Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Ins Waldviertel


Sich für die Höhlen im Waldviertel zu interessieren, ich kann mir nicht vorstellen, daß diese Idee gerade "in" ist. Zumindest großflächig. "Kleinflächig", bezogen auf Willi Adelung und mich, war das der Fall, besonders heftig vom 6. bis 7. September 2000.

Es war schon Nachmittag, als wir endlich das Ziel unseres langen Bemühens erreicht hatten, den Durchschlupf durch den "Herzstein" bei Sankt Oswald. Ein sehr sehenswerter Granitfelsen, der eigentlich leicht zu finden ist, weil der Weg dorthin gut beschildert ist, wenn man mal dort ist. Aber.... Willi hatte den Hinweis auf der Herzstein aus der Website "Mystisches Waldviertel" im Internet. Da stand etwas von St. Oswald und er hatte ein St. Oswald in der Nähe von Passau auf der Karte ausgemacht. Wir fuhren zusammen hin und wurden frustriert. Ein St. Oswald gab es da schon, aber keinen Herzstein. In einer Wirtschaft erkundigten wir uns und bekamen den Hinweis, daß es im Mühlvierteil noch ein St. Oswald geben würde. Aha, das mußte es sein. Wir fuhren 70 km weiter, erreichten St. Oswald, ich fragte einen alten Mann dort nach unserem Herzstein, der wußte aber nichts davon, nur daß es noch ein anderes St. Oswald geben würde, drüben im Waldviertel, nochmal 70 km weiter. Monate später wiederholten wir unsere Suche und zielten nun also genau auf diesen Ort zu. 5 Stunden Fahrt von München. Wir suchten die Ortstafel in der Mitte des Dorfes ab, wieder kein "Herzstein". An einer anderen Stelle standen lauter Wegweiser zu einigen Sehenswürdigkeiten in der Umgebung, kein Herzstein. Die hübsche Postlerin im kleinen Postamt hatte zwar schon mal den Namen gehört, wußte aber auch nichts näheres. Sie schickte mich zu den beiden Gemeindedienern auf der Gemeindekanzlei gleich nebenan. Die hatte aber nur vormittags auf, wieder alles umsonst. Wir machten uns selber auf die Suche, entdeckten den "Wackelstein", umkreisten ihn, in der Ferne war ein weiterer hohen Granitbrocken mit einem Hochstand zu sehen. War das der "Herzstein"? Wir wanderten hin, umkreisten ihn, nichts. Der Weg führte schwach markiert weiter in den Wald, wechselte die Farbe, wir folgten den lila Markierungen an den Bäumen, so lange bis wir auf dem Gipfel des Berges standen, den Herzstein hatten wir allerdings immer noch nicht. Endlich nach dem Abstieg wieder zurück bei der Straße, der war plötzlich ein Holzchildchen auf dem auch der Herzstein stand, neben dem Totenkopf, dem Steinernen Kornmandl und dem Drachenfelsen. Mit dem Auto fuhren wir nun weiter auf unserer Suche, wurden noch einmal ziemlich verwirrt, als nach einigen Kilometern immer noch kein weiteres Schildchen auftauchte und ein paar Abzweigungen auftauchten, aber dann, endlich, ein großes Schild: "Zum Herzstein". Steil ging es denn Waldweg hinauf, hinüber, dann wieder in Gipfelnähe, ein grauer Koloß mit einem Durchschlupfloch am Fuß und einer herzförmigen Gestalt, wir hatten es geschafft.

Wir fuhren weiter durch die "weitläufige, kristalline Landschaft" (Seemann)

und kamen in der kurzen Zeit, die wir uns dort herumtrieben, doch an einigen bemerkenswerten Punkten vorbei. Unser nächstes Ziel waren die Saubachlhöhlen westlich von Pisching im Ypsertal. Die Gegend erinnerte mich sehr an die Höhle von Huelgoat in der Bretagne, kein Zufall, denn auch da handelt es sich um eine Granithöhle.

 


30. Mai 2002
Zusammen mit zwei Freunden bin ich wieder hier, Marcus Preißner und Alfred Schlagbauer. Ein "richtiger" Höhlenliebhaber muß man schon sein, wenn man einmal richtig die Saubachlhöhlen befahren will. Erforscht sind sie inzwischen, vermessen und publiziert auch, für den Typ des Höhlenforschers, also jemand, nimmt man den Begriff ernst, der immerzu "Neues" finden will, ist diese Region abgehakt.
Trotzdem, wer seinen Horizont erweitern will, für den wird die Befahrung dieser ungewöhnlichen Naturerscheinung auch in Zukunft ein Erlebnis sein. Ein bißchen hart gesotten muß er schon sein und vom Typ der Menschen, die der deutsche Philosoph Hans Blumenberg als "Höhlenforscher" bezeichnet hat, gekennzeichnet durch seinen "Mangel an Selbstschonung". Die Höhle ist schon so eine Art "Menschenwaschmaschine". Empfindlich darf man da nicht sein. Wasserscheu auch nicht. Und engstellentauglich auch.

Was schreibe ich da? Ich hatte meinen Karbidschlauch zuhause vergessen. Meine Helmlampenbatterie fuhr auf den letzen 10 Prozent. So hatte ich praktisch fast kein eigenes Licht. Den Schlaz hatte ich an, Gummistiefel auch, die Fotoausrüstung war auch dabei. So kletterte ich zusammen mit den anderen beiden in Spreiztechnik die glatten Granitfelsen nach unten. Der Bach grugelte unter mir durch den Blockberg. Da war kein Durchkommen möglich. Ich quetschte mich wie ein Wurm durch einen schmalen Hohlraum zwischen dem unteren und dem oberen Granitblock. Der Schleifsack mußte auch noch nach. Wieder im Bach. Hinein ins kalte Wasser. Diesmal hieß es tief eintauchen in die Flüssigkeit. Neigte man den Kopf, dann kam man unter dem harten Felsblock über einem gerade noch durch. Flott ging es vorwärts, mitgenommen vom H2O. Dunkel war es jetzt endgültig. Theoretisch war die Wegfindung einfach. Es ging immer dem Wasser entlang bis zur Austrittsstelle. Aber das Wasser fließt einfach durch Stellen, für die wir einfach nicht gebaut sind. So ging es weiter. Ein kleiner Wasserfall. Flott hinunter. Dann wieder ein glattes Gleiten durch die schmalen Zwischenräume, die die hoch hoch übereinandergetürmten Granitblöcke geradenoch gelassen hatten.
Mir wurde es mit meiner "Unbeleuchtung" unheimlich. Praktisch sah ich eigentlich nichts. Irgendwelche Tritte an irgendwelchen Felsen über oder unter mir erfühlte ich nur, sah sie aber nicht. Irgendwo dazwischen geklemmt zwischen die beiden Freunde hätte ich wohl auch irgendwie überlebt, aber bei dem Gedanken, daß man sich da bei einem Unfall wieder herausretten hätte lassen müssen - lieber nicht. Ich ging zurück, was an sich schon kein leichtes Unterfangen mehr war. Ich schaffte es aber trotzdem und wollte am unteren Ausgang dieser "Menschenschleuder" auf die Kameraden warten. Auf der Erdoberfläche war es kein Problem, dorthin zu gelangen. Ich wartete und wartete und wartete, sie kamen einfach nicht. Irgendwie unglaublich. Ich besuchte auch noch das Gebiet der Unteren Saubachlhöhle und kehrte zurück. Noch immer war sie nicht. da. Ich wartete, ich wartete. Sie kamen nicht. Ich ging zurück, holte mir die tropfnassen Klamotten vom Körper. Rastete, rastete. Da kamen sie. Endlich. Einfach war es nicht. Überwindung hatte es immer wieder gekostet, die engen Schlupfe zu bezwingen, die Steilstellen abzuklettern und darauf zu vertraufen, daß nicht eine Stelle auch einen lauerte, die zu eng, zu glatt, zu schwierig für einen wäre. Dann zeigte sich da endlich ein kleiner Lichtschimmer, der dann langsam immer größer wurde, Zugang zur "Oberwelt" versprach....

 


Im Gebiet des "Kremszwickels" folgten wir dem Geologischen Lehrpfad und kamen so recht einfach zur Gudenushöhle (30 m lange Durchgangshöhle in einem Kalkmarmorband, einer der ältesten Siedlungsplätze des Menschen in Österreich), der Eichmayerhöhle (Klufthöhle, die an ein in den Hornblendeschiefer eingeschaltetes Marmorband geknüpft ist, Ausgrabungen im 19. Jahrhundert erbrachten Magdalenienartefakte und Reste von 27 Säugetier- und 8 Vogelarten)


"Moderne" Höhlenmalerei an der Wand der Gudenushöhle (Foto Adelung)

und dem Steinernen Saal mit seinen ungewöhnlichen Steinmännchen. Das ganze Gebiet dort war höchst reizvoll.

Übernachtet haben wir in Zwettl in einem hervorragenden Gasthof. Am nächsten Morgen ging es zuerst hinauf nach Kleinzwettl, weil wir auch einen Erdstall besuchen wollten. Leider war die Kirche abgesperrt und der Schlüssel gerade nicht erhältlich, weil die Verwalter nicht zuhause waren.

In Schrems, der nächsten Station, suchten wir zwei dieser "Mystischen Waldviertel"-Stätten auf, einen rätselhaften Tumulus aus rohen Steinen und gleich dabei eine Art künstlicher Naturbrücke zwischen zwei großen Felsblöcken. Wir stießen auch noch auf eine künstliche Höhle im Designcenter.

Sehr lohnenswert ist das "Grafenhäusl", ein mächtiger Felsbrocken mit einem großen Durchgang drin. Ein heruntergefallener Block im Durchgang hat drei Näpfchen drinnen.

Weiter ging es nach Neu-Nagelberg, unmittelbar an der Tschechischen Grenze. Tafeln markieren genau den Abgangsort, wo der Waldsteig hinauf zum "Kaiblstein" abgeht. Es handelt sich um eine mächtige Granitplatte, die geneigt im Wald auf anderen Riesenblöcken liegt. Der Hohlraum darunter ist so groß, daß sich bequem mehrere Leute gleichzeitig drinnen aufhalten können. Die Spuren verschiedener Lagerfeuer zeugen von früheren Aufenthalten.

Dann machten wir noch einen Abstecher zum Schloßberg bei Arbesbach. Er enthält nun einen richtig Höhlenpark. Mit Hilfe der ausgezeichneten Karte aus dem Niederösterreichischen Höhlenbuch sind sie alle gut zu finden. Mit leuchtend roter Farbe sind die Katasternummern angeschrieben, so daß keine Verwirrung aufkommt. Den Schalensteinabri hatte sich jemand vor nicht so langer Zeit offenbar zum Aufenthaltsort ausgebaut. Ein Stuhl war da, eine Couch, ein Ofen, der Boden war mit Brettern belegt.

Auf dem Rückweg nach München machten wir noch kurz Station in St. Thomas am Blasenstein. Das ist ja ein Klassiker unter den Durchschlupfplätzen dieser Erde. Die herrliche Lage auf der Bergkuppe, hoch über dem "Rest der Welt", ist allein schon den Weg dort hoch wert. Und das Durchschlupfen hilft hoffentlich.


20.-25. August 2001 Wir sind noch einmal, auf dem Weg in den Mährischen Karst, im Waldviertel unterwegs. Wieder ist Zwettl unsere Übernachtungsstation, zweimal. Wir stoßen mehrmals auf Höhlenbezogenes, z.B. in der Niederösterreichischen Landesausstellung "Sein und Sinn" im Schloss Ottenstein und beim Steinernen Torbogen zwischen Rappottenstein und Arbesbach. Davon hier ein paar Build'n.

 


Literatur:

Links:


[ Index ] [ Englisch version ] [ Höhlen und Höhlengebiete ] [ Kunst ]
[ HöRePsy ] [ Höhlenschutz ] [ VHM ] [ Veranstaltungen ] [ Links ]