Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Wanderungen im Dachsteingebiet

- vom Krippenstein zur Simonyhütte und hinunter nach Hallstatt 1999


Das "Simonyhotel" - eine alte Aufnahme


Vom 19. bis 21. August 1999 nahm ich mir einmal 3 Tage Zeit, um das Dachsteinmassiv zu durchwandern. Dieser Gebirgsstock ist nicht irgendein Höhlengebiet, sondern zählt sicherlich zu den Kronjuwelen des österreichischen Karstes. Nur das Tote Gebirge übertrifft das Karstareal an unterirdisch entwässerter Fläche. Der höchste Gipfel, der Hohe Dachstein, erreicht 2995 m. In den Nebengipfeln finden wir die höchstgelegenen Höhlen Österreichs. Und vor allem gibt es 2 riesige Höhlen: Österreichs längste Höhle, die Hirlatzhöhle, und die als Schauhöhle erschlossene Dachstein-Mammuthöhle, im Grunde kein Wunder, so der sehr gut verkarstungsfähige Dachsteinkalk eine Mächtigkeit von 1.500 Metern erreicht..

Meine Tour führte rund um das Herzstück des zentralen Höhlengebiets: Mit der Seilbahn ging es von Obertraun hinauf auf die Schönbergalpe, das zweite Teilstück mündete im Berghotel Krippenstein, und im dritten Seilbahnakt ging es wieder hinunter auf die Gjaidalm. Von da ging es zu Fuß, vorbei am Schilcherhaus, hinauf zur Simonyhütte. Am nächsten Tag stieg ich wieder hinunter, auch wegen des unsicheren Wetters, über das Wiesberghaus, vorbei an der Tiergartenhütte und dann ins Echerntal. In Hallstatt gab es leider keine wirklich leistungsfähige Busverbindung zurück nach Obertraun, denn es fahren nur 2 Busse am Tag. Als ich dort ankam, hätte ich noch 2 Stunden warten müssen. Da ging ich lieber zu Fuß die 8 km zurück und sparte auch noch Zeit.
Am nächsten Tag besuchte ich noch den Stoderzinken im Ostteil des Dachsteins. Das Gebiet ist leicht zu erreichen, weil eine Mautstraße einem den langen Aufstieg erspart. Hier zeigt sich eine ganz andere Seite des Bergstocks. Während im Zentralgebiet der nackte Karst das Bild dominiert, ist dort der Bergwald landschaftsgestaltend. Ich versuchte zur Notgasse zu kommen, allein, ich schaffte es nicht. Irgendwann hatte ich mich den Weg verloren, irrte umher und landete auf einmal wieder an einem Punkt, den ich 2 Stunden vorher auch schon gesehen hatte. Ich gab auf und war trotzdem recht zufrieden und müde.

Von einem Ereignis sei hier noch kurz berichtet, denn es zeigt die heutige Situation, 1999, in ihrer Vergleichslosigkeit zu früher. Auf der letzten Teilstrecke der Seilbahn konnte ich aus der Gondel einen Zustand sehen, der mir das Herz zusammenzog. Eigentlich befindet man sich ja im Hochgebirge, aber da stand plötzlich so ein modernes Allradauto zwischen den Latschen. Offenbar hat man bereits auch da in die Wildnis Wege gebahnt, die sie befahrbar machen. Und man ist fleißig dabei, die Naturlandschaft up-to-date zu machen. Einiges passiert wohl unter dem Motto des Umweltschutzes, weil die ganzen Berghäuser, Hütten kann man dazu nicht mehr sagen, eine Wasser- und Abwasserversorgung bekommen. Dazu wird die Gegend überall aufgerissen, Kanäle werden in den Kalk mit Hilfe moderner Geräte gehämmert, und nach der Verlegung wieder mit Felsgestein zugeschüttet. Der Weg zum Schilcherhaus und die halbe Strecke hinauf zur Simonyhütte war begleitet vom Lärm der Schlaghammermaschinen, die der Natur zu Leibe rücken. Ruhe war hier nicht mehr zu finden, sondern unser modernes Wirtschaftsleben in seinen Auswüchsen war auch hier noch zu besichtigen. Anschlagtafeln einer "Naturschutzbehörde" vor sich zu sehen, die darauf aufmerksam machte, man sei in einem "Naturschutzgebiet", wo das Lärmen verboten sei und Strafe drohe, wenn man gegen diese Vorschrift verstoße. Alles paßte perfekt in unser "globalization system". Nach uns die Sintflut oder der nächste Börsencrash oder vor uns die Frühpensionierung.

Blick aus der Seilbahngondel kurz vor dem Krippenstein
Richtung Osten

Aus der Gondel ein Blick auf den Eingang zur Dachstein-Mammuthöhle
Blick aus der Seilbahngondel Richtung Westen
Da drunter lag damals Österreichs längste Höhle!
Von der Gjaidalm Richtung Krippenstein
Im Bild ist deutlich die Lifttrasse zu erkennen
Bauarbeiten vor dem Schilcherhaus
Schilderwald
Ein letzter Baum erhebt sich aus der Latschenwildnis
Talstation der Materialseilbahn zur Simonyhütte

Halbhöhle am letzten Aufstieg zur

Simonyhütte

Das "Simonyhotel"
eine Halbhöhle, die zu einer einfachen Unterkunft ausgebaut worden war
Blick auf den Dachsteingletscher
Etwa in der Bildmitte verschwindet der Gletscherbach in den Dachstein hinein!

Schachthöhleneingang in der Nähe

der Simonyhütte

 

Literatur:

Mandl. Franz, herausgegeben von ALPEN, Festschrift 25 Jahre ANISA, Gröbming 2006

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