er sich treu bleiben und seinen Stiefel weitermachen, aber den machen ja viele einfach nach, das "Plagiatorenproblem", die Nachmaler, oder er macht sich wieder auch die Reise, die Suche und erkundet das "Unbekannte", wobei die Frage ist, wo das denn eigentlich noch sein könnte.


   

 

 


 

Links:

https://www.biblegateway.com/passage/?search=Ecclesiastes%201%3A9&version=NIV

Höhlenphotographie

 


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