Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

"Höhle" und verwandte Wörter - Zitate


Wo kommt überall das Wort "Höhle" im geschriebenen Text vor? An schier unendlich vielen Stellen. Trotzdem mache ich hier einmal einen kleinen Versuch, einige Stellen einmal gesammelt zusammenzutragen, die mir für wichtig erschienen sind. Was am Ende dann herauskommt, wird sich zeigen. Ich fange einmal an....

"Die Nacht schlich im Schatten um mein Zelt und bildete sich im Inneren groß ab gegen die Wände aus Tierhaut. Jemand schlug eine Trommel, ein Indianer öffnete den Mund, sprach sehr leise. Der Tumor war mein Monster. Ich war seine Höhle. Aus mir lugte er, um mein Kind zu ängstigen. Ich stellte mich davor, vergaß, weshalb ich wen schützen wollte."  Gomriger, ach 27
"Die Wort "Höhle" weckte daher im Chinesischen von vornherein weniger die Assoziation der "Grotte", also einer geschlossenen Wölbung im Fels oder Erde, die als vorübergehendes Versteck dienen kann, als vielmehr die eines "Durchgangs", eine "Übergangs". Nicht das Dunkel der Höhle an sich, so geheimnisvoll es auch sein mochte, zog die Aufmerksamkeit auf sich, sondern das weit hinten an ihrem Ende schimmernde Tageslicht, das eine neue Welt verhieß."  Bauer, China 2
HIER DIE WELT
"Dieser halbe Globus...
Diese Kuppel aus Haut
überm Gewölbe des Fleisches
diese Höhle unterm Herzen
von Engeln mit weißen Kreuzen bemalt
mit tausenden schwimmenden Sonnen.." 
Fels, S. 140
"Auch der Wuinsch nach Abgrenzung vom Durchschnitt, der im Wohnzimmer am sichtbarsten wird, ist so weit verbreitet, dass er selbst schon wieder durchschnittlich ist....Es geht um eine Höhle, in die man sich schutzsuchend zurückzieht. Egal, was heute technisch machbar ist - die Kugel, das gläserne Haus, fließende Grenzen zwischen Innen und Außen. Am Ende sorgen all diese Spielereien bei den meisten Menschen für ein gewisses Unbehagen, man hängt im wahresten Wortsinn nach wie vor an vier Wänden..."  Wichert, Zywietz, The Germans 25
"Lobe den Herrn.....Wenn aber die Sonne aufgeht, heben sie sich davon und legen sich in ihre Höhlen, und der Mensch geht an seine Arbeit und an sein Ackerwerk bis an den Abend."  Dürrenmatt, Der Meteor, S. 1189
"Beide Mediziner sehen das Fasten als stark verankerte Erfahrung des Menschen. Das Genmaterial habe sich vor Tausenden Jahren daran gewöhnt, "dass wir auch mal nichts essen, während wir von einer Höhle zur nächsten marschieren", erklärt Melchart."  Haas, Hunger in der Höhle R2
"Aber ein Wombat beherrscht zwei Dinge, die kaum ein Soziologe vermag: Er kann mit dem fettgepolsterten Hintern seine Höhle versperren, und gleichzeitig 40 Stundenkilometer schnell laufen.Eine positivere Dialektik hätte sich auch Adorno nicht ausdenken können."  ohne Verfasserangabe, DAS STREIFLICHT, Süddeutsche Zeitung am Wochenende Nr. 46, 24./25. Februar 2018, S. 1
"Das Elentier, das der Mensch der Steinzeit an den Wänden seiner Höhle abbildete, ist ein Zauberinstrument. Es stellt es zwar vor seinen Mitmenschen aus, vor allem aber ist es Geistern zugedacht."  Benjamin, Kunstwerk 22
"Die Regenzeit hatte sich indessen eingestellt, und wie es alljährlich bei derselben der Brauch war, verkroch sich alles in seine Häuser und Höhlen, was nicht unmittelbar von dem Lose getroffen war, hinaus in die Ferne zu müssen, um die Geschäfte zu besorgen."  Stifter, Abdias 71
"Dass Vorsorge getroffen werden muß, die Gattung eines so großen, erhabenen und gottähnlichen Wesens, wie der Mensch es ist, zu erhalten - dies zu bestreiten, liegt mir ferne - allein, die Philosophie spricht offen über alle Dinge; und darum meine und behaupte ich noch immer, es ist beklagenswert, daß dies vermittels der Leidenschaft geschieht....eine Leidenschaft, mein Schatz, fuhr mein Vater an meine Mutter gewandt fort, welche die Weisen mit den Törichten paart und einander gleichstellt und uns aus unseren Höhlen und Schlupfwinkeln hervorkriechen läßt, mehr Satyrn gleich und vierfüß'gem Getier den Menschen."  Sterne, Tristam Shandy 688
"Die deutsche Seele hat Gänge und Zwischengänge in isch, es gibt in ihr Höhlen, Verstecke, Burgverließe; ihre Unordnung hat viel vom Reize des Geheimnisvollen; der Deutsche versteht sich auf die Schleichwege zum Chaos." Nietzsche, Auswahl, N. und die Deutschen 77
"Stellen Sie sich eine jungsteinzeitliche Gemeinschaft mit einer besonderen, praktischen Problemstellung vor - sagen wir, wie sie Feuer machen soll, um die Höhle zu heizen und Büffelfleisch zu kochen, als Hauptnahrungsmittel der Gemeinschaft." Berger, Zijvderveld, Lob des Zweifels 20
"Dieses Innerhalb gelte genau. Schon die Innenseite verschiedener organischer Röhren und Höhlen falle nicht mehr darunter, weil sie als Aussparungen der Person begriffen würden." Enzensberger, Schmutz 8
"Höhlen sind ein Guckloch in die oberste Schicht der Erdkruste." Charisius, Bauch der Erde 32
"Jede Höhle hat ihre eigene Chemie, die sie einzigartig macht." Charisius, Bauch der Erde 33
"Hannah Arendt.In einem langen, allegorischen Bekenntnisbrief, dem sie den Titel "Schatten" gibt, hält sie Heidegger gegenüber die beglückende Zerrissenheit ihres Zustandes fest. Einerseits fühle sie sich durch diese Liebe von dunkler Vereinzelung und Uneeigentlichkeit befreit, ihr Dasein wie aus einer Höhle endlich ans Licht des Tages geführt. Andererseits formulierte sie ernste Zweifel, ob sie unter dem rauschhaften Einfluss gerade dieses Dämons jemals wahrhaft zu sich selbst finden könne." Eilenberger, Zauberer 216
"(Benjamin, Lacis, Neapel) In den Felsengrund selbst, wo er das Ufer erreicht, hat man Höhlen geschlagen. Wie auf Eremitenbildern des Trecento zeigt sich hier und da in den Felsen eine Türe. Steht sie offen, so blickt man in große Keller, die Schlafstelle und Warenlager zugleich sind. Weiterhin leiten Stufen zum Meer, in Fischerkneipen, die man in natürlichen Grotten eingerichtet hat. Trübes Licht und dünne Musik dringt abends von dort nach oben. Porös wie dieses Gestein ist die Architektur..." Eilenberger, Zauberer 228
"(Benjamin, 1929) Passagen...Weder ganz Innenraum noch Teil des Straßenbildes, sind die Passagen räumlich gezielt als jede Grundunterscheidung nivellierende Schwellenorte angelegt. Halb Höhle, halb Haus, halb Gang und halb Zimmer." Eilenberger, Zauberer 380
"Ganz früher gab es die Höhlenmalerei, da war die Welt noch in Ordnung. Jemand  hat ein Bison gezeichnet, ein anderer hat es gesehen und sich seinen Teil dazu gedacht. Irgendwann war die Wand voll mit Bisons, dann musste eine neue Höhle her. Kommunikation hat immer auch Grenzen." Erbersdobler, Julia, Achtung, Durchsage - Wie Sprachnachrichten die Kommunikation erschweren, Süddeutsche Zeitung Nr. 288, 14. Dezember 2018, PANORAMA, S.8
"In diesen Tagen schleppten ihre Diener Hausrat, Kleider und Körbe voll Brot, Dörrfleisch und Früchten in eine Höhle, deren Eingang zwischen turmhohen, von Möwen und Pelikanen gefiederten Klippen lag.....Alcyone blieb mit einer Magd, einer Freundin, im Dunkel der Höhle zurück, während an der Küste draußen die Herrschaft des Verschollenen verfiel..Alcyone ...hockte vor der Eingang der Höhle oder am Strand, starrte hinaus und sprang plötzlich auf und lief im seichten Wasser die Kämme der Brandung entlang und weinte und keuchte, bis die Magd sie einholte und die Tobende, die keinem Zuspruch und keinem Trost mehr zugänglich war, in die Arme nahm..." Ransmayr, Die letzte Welt 32
"Dann zog die Gruppe durch den Wintertag hohergelegenen Höfen entgegen, aber Marthe wollte wirklich nach Bethlehem, dem Komet und den Hirten folgend, zur Höhle, Jesus im Stroh berühren. Sie wußte, daß es möglich war." Heller, Auf und davon  79
"Auch Marlen Haushofers Erzählerin kennt die Phantasie, sich zum Sterben in eine Höhle zurückzuziehen, um nie gefunden zu werden, eine Mühe, die sich in der absoluten Einsamkeit erübrigt." Strigl, Krambambuli 113
"Echo blieb in der eisernen Stadt, schlief bis tief in den November unter freiem Himmel und flüchtete sich dann vor den Winterstürmen in den innersten Raum einer Ruine, die im Schatten eines Felsüberhanges lag, in einen dunklen, unzerstörbaren Raum, der zur Hälfte aus dem Urgestein geschlagen war, mehr Höhle als Zimmer. In dieser feuchten, lautlosen Abgeschiedenheit, die Echo seit dieser Zeit bewohnte, lag sie manchmal tagelang bewegungslos und  litt an einem tobenden Kopfschmerz.....Viehhirten wie Erzkocher suchten sie im Schutz der Dunkelheit manchmal in ihrer Höhle auf, um sich in Echos Armen, fern von ihren harten, geplagten Frauen in Säuglinge, in Herren oder in Tiere zu verwandeln." Ransmayr, Die letzte Welt 91
"Aber weil keiner dieser nach Ruß und feuchtem Stroh stinkenden Liebhaber verstand, daß der Römer und die Schuppenfrau durch die Demütigung, durch die Scham und den Ekel einer einzigen Nacht für immer getrennt und nur noch durch Worte, Erinnerungen an Naso, miteinander verbunden waren, begannen sie Cotta für einen der ihren zu halten, grinsten ihm zu und fühlten sich mit ihm vertraut: Der da wollte von dem Weib in der Höhle das gleiche wie sie, wie jeder. Wortlos ließ Echo ihn dann zurück, nahm eine Korbflasche, einen Zopf Wolle oder ein Huhn, dessen Schnabel zugebunden war, aus den Händen eines Verehrers entgeggen und verschwand mit ihm im Schatten der Felsen und Mauern." Ransmayr, Die letze Welt 136f.
"Er schrie im leeren Dunkel der Höhle nach ihr und geriet über die Unerfüllbarkeit seiner Erwartungen in eine solche Wut, daß er zertrat und zerschlug, was noch nicht zertreten und zerschlagen war.....Als Tereus der Schlachter im Morgengrauen sein Hoftor aufschlug und fluchend durch die Gasse heraufkeuchte, um den Betrunkenen endlich zum Schweigen zu bringen, glich Echos Höhle keiner menschlichen Behausung mehr. Schon am Eingang schlug Tereus der Gestank von Scheiße entgegen." Ransmayr, Die letzte Welt 158
"Zwar sprach er noch lange nach dieser Verwandlung vom Weiterziehen und vom Reisen, von den Oasen Afrikas, von Passatwinden und Dromedaren, grub sich dabei aber doch immer tiefer in den Felsengrund der eisernen Stadt ein und erweiterte mit Schwarzpulver und Meißel eine Höhle unterhalb seines Hauses zum Keller, in dem er sauren Wein und Zuckerrübenschnaps lagerte und zu jeder Tages- und Nachtzeit Gäste bewirtete." Ransmayr, Die letzte Welt 229
"Das Lichtermeer bildete einen einzigen Körper. Die auf seiner Oberfläche überall verstreuten Lichter, deren Nähe oder Ferne man nicht schätzen konnte, die ein einziges, nur aus Licht gewobenes, durchscheinendes riesiges Gebäude geworden waren, dem kompliziert geformte Hörner wuchsen, die Seitenflügel auschwingend, schienen sich mir mitten in der Nacht in den Weg zu stellen. Das war wirklich eine Stadt. Wie eine große schwarze Höhle war nur der Park um den Kaiserlichen Palast ohne Licht." Mishima, Tempelbrand 89
"Die westliche Seite des Vorgebirges bestand ganz aus Kalkstein, und hier der Eingang zu einer Höhle, die einen der geheimnisvollsten Plätze auf Uta-jima darstellte. Der Eingang zur Höhle war klein....  Mishima, Die Brandung 227
"Kritiker würden jetzt sagen, dass das Klettern aber eben nicht in der Natur stattfindet, sondern an Plastik in der Halle.
Aber Klettern ist mittlerweile urban geworden. man darf sich solchen Tendenzen nicht verschließen. Ohne eine Weiterentwicklung wäre die Menschheit wahrscheinlich noch in der Höhle. Klar, man muss das kritisch hinterfragen. Aber auch der DAV hat von der Urbanisierung des Kletterns profitiert.."
Urs Stöcker, Bundestrainer für Klettern, in einem Interview, in: Regel, Nadine, "Man darf sich solchen Tendenzen nicht verschließen", Süddeutsche Zeitung Nr. 117, 21. Mai 2019, Sport in der Region, R10
"Jetzt, wo ich weiß, was ich von ihm zu wissen verlangte, jetzt, wo er spüren sollte, daß es keiner Lockmittel mehr bedarf, damit ich ihn aufsuche, jetzt könnte etwas anderes beginnen. Und da mir nach jedem Zusammensein in seiner Höhle gewesen ist, als hätte ich geträumt und die Gestalt im schwarzen Morgenrock nicht wirklich wahrgenommen, muß den Vater fürs erste aus der Höhle holen. Morgen ist auch ein Tag, hat Vater gesagt." Werner, Festland 137
"Es ist kalt. Der Winter hockt in diesen Höhlen, und kaum kommt der Abend, lösen sich die Geister." Bärfuss, Hagard 74
"Nichts ist wahr, alles ist erlaubt"...Wohlan, das war Freiheit des Geistes, damit war der Wahrheit selbst der Glaube gekündigt...Hat wohl je schon ein europäischer, ein christlicher Freigeist sich in diesem Satz und seine labyrinthischen Folgerungen verirrt? Kennt er den Minotaurus dieser Höhle der Erfahrung?...Ich zweifle daran. Nietzsche, Die Geneologie der Moral 397
"Ja, noch ein Mal muss Zarathustra in seine Einsamkeit: aber unlustig geht diesmal der Bär zurück in seine Höhle!" Nietzsche, Also sprach Zarathustra, zitiert nach Meier, Was ist.. 105
"Braschs gut gemeinter Ruf war so laut
Wie verzweifelt, Bären in den Freigehegen
Am Tierparkeinge, gerade erwacht
Aus dem Winterschlaf, verkrochen sich knurrend
In ihre künstlichen Höhlen, Kassiererinnen
Der nahe gelegenen Konsum-Kaufhalle stürzten
In Kittelschürzen aus DEDERON
Vor die Tür und unterstützten den Dichter
In seinem Appell, auch Rentner...
Steffen Mensching, Eine Episode der ostdeutschen Literaturgeschichte, in: die horen, 2019, S. 64
"Don, Peter, Hannah und Karen
Die von jetzt an ihre Zeit nach der Schule und an den Wochenenden gemeinsam verbrachten. Sie hatten ihre Familie gefunden. Den Ort, der einer Höhle glich, die transportabel immer bei ihnen war. Sie hatten
Einander erkannt. Als Außenseiter, als Randgruppenerscheinung, als Aussätzige, und das war erstaunlich genug, denn normalerweise erkennen sie einander nie, die am Schulhofrand Stehenden. 
Sibylle Berg, BRM Brainfuck, S. 92
"Wenn das Licht gelöscht ist, der Fernseher läuft, jeder mit seiner kleinen Nachttischleuchte noch irgendetwas tut,  lesen oder denken oder einfach noch nicht schlafen. Ich will noch nicht schlafen. Der Moment, in dem es ist wie ein (? - in) einer Höhle, in dem wir wie gemeinsam atmen, soll nicht aufhören. Die Minuten, bevor jeder mit sich alleine Held seiner Albträume ist, bevor man aufwacht am Morgen in einem Licht, das zu hell die Planlosigkeit und Einsamkeit der Gruppe beleuchtet." Sibylle Berg, BRM Brainfuck S. 446
"Immer schneller, immer teurer wird alles, und Sie haben gut reden. Wie soll man da aussteigen? In eine Höhle ziehen nach Lanzarote, bewusst Keime lutschen. Und rauchen darf man auch nicht mehr." Berg, Wie halte ich das nur alles aus? 129
"Nur geht das nicht: hör selbst, wie deine Rede ins Ungewisse sich verläuft, so wie seine sich verlief, in eine Art von Erraten, ungefähr: er füllt den Mund; seine Größe muß er also in etwa haben; nur nachdem dessen Inneres, ich weiß nicht was ist, eine Höhle von großer Höhe, vielleicht ist Grotte das bessere Wort, weil mit einem Mal erfüllt von Farben oder auch Reflexen, die sich an ihrer Decke spiegeln, und dann wieder nicht mehr; dahinter oder auch darunter, schwer zu sagen, eine Rutschbahn, in der das alles verschwindet, verschluckt wird, man nennt sie Schlund, es ist darin nicht recht geheuer, es ist dunkel, es rumort, es arbeitet, wie in einer Schmiede oder auch einer Fabrik, nur was stellt sie her, in einer unterirdischen Gegend, man könnte fürchten, die Hölle liegt nicht allzufern - also ich wäre da lieber nicht, sagst du, ich bleibe, solange ich kann, in der Grotte, und wenn anderswohin, dann ganz sicher ins Offene und nicht dort hinunter." Enzensberger, Nicht Eins 199
"Ihre Wohnung ist wie eine Höhle, in der man überwintern möchte. Gedämpftes Licht, dunkles Parkett, tiefe Sofas. Katja Eichinger serviert Tee..." Rest, Tanja, Interviewer, Katja Eichinger über KLEIDER, Süddeutsche Zeitung Nr. 74, 28./29. März 2020, S. 56
"Unser Körper hat sich seit damals kaum verändert.
Stimmt, er funktioniert noch immer nach mehr oder weniger den gleichen Prinzipien wie damals in der Höhle. Trotzdem ist das ein großes Mißverständnis."

(Wir haben immer dieses Bild unserer unglaublich fitten Vorfahren im Kopf, den Jägern und Sammlern, die immerzu kletterten und rannten. Der scheinbar logische Schluß daraus isst: Auch wir müssten nichts lieber tun, als ständig zu trainieren - und dass wir das aber nicht tun, weil wir degeneriert sind und den Bezug zur Natur verloren haben.)

"Wir sind faul geboren" - Harvard Professor Daniel Liebermann erklärt, warum Fitnesstraining wider die menschliche Natur ist - und wie Sportmuffel sich dennoch überwinden können / Interview von Alexandra Bröhm, Süddeutsche Zeitung Nr. 218, 21. September 2020, Panorama, 8
"Xi Jinping...Der Sohn wird ins Hinterland geschickt, als Landarbeiter. Der Sonderzug nach Osten endet in dem kleine Dor in den Bergen, Zentralchina, unweit des Gelben Flusses. Seit Jahrtausenden lebt man hier in Höhlen, fensterlos, nur ein paar Schritte lang. Ein Tisch mit Teetassen, ein Bett, eine Öllampe, Schwarz vor Ruß der lehrsame Xi. An der Lehmwand ein Bild von Mao: "Völker der ganzen Welt, vereinigt euch. Gegen die US-Aggressoren und ihre Lakaien", steht drauf....Das letzte Foto wird in der zweiten Höhle gemacht, in der Xi einst gewohnt hat. Sie liegt am Ende des Dorfes, hinter der letzten Kreuzung links. Darin wieder ein Schreibtisch, eine Kommode, wieder ein Bild über dem Bett. Es ist keines von Mao, ander Wand hängt jetzt Xi Jinping." Deuber, Leo, Wie es ihm gefällt, SZ Nr. 247, 26.10.2020, S. 3

 

Verwandte Wörter:

"Ich meine, er sagte auch, ich solle alles bedachtsam tropfen und wachsen lassen, wie ein Stalaktit oder so; denn Erinnerung, das kann auch eine Falle sein, eine Gefahr, zumal die Zeit nichts, aber auch gar nichts heilt." Lenz, Deutschstunde 18

 


 

Literatur:

Bärfuss, Lukas Hagard, Wallstein-Verlag, Göttingen 2017
Bauer, Wolfgang China und die Hoffnung auf Glück, dtv, München 1974
Benjamin, Walter Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, Suhrkamp, Frankfurt a.M., 4. Auflage, 2015
Berg, Sibylle BRM Brainfuck, Köln, 3. Auflage 2019
Berg, Sibylle Wie halte ich nur alles aus?, Hanser, München 2013
Berger, Peter L., Zijderveld, Anton Lob des Zweifels - Was ein überzeugender Glaube braucht, Kreuz, Freiburg im Breisgau 2010
Charisius, Hanno Im Bauch der Erde, Süddeutsche Zeitung Nr. 178, WISSEN, 4./5. August 2018, S. 32f."
Dürrenmatt, Friedrich Der Meteor, in: Die Stücke, Diogenes, Zürich 1998, 2015
Eilenberger, Wolfram Zeit der Zauberer, Klett-Cotta, Stuttgart 2018
Enzensberger, Christian Größerer Versuch über den Schmutz, dtv, München 1970
Enzensberger, Christian Nicht Eins und Doch - Geschichte der Natur, Die Andere Bibliothek, Berlin 2013
Fels, Ludwig Egal wo das Ende der Welt liegt, Gedichte, JungundJung, Salzburg und Wien 2010
Gomriger, Nora ach du je, edition spoken script, Luzern 2015
Haas, Julia Hunger in der Höhle, Süddeutsche Zeitung Nr. 37, 14.02.2018, Thema des Tages, R2
Heller, André Auf und davon, dtv, München 1983
Lenz, Siegfried Deutschstunde, Hamburg, 1. Auflage 2018
Mischima, Yukio Der Tempelbrand, Paul List Verlag München 1961
Mischima, Yukio Die Brandung, in: Gesammelte Erzählungen, Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 1971
Nietzsche, Friedrich Auswahl aus seinen Werken, Velhagen & Klasing, Deutsche Ausgaben 269, Bielefeld und Leipzig 1933
Nitzsche, Friedrich Die Genealogie der Moral, in: Friedrich Nietzsche, Hamburg 2014
Ransmayer, Christoph Die letzte Welt, S. Fischer, Frankfurt a.M. 1988
Sterne, Laurence Leben und Ansichten von Tristam Shandy, Gentlemann, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. Main 2010 (Übersetzung Michael Walter)
Stifter, Adalbert Abdias, artus-Verlag, München, 2. Auflage 1994
Stringl, Daniela Vom Krambambuli bis Bambi, in: Liessmann, Konrad Paul, hrgs. von, Tiere, Philsophicum Lech, Zsolnay, Wien 2013
Werner, Markus Festland, Residenz-Verlag, Salzburg - Wien 1996
Wichert, Silke, Zywietz, Nino The Germans - Stil und Ikonen einer Nation, teNeues, Kempen 2017

 

 

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