Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Der Lamprechtsofen / Salzburg / Österreich


30. Oktober 2006


Im Ebersbergkar - das Gebiet über der Höhle

Leoganger Steinbergen, Landschaft und Höhlen in den


Blick aus dem Steinernen Meer Richtung Westen / Leoganger Steinberge /
Der weiße Ring zeigt die Region, unter der der Lampo liegt


Eine Phototour in den Lampo: Am 2. Februar 1999 war ich mit Stefan Vegh, Winfried Raab und Dr. Werner Zettl zu einer Fototour wieder einmal im Lampo unterwegs. Vor dem Lampo ging es richtig zu, weil noch zwei weitere Gruppe ins Loch wollten, ein paar Höhlenforscher vom Salzburger Höhlenverein und Dr. Franz Meiberger mit einer Touristengruppe. Unser ursprüngliches Ziel war eigentlich die "Riviera", aber daraus wurde letztendlich nichts. Vielleicht beim nächsten Male. Jedenfalls haben wir ausgiebig fotographiert und die Bilder sind etwas geworden.....

   

Im August 1998 stand es plötzlich im Internet - der Lamprechtsofen, die tiefste Höhle der Welt! Auf der Homepage des Landesvereins für Höhlenkunde in Salzburg war es zu lesen. Damit hatten die Bemühungen von Generationen von Höhlenforschern einen krönenden Abschluß gefunden. Am 19. August 1998 war es einer polnischen Höhlenforschergruppe gelungen, die mit "P1-2" bezeichnete Höhle mit dem Lamprechtsofensystem, dem inzwischen mit ca. 50 km Länge auch längsten Höhlensystem des Landes Salzburg, zu verbinden. Der Gesamthöhenunterschied wuchs damit auf 1.632 m und überholte damit den Gouffre Mirolda (Criou-Massiv, Samoens, Haute-Savoie, F), der seit dem 22. Januar 1998 mit 1.610 m als tiefste Höhle der Erde galt.


Seit dem 16. Januar 2001 ist der Lamprechtsofen die Nummer 2 auf der Hitliste der tiefsten Höhlen der Erde. In der Voronya-Höhle im Westkaukasus gelang einem Team aus Höhlenforschern aus der Ukraine, Spanien, Frankreich und Russland das Vordringen bis in eine Tiefe von 1680 m. Ein weiterer 70 m tiefer Schacht zieht weiter nach unten.


Die 98er Expedition, die aus 20 Personen bestand, hatte als Hauptziel, eine Verbindung zwischen dem Vogelschacht und der Höhle PL-2 zu finden. Auf Grund der Vermessungen dachte man, daß man nur 30-60 Meter von einander entfernt sei und daß das wohl leicht zu bewerkstelligen sei. Tatsächlich waren dann 1,2 km an Gängen, Kaminen und Schächten zu überwinden, ehe der Zusammenschluß tatsächlich stattfand. Die neuen Gänge führen übrigens in Richtung Kuchelhorn und Birnhorn, ein Gebiet, in dem bislang noch keine bedeutenden Höhlen gefunden worden sind. Gegen Ende der Expedition wurde eine Höhle erkundet, die noch 15 m höher als PL-2 liegt, und die bis - 60 m erforscht wurde. Umgekehrt wurde aus Mangel an Zeit. Eine CL-3 genanntes Objekt ist 70 m höher als PL-2 und könnte vielleicht unter Einsatz von Sprengmitteln weitererforscht und ans Lamposystem drangehängt werden. Dann ist es nicht mehr weit und man stößt endgültig an den Gipfelkamm. Der ausführliche Bericht in englischer Sprache ist unter den Links zu finden.

Ein paar Photos von mir aus dem Lampo, die in den letzten Jahren in verschiedenen Zeitschriften erschienen sind:

Der Eingang im Winter Kurz vor dem "Sandbiwak"

Bei den "Grünseen" In der "Steinbachklamm"

 

1981 erschien einmal in der Zeitschrift "Der Bergsteiger" ein Artikel ohne Autorennennung (ich habe ihn verfaßt)

"Zur Erforschungsgeschichte des Lamprechtsofens"

Die historischen Ereignisse sind eine Gelegenheit ihn wieder aus der Versenkung zu holen:

"Der Lamprechtsofen liegt in den Leoganger Steinbergen, 80 km südwestlich von Salzburg. Das große Eingangsportal am Fuße des steil zum Saalachtal abfallenden Lahnerhorns in der Nähe einer starken Karstquelle war vermutlich schon seit Urzeiten bekannt. Urkundliche Erwähnung fand die Höhle zum erstenmal im Jahre 1650. Das Pflegegericht Lofer wurde von Salzburg beauftragt, genaue Berichte über das Schatzgräberwesen in der Höhle zu liefern. Über 200 Skelette sollen dabei festgestellt worden sein. Wiederholt wurde versucht, durch Absperrung des Loches dem Unwesen Herr zu werden, doch zerstörten Hochwässer regelmäßig die errichteten Mauern und Gitter.

Die erste systematische Untersuchung der Höhle fand am 22. Januar 1883 durch Ferchel und seine Kameraden statt Im Auftrag des Österreichischen Touristenklubs begannen 1883 die Gebrüder Stainer mit der Erschließung der Höhle für den allgemeinen Besuch. 1905 wurde das Erschließungswerk mit dem Bau der Führerhütte und der elektrischen Höhlenbeleuchtung vollendet und der Schauhöhlenbetrieb aufgenommen.

Bis zum Jahre 1962 konnten rund 1400 Meter Höhlenstrecke vermessen werden, und die Erforschung des Lamprechtsofens galt als abgeschlossen.

Da gelang den Tauchern Gustav Papacek und A. Koppenwallner 1962 die Durchtauchung des bis dahin alle weitere Forschung verhindernden Bockseesiphons. Was sie jenseits davon fanden, übertraf alle Erwartungen: "Hallen, Gänge und glitzernde Seen, deren Ausmaße im schwachen Licht der Karbidlampen nicht zu erkennen waren, Steilabstürze, die sich im Unendlichen zu verlieren schienen." Diese Erfolge hatten eine sehr intensive Forschungstätigkeit des Salzburger Höhlenvereins zur Folge. Ein Tunnel von einem Meter Breite und sieben Metern Länge wurde über den Bocksee gesprengt, eine Forscherhütte am Eingang des Lamprechtsofens errichtet, zahllose Stunden mit dem Ausbau des Forscherweges zugebracht (Einbau von fixen Eisenleitern, Halteseilen, Trittstiften, Einbringen von drei Booten), eine Telefonleitung vom Eingang bis in die hintersten Teile des Loches gelegt, und vor allem wurde die Forschung weitergeführt. Eine kleine Gruppe von begeisterten Salzburger Höhlenforschern drang immer tiefer in das Innere der Leoganger Steinberge vor. Die extremen Schwierigkeiten beim Erklimmen der oft überhängenden, brüchigen und nassen Schlote und Wände ließ die Zahl der Forscher, die solchen Anforderungen gewachsen war, stark schrumpfen. Endpunkte schienen im Winter 1984/75 740 Meter über dem Eingang erreicht. Bezeichnungen für neu gefundene Höhlenteile wie "Feierabend" und "Waterloo" zeugen davon. 1975 gelang es, 50 Meter oberhalb des Bodens der Mondhalle eine überhängende Wand zu passiern und in die jenseitige Fortsetzung vorzudringen. 1976 gelang es hier, in das "Transgrüntopfsystem" vorzustoßen, das aus dem gigantischen, über 100 Meter tiefen King-Kong-Schacht und dem 120 Meter langen Hallenbadsiphon besteht.

1977 kam zum erstenmal eine Gruppe von polnischen Höhlenforschern aus Krakau zum Lamprechtsofen, die auch gleich neue Fortsetzungen nach oben bis + 840 Meter fand. In den folgenden Jahren kamen sie wieder und stiegen noch höher, der magischen Zahl "+ 1.000 Meter" entgegen. Am 25. Januar 1979 war es soweit. In den "Polnischen Kaskaden" wurde ein Punkt 1.014 Meter über dem Eingang im Saalachtal erreicht. Engstellen, aus denen starker Wind kommt und die erst aufgesprengt werden müssen, verheißen noch weitere Fortsetzungen nach oben.

+ 1.014 Meter wurde bisher noch in keiner anderen Höhle der Welt erreicht, und dieser Rekord zog Höhlenforscher aus vielen Ländern der Erde in diese faszinierende Höhle. Dem Belgier Jean-Pierre Braun gelang am 28. Februar 1981 der erste Alleingang vom Eingang zum höchsten Punkt und zurück in 20 Stunden.

Die gewaltigen Schwierigkeiten im Innern der Höhle führten dazu, von oben, vom Plateau des Nebelsbergkars, in einer Höhe zwischen 1800 und 2000 Metern, nach einem oberen Eingang in das Lamprechtsofensystem zu suchen. Ein Färbeversuch im Jahre 1971 hatte bewiesen, daß das Wasser, das große Teile der Höhle durchfließt und in Quellen in der Nähe des Höhleneingangs zutage kommt, in den wilden Karrenwüsten des Nebelsbergkars 1600 Meter höher versickert. Polnische und Salzburger Höhlenforscher erkundeten daraufhin in den folgenden Jahren über 50 Schachthöhlen in diesem Gebiet.

Der große Wurf gelang erst 1975. Ein einheimischer Bauer führte Salzburger Forscher zum Eingang des bis dahin nur gerückteweise bekannten "Wieserlochs". Die Forscher stiegen bis - 200 Meterab, Polen machten weiter, wobei es bald so schien, als sei auch hier in 400 Metern Tiefe ein Ende erreicht. Erst 1979 gelang schließlich der Durchbruch. Die polnischen Forscher stießen auf den "Grünen Fluß", die "Stillen Galerien" und am Ende auf die "Schwarzen Seen". Mehr als 5000 Meter Gesamtganglänge sind zur Zeit bekannt, 730 Meter Tiefe sind erreicht und die Gänge weisen in Richtung auf die Mitteletage des Lamprechtsofens in etwa 1300 Meter Seehöhe.

Wird es jemals gelingen, einen "zweiten" oberen Eingang in den Lampo zu finden? Vieles spricht dafür: der starke Luftzug, Bärenknochen in der obersten Teilen der erkletterten Schlote, die vielen Schächte von oben, doch kein Mensch weiß es wirklich. Das macht gerade die Faszination der Höhlenforschung aus. Es gibt niemanden, der sagen kann, wie es im Berg jenseits der befahrenen Teile aussieht. Und es wird immer wieder einzelne Menschen geben, die versuchen werden, der erste zu sein, das zu wissen."

Dieser Text wurde 1981 für die Zeitschrift "Der Bergsteiger" geschrieben. Inzwischen ist viel Zeit vergangen und es gibt heute eine Reihe von Menschen, die recht gut über dieses damals noch unbekannte Gelände Bescheid wissen. Längst ist schon ein zweiter, ein dritter Eingang gefunden worden. Mehrere Tage dauernde Gesamtdurchstiege wurden von einigen Leuten gemacht, z.B. von Alfred Schlagbauer, unseren "Lampobezwinger" aus dem Chiemgau. Wer mehr darüber erfahren will, konsultiere die eingangs erwähnten Publikationen.

   
   

Erwähnt werden sollte hier natürlich auch, daß der Eingangsbereich der Höhle Schauhöhle ist und mit Führungen bis in die Stainerhalle besichtigt werden kann! (Kontakt: Rosa Ebser, A 5092 St. Martin, Obsthurn 28, Tel. 065 82/8343, Gasthaus Lamprechtshöhle) Wer noch tiefer hinein will, dem werden heute geführte Touren angeboten (siehe Links).

Inzwischen gibt es im Internet schon etliche Links über den "Lampo", wie die Höhle liebevoll bei den Kennern heißt.

30.10.2006 im Eingangsteil

 

 

 


Was ist das Gegenteil von "updaten", also alles auf den neuesten Stand der Information bringen? Vielleicht das "downdaten", das Hineintauchen in die Vergangenheit, das Wiederherausholen aus der Vergessenheit, des Verschüttetseins, des Verdrängtseins?

Mir sind gerade 2 alte Bücher in die Hände gefallen, die beide kurze Abschnitte über den Lamprechtsofen enthalten. Heinrich Noe, ein Klassiker der alpinen Schriftstellerei, beschreibt den Lamprechtsofen in seinem Deutschen Alpenbuch Band 1, Salzkammergut, Oberbaiern, Algäu, Glogau ohne Jahresangabe (das war bestimmt vor der Rechtschreibreform um die Jahrhundertwende): "Im Gasthause zu Weißenbach, das dem Förster gehört, sieht man das Profil des früher erwähnten "lamprechtsofenloches", einer jener berühmten Pinzgauer Schatzhöhlen, um die sich eine reiche Reihe von Legenden angesammelt hat. Die Geschichte von den Schwaben, die alljährlich in die Christmette kommen, von den gefundenen Skeletten verunglückter Schatzgräber, von den schauerlichen Höhen und Tiefen darin, von Seen und Wasserstürzen in der dichten Nacht sind öfter erwähnt worden - am merkwürdigsten sind die Stellen darin, die man nur im Winter über das Eis unergründlicher Tümpel hin überschreiten kann - und der Förster hält nicht damit zurück. Ich aber benutze die Gelegenheit, um den Lesern ein Mehreres über solch wundersame Grotten in der Nachbarschaft zu berichten..." S. 441.

Bei Friedrich Panzer, der Mitte des letzten Jahrhunderts das klassische Werk über die Bayerischen Sagen verfaßt hat, steht folgendes: "Diesen Namen führen mehrere in den Felsen sich verbreitende Gänge, wo sich vor undenklichen Zeiten drei Schwestern aufhielten, welche sehr reich waren. Eine von ihnen, die böse, war halb schwarz, halb weiß. Als eine der guten starb, teilten die übrigen den Schatz. Die böse betrog ihre blinde Schwester, indem sie, wenn sie den Teil für die blinde machte, den umgekehrten Metzen bis an den Rand mit Geld füllte, wo dann nur der untere Teil des Bodens bis an den Rand bedeckt war. Sie ließ die blinde mit der Hand darüber streichen, und diese glaubte, der Metzen sei voll, wogegen die böse für sich den Metzen ganz anfüllte. Wegen dieses Betruges muß nun die böse büßen. Nach dem Ofenloch, dem Eingang in die Höhlen, führt ein stets gebahnter Weg. Im Schnee sieht man Fußstapfen, ähnlich dem Pferdehuf." S. 2


Bilder vom Schauhöhlenbesuch anläßlich von HÖREPSY 2010:

Der Eingang im Oktober 2010  
   
 > Felsritzzeichnung im Höhleneingang  

 
Ein nachgebildeter "Schatzgräber"

> Die ersten Meter in der Höhle

 
 
Reste der früheren Wasser- und Stromleitung

> Der künstliche "Wasserfall"
 
Spuren hinterlassen:

1883 an der Höhlenwand

und 2008 im Hüttenbuch der Lampohütte
(hier der Bericht von der erfolgreichen
Höhlenexpedition polnischer Höhlen-
forscher ins Gebiet oberhalb des
Lampos im Dürrkar)

 
   
   
Die neuen Informationstafeln

> Die Notfallausrüstung für den Fall einer
Überschwemmung des Eingangsteils, so daß
das Verlassen der Höhle nicht mehr möglich
wäre

 
 
Der Zugang zum "Forscherteil": zur Zeit
fest abgeschlossen
 

Fototour 2016

 Höfofuhrpark vor der Lampohütte

>   Höhleneingang

 
Alte Inschriften im Hachelgang

 

 

 


Literatur:

Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg  SALZBURGER HÖHLENBUCH Band 2, Salzburg, 1977. 
Kleszynski, Christopher Lamprechtsofen - The Magic "1,000", Caving International Magazine 11, April 1981, p 34ff
Kleszynski, Christopher Caving in Austria - the search for Lamprechtsofen's upper entrance, Caving International Magazine 12, July 1981, p 6f
Klappacher, Walter, Gesamtredaktion Salzburger Höhlenbuch Band 6, Salzburg 1996
Klappacher, Walter, Schwarz, Heinz Forschungsergebnisse aus dem Lamprechtsofen bei Lofer (Salzburg), DIE HÖHLE 4-1967, S. 93ff.

 


Links:


 


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